6 Gedanken zur Briefwahl

Man liest ja dauernd Dinge im Netz, bei denen man denkt „Echt jetzt?“ Aber meistens ist das Leben und die eigene Aufmerksamkeitsspanne zu kurz, als dass man die Ruhe oder Energie hat, sich langfristig zu empören. Bei all meiner Motzigkeit: Wären mehr Menschen wie ich, es gäbe wohl weit weniger Shitstorms.

Doch auch meine sorgsam gepflegte Gleichgültigkeit gegenüber der Menschheit hat irgendwann ein Ende. In der Regel, wenn eine Meinung im Netz munter wiederholt wird und man sich bei der x-ten Wiederholung gar nicht so munter fühlt, sondern eher verärgert. Weil man sich angesprochen fühlt. Auf unangenehme Weise.

In diesem Fall war es das seit einiger Zeit regelmäßig wiederholte Gemaule, dass Briefwahl für Menschen, aber auch nur und ausschließlich für jene Menschen sei, die am Sonntag wirklich verhindert seien, sei es körperlich oder psychisch (weil man Agoraphobie hat oder einen Job) – und eben nicht für all die faulen Säcke, die am Sonntag nur keinen Bock haben, ihren Arsch vom Sofa hochzubewegen.

Dieser Vorwurf kam in verschiedenster Kleidung daher, aber stets kam das Wort faul darin vor. Und als ich es das erste Mal las, dachte ich nichts. Beim zweiten Mal dachte ich „Echt jetzt?“. Und beim sechsten Mal dachte ich nur noch:

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Die Urlaubs-Agenda

Soweit ich zurückdenken kann, habe ich, wenn ich in Urlaub gefahren bin, Listen angefertigt. Listen mit Dingen, die ich im Urlaub machen will. Und natürlich Listen mit Dingen, die ich mitnehmen muss, damit ich die andere Dinge machen kann.

Ich hatte immer so viele Stifte, Papier und Zeichenutensilien dabei, ich hätte jederzeit einen Schreibwarenladen aufmachen können. Dann noch die Bücher, die man lesen wird kann muss. Sportschuhe. Weil man ja jetzt endlich mal Zeit für Sport hat. Vielleicht noch das Meditationskissen. Und, und, und.

Am Ende der Ferien hatte ich in der Regel nichts davon gemacht, sondern mir einfach vor Ort fünftausend verschiedene Comics gekauft und sie im Schatten des Strandkorbs gelesen.

Die Zeiten, in denen ich mit meiner Familie in Urlaub fuhr, sind lange vorbei. Und während des Studiums fuhr ich nicht in Urlaub – ich verreiste. Tourte alleine den Nil hoch, flüchtete vor meinem Geburtstag für ein paar Tage nach Amsterdam – und am Ende blieb ich einfach zuhause und machte eine Woche lang das Rollo nicht hoch.

Letztes Jahr dann war ich das erste Mal mit meiner Familie im Urlaub. Eine Woche Nordsee. Mit Ferienwohnung, jeden Tag zum Strand laufen und Muscheln sammeln. Mit einem Kind in Urlaub zu fahren, hat jedoch überraschend wenig urlaubhaftes, denn so einem Kind ist entweder langweilig und es will bespaßt werden oder es versucht gerade, sich umzubringen.
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