Advent, Advent, der Stressball brennt …

Ich war dieses Jahr nicht in Weihnachtsstimmung. Ich bin generell kein Weihnachtsmensch. Der Stress (der da ist und der, den man sich selber macht), die vielen (zusätzlichen) Menschen, die durch die Stadt und die Geschäfte stromern, wo man sich schon fragen muss, was die alle in der Stadt machen, wenn doch angeblich so absurd viel online bestellt wird – wissen diese Menschen nicht, dass sie dann nicht in die Stadt müssen, dass das der Sinn der Online-Bestellungen ist? Alles ist so hektisch und voll. Draußen und in meinem Kopf.

Nachdem ich die Jahre zuvor die Adventskalender selber gebastelt und der Antichrist sie beispiellos in der ersten Woche vernichtet hat, kaufte ich dieses Jahr einen, aus Trotz und Desinteresse an dem ganzen Spektakel. Ist ja nicht so, als wenn ich einen Orden für den am geilsten gebastelten Adventskalender kriegen würde. Unnötig zu erwähnen, dass der Gekaufte ebenfalls in der ersten Dezemberwoche seinem verfrühten Ende zugeführt wurde.

Ich habe mich in diesem Jahr auch eines Adventskranzes verwehrt und mir stand null der Sinn danach, den künstlichen Baum in die Wohnung zu stemmen, zu schmücken, zuzusehen, wie die Hunde ihr Spiegelbild in den Weihnachtskugeln ankläffen und im Anschluss voller Elan an den Baum pinkeln und einen Kurzschluss verursachen, sodass ich obdachlos ins Neue Jahr starte.

Das überhaupt gefeiert wird, ist den besinnlichen Bedürfnissen des Lütten geschuldet. Wenn es nach mir ginge, würde ich die Bescherung ausfallen lassen. Keinen Weihnachtsbraten, keine schief gesungenen Weihnachtslieder, in denen die Ankunft des besten Messias aller Zeiten verkündet wird, keine Geschenke, die man erst vor zwei Stunden sorgsam und liebevoll verpackt hat und die abends wie im Rausch aufgerissen und die Altpapiertonnen auf Wochen verstopfen werden.

Ich bin müde. Nicht von der Weihnachtszeit, sondern von dem ganzen Jahr. Der Lütte hatte Anfang Dezember Geburtstag, die Organisation des Tages inklusive der Muffins, die mit in die Schule gebracht werden mussten, schlauchte. Die Feier eine Woche später, bei der ich erneut bei dem Vorhaben „Dieses Jahr machen wir aber was ganz simples, ohne viel Aufwand!“ grandios gescheitert bin, nicht viel weniger.

Die Situation bei mir zuhause ist immer wieder unerträglich – ich habe mehrfach angedeutet, dass ich die Entstehungsgeschichte des Elends, das sich bei mir wortwörtlich eingenistet hat, einmal in Ruhe verbloggen werde, aber das wird nicht heute sein. Weil mir die Ruhe dafür fehlt. Die Ruhe im Kopf.

Ich möchte eigentlich gerade gar nichts machen. Schlafen, chillen, netflixen, lesen, zwischendurch Honigprinten schnabulieren und heißen Kakao mit Sahne trinken, nicht viel reden, ganz viel schweigen und vor allem nicht streiten.

Aber ich bin wahnsinnig schlecht im Entspannen und im weniger Machen. Während ich versucht habe, nichts zu planen, nichts zu denken, habe ich begonnen, das Konzept für ein Kultur-Café zu erstellen, Dinge für den Etsy-Shop herzustellen, mich zu erkundigen, welche Bedingungen man erfüllen muss, um Hunde zu züchten – und natürlich den Adventskalender auf Facebook zu starten. Als hätte ich eine Fehlfunktion in den Synapsen, die, sobald sie nur ein bisschen zur Ruhe kommen, erst Recht aktiv werden. Vielleicht denkt mein Gehirn ja, es sei ein Hai – der muss sich ja auch immer weiter bewegen, um nicht zu sterben. Vielleicht hat mein Gehirn einfach Angst, es geht aus, wenn es nicht ständig auf neuen Sachen und Ideen rumdenkt.

Dass ich aber eher so der Walhai bin, eigentlich lieber gemütlich durchs Leben schwimmen würde, ganz entspannt und chillig, ist meinem Gehirn egal. Es hält mich für einen weißen Hai, irgendwas sportlichem, voller Energie. Das ist so ein grundsätzliches Missverständnis zwischen mir und meinem Gehirn.

Ich versuche dann zwar Schritt zu halten, einfach schneller zu schwimmen, mich dem Tempo meines Gehirns anzupassen, aber das klappt dann auf lange Sicht eben nur so mittel gut.

Lange Rede, kurzer Sinn: Das war der Grund, wieso ich den Adventskalender auf Facebook dieses Jahr – wie so vieles – nicht zu Ende gemacht habe. Ich hoffe, dass die Tage, an denen er stattfand, ein kleines Lächeln in eure jahresmüden Gesichter gezaubert hat.