Frische, alte Krabbenbrötchen (reloaded)

Vor fast fünf Jahren, noch bevor ich selbst in Hamburg wohnte, weilte ich des Mannes wegen für ein paar Tage in der schönsten Stadt Deutschlands. Und nachdem wir uns an Elbe und Alster satt gesehen hatten, entschieden wir uns – spontan, jung und verrückt, wie wir damals nun mal waren –, einen Abstecher an die See zu machen. Und fuhren nach Büsum.

In Büsum selbst ist nicht viel, vor allem außerhalb der Saison. Ein Deich, ein paar Schafe, etwas Strand und eine Innenstadt in der Größe eines Schuhkartons, in der sich vor allem die Gelegenheiten, Essbares zu konsumieren und den BMI in ungeahnte Höhen zu treiben, nur so stapeln. Und vorrangig gibt es dort natürlich Meeresgetier. Denn dafür fährt man ja ans Meer: Um frisches, totes Meeresgetier zu schnabulieren.

Ich bin bekanntlich ein furchtbar schlechter Veganer, um nicht zu sagen, ich gehöre zu den wenigen carnivoren Veganern, die es gibt und die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie Sätze wie „Was kochst du da? … Chili con Carne? … Kann ich nicht essen, vegan und so, du weißt ja … Sieht aber lecker aus … Ach. Ich ess‘ einfach ’nen Apfel … Andererseits riecht das wirklich gutNOMNOMNOMNOM!!“ sagen.

Meiner ausbaufähigen Disziplin entsprechend, zog es mich daher auch an jenem Tag magisch zu diesem kleinen Büdchen direkt am Deich, in dem eine korpulente Verkäuferin (was ich stets als Zeichen erachte, dass das Essen irgendwo lecker sein muss) sirenenhaft mit einem leckeren Krabben-Brötchen lockte. Nur um dann zuzusehen, wie sie mit einer schnörkellosen Selbstverständlichkeit zwei Discount-Packungen Nordseekrabben aufzuriss und den Inhalt mit bemerkenswert wenig Liebe auf die frisch aufgeschnitten Brötchen schüttete.

Mir fehlen recht selten die Worte, aber in diesem Moment blieb mir nichts anderes übrig, als einfach nur mein katastrophal überteuertes Krabben-Brötchen entgegenzunehmen, zu bezahlen und es die nächsten Minuten einfach nur stumm anzustarren. Die Frage, ob das eine jener Situationen war, in denen man sich unfassbar echauffieren oder sich doch für seine eigene Naivität nicht doch ein wenig schämen sollte, bleibt bis heute unbeantwortet.

Denn wie naiv muss man sein, wenn man glaubt, in Büsum an einem kleinen Büdchen auch tatsächlich frische Büsumer Krabben zu bekommen? In der heutigen Zeit …

Dennoch finde ich den Gedanken, dass es in einem so kleinen, unbedeutenden Örtchen wie Büsum derart internationale Dinge – wie Krabben, die vermutlich nahe Büsum eher auf die „Umweltschutz, wie schreibt man das“-Weise gefischt, dann via Holland nach Marokko (!!!) geschafft wurden, um dort gepult zu werden und schließlich – ca. drei Wochen nach dem Fang – wieder in Büsum, 300m Luftlinie vom Meer entfernt, an Touristen verkauft werden – gibt, auf eine tragische Weise schon fast wieder komisch.

Ironie? Kann der Büsumer.

Unbekannte Frau nach Krabben-Verzehr

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