Blocken für’s Seelenheil

Vor entsetzlich langer Zeit schrieb ich einmal über das unsägliche Follow-Unfollow-Verhalten mancher Twitterer.

Ich kann bis heute auf menschlicher Ebene gut verstehen, wenn man mich, nachdem ich ihn entfolgt habe, stante pede ebenfalls entfolgt.

Was ich bis heute jedoch einfach nur affig finde, sind Menschen, die einem folgen, einem x Tage Zeit geben zurückzufolgen und einen dann bei Verweigerung entsprechender virtueller Zärtlichkeitsbekundungen wieder entfolgen.
Diese Leutchen sind nur noch von diesen gehirnreduzierten Internetamöben, die dann direkt im Anschluss (!!) nochmal folgen, zu toppen.

Vielleicht klappt’s ja dieses Mal!

Vielleicht ist Claudia ja doof und merkt’s nicht!

Vielleicht hat sie ja keine Birdbrain-App, die ihr deine Fresse anzeigt, wie du da ständig den Follow-Unfollow-Button vergewaltigst.

Und da mich so etwas nach ca. sechs Jahren Twitter immer noch extrem nervt, habe ich Ende letzten Jahres das Blocken für mich entdeckt.

Und was soll ich Ihnen sagen: Es ist wundervoll.

Es verschafft einem auf dem selben infantilen Level wie beim Zurückschubsen auf dem Spielplatz ein wohlig, warmes Gefühl von Zufriedenheit. Ein Gefühl von Wiederherstellung von Recht und Ordnung. Ein Gefühl von Nicht mit mir, Arschloch. Ein Gefühl von ein wenig auf die Finger hauen. Ein Gefühl von:

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Und weil ich merkte, dass es mir gut tat, und dass es generell gut ist, Menschen, die einen nerven, aus seinem Leben auszusperren, weitete ich das Blocken aus.

Ich blocke Menschen, deren Vorstellung und fantasievolle Umsetzung der deutschen Rechtschreibung mir missfällt.

Ich blocke Menschen, die mir gruselige Replies schreiben.

Ich blocke Menschen, die mir Replies schreiben.

Ich blocke Menschen, vor deren Avatar ich mich fürchte.

Ich blocke Menschen, deren Meinung mir nicht passt.

Ich blocke Fleischanbeter.

Ich blocke Veganer.

Ich blocke Menschen, die mich nerven.

Ich blocke Menschen, die zu viele Smileys und *ironie* und *lach* twittern.

Ich blocke Menschen, die ich nicht mag.

Ich blocke Werbemenschen.

Ich blocke Unfollower.

Ich blocke aus Langeweile.

Ich blocke Titten, Trullas und Tchibo.

Ich blocke Präsidenten, Päpste und Penisse.

Ich blocke wen ich will.

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Ich blocke für mein Seelenheil. Weil das Internet mein Hort ist. Mein Elysium, das ich mir so schaffe, wie ich es will, brauche und kann.

Ich bestimme, wer reinkommt und wer bleiben darf. Ich bestimme, mit wem ich rede und mit wem nicht.

Sie dürfen da anderer Meinung sein. Sie dürfen mich und mein Geblocke scheisse, wenn nicht gar derbe scheisse finden. Herrje, Sie dürfen mich sogar blocken!

Denn in Ihrem Elysium dürfen Sie machen, was Sie wollen.

Und das ist doch schön.

8 thoughts on “Blocken für’s Seelenheil

  1. Was für ein armseliges Leben Sie haben müssen. Das klingt gerade so, als würden sie in Ihrem RL permanent unterdrückt und das Blocken im Internet wäre Ihre einzige Möglichkeit, sich endlich mal Respekt zu verschaffen.

    Mein tiefstes Bedauern.

    • Danke. Es tut sehr gut endlich mal verstanden zu werden. Und der Vorteil, wenn andere einen zu ernst nehmen, ist, dass man es dann selbst nicht mehr tun muss. Auch dafür danke.

  2. Ich frage mich ja generell innerlicher Menschen wissen warum Ihnen jetzt jemand entfolgt ist. Ich meine das ernst. Manchmal Folge ich Menschen, weil es interessant wirkt was sie schreiben oder lustig oder was auch immer und nach einer Woche merke ich aber dass es doch nicht so meins ist. Hält man mich dann auch für einen ‚auf den „Rückfollow“ wartenden‘ Menschen?

    Ich wundere mich nur.

    • Es gibt Menschen, bei denen es sehr auffällig ist wie berechnend sie das machen. Folgen, am nächsten Tag entfolgen. Dann wieder folgen. Etc. etc. Ich blocke bei Weitem nicht jeden, der mich entfolgt. Da hätte ich ja auch gar nichts anderes mehr zu tun ;)

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