Aufstehen. Hose. Smoothie

Als verantwortungsvoller Blogger möchte ich Sie darauf hinweisen, dass in dem kommenden Text verhältnismäßig viel geflucht wird. Falls Sie dies nur schwer ertragen können, möchte ich Sie an dieser Stelle höflichst bitten, sich zu verpissen. Merci.

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Die ersten Wochen von 2020 waren nicht leicht. Okay, 2019 war es auch schon nicht. Und 2018. Und 2017. Sagen wir einfach, das Glas ist seit längerer Zeit nur halbvoll. Und zwar mit Scheisse.

Und so sehr mich die kleinen und großen Tief- und Rückschläge auch immer wieder niederdrücken, zum Teil zu ersticken drohen, gebe ich nicht auf. Weil man eben weitermacht, weil man weitermachen muss, weil es nicht besser wird, wenn man einfach gar nichts macht.

Zugegeben, ich hatte mehr als nur einen Moment – es dürften eher etwa 2.704 gewesen sein –, in dem ich meinen müden, matten Körper einfach nur ins Bett geschmissen habe, wie einen übervollen Müllsack in die Tonne. In dem ich mir die Decke über den Kopf gezogen habe und nichts mehr wollte. Nichts mehr hören. Nichts mehr sagen. Nichts mehr denken. Atmen war okay. Solange ich nicht übers Atmen nachdachte.

Bisher habe ich mich immer wieder aufgerappelt. Einfach, weil ich musste. Weil da kleine Zwei- und Vierbeiner in meinem Leben sind, die auch Bedürfnisse haben. Gott sei Dank.

Also weitermachen. Aufstehen. Hose anziehen. Zähne putzen. Smoothie trinken.

Das Bild von Sisyphos blieb. Das Gefühl, dass es nicht weniger wurde. Egal, wie viel Taurin und Koffein man seinem Körper auch zuführte. Man rennt sich selbst ständig hinter her, schreibt Listen, die einem sehr deutlich und unmissverständlich zeigen: wenn man morgen alles genauso macht wie auf der Liste, dann schafft man es. Nur dass man es nicht so macht wie auf der Liste, weil man 37 und nicht 19 ist und alles unter sieben Stunden Schlaf einen in etwas verwandelt, was bei The Walkind Dead zombiesk und mit halben Torso am Straßenrand entlangkreucht. Die eigene Leistungskurve zeigt eisern gen Erdkern und schert sich einen Dreck um die Liste, die man am Vorabend so fein säuberlich erstellt und ausdruckt hat. (Farbig natürlich. Mit Emojis!)

Aber es hilft ja alles nichts. Weitermachen. Hose anziehen. Vielleicht duschen wir auch heute mal, das wäre doch was. Smoothie trinken und versuchen, nicht daran zu denken, dass ich Smoothies hasse.

Das könnte noch ewig so weitergehen. Letztlich geht es ja bei Sisyphos genau darum. Um die Ewigkeit. Aufstehen. Hose. Smoothie. Weitermachen. Aufstehen. Hose. Smoothie. Weitermachen.

Und dann kam 2020. Und holy motherfucking fuck! was für ein scheiß Jahr waren die letzten sechs Wochen bitte? Eine Scheiße reihte sich an die nächste. Als liefen auf Eurosport die Weltmeisterschaften im Scheiße-Staffel-Lauf und man findet ums Verrecken die Fernbedienung nicht, um endlich umzuschalten und zu verhindern, dass sich die Scheiße ohne Luft zu holen die Klinke in die Hand gibt.

Aber Depressionen hin oder her (auch so ein Satz, wofür man durchaus in die Hölle gehört), ich bin grundsätzlich der festen Ansicht, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt. Diese Lösung ist nicht immer schön, oft ist sie auch unbequem und mühsam, aber niemand hat je behauptet, eine Lösung habe immer easypeasy zu sein.

Nach den letzten sechs Wochen bin ich nun bereit für diese Lösungen. Für die Lösungen, die mir zwar auch einiges abverlangen werden, die aber am Ende dafür sorgen können und werden, dass es einfacher wird. Besser. Weniger sisyphosisch. Generell weniger scheisse.

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