Defizite everywhere

Ich kenne kaum jemanden, der nicht gerade eine Baustelle mit sich herumschleppt, an der er oder sie etwas ändern möchte. Ganz häufig sind das Dinge wie ich will mehr unter Leute gehen, ich will mehr Sport machen, ich will mehr Bücher lesen, ich will mich gesünder ernähren, ich will weniger rauchen.

Völlig unabhängig davon, was es ist, haben die meisten Sachen gemeinsam, dass sie für die betreffende Person meistens nur eines bedeuten: Ein Defizit.

Ein Defizit in der Lebensweise, der Ernährung, whatever.

Die Gründe, warum wir dieses Defizit ausmachen, können vielfältig sein. Vielleicht schnaufen wir beim Treppensteigen zu sehr. Vielleicht sind unsere Blutwerte im Keller. Vielleicht hatte man eines Morgens auf dem Klo eine Erleuchtung und meint nur durch Rohkost könne man ewig leben.

Vielleicht hat man auch nur das Gefühl, alle anderen um einen herum (egal, ob analog oder digital) machen und meistern genau diese eine Sache – und nur man selbst nicht.

Versteht mich nicht falsch. Ich finde es super, wenn wir etwas in unserem Leben ändern wollen. Pupsegal was. Veränderung bedeutet immer auch Weiterentwicklung. Neue Eindrücke und Erlebnisse.

Aber ich finde es schwierig, wenn wir Dinge in unserem Leben ändern wollen, weil wir denken, dass wir es müssen.

Denn wenn wir nicht zu 100 Prozent dahinter stehen, es stattdessen total verkopft und verkrampft angehen, einfach, weil wir nicht in uns selbst ruhen, uns zu sehr nach außen orientieren, und nicht auf das hören, was wir wollen und was uns gut tut, endet es oft darin, dass wir scheitern.

Die hohe Anzahl an Vorsatzabbrüchen Ende Januar zeigt es doch Jahr für Jahr.

Wir haben eine fixe Idee, was für ein Mensch wir im neuen Jahr sein wollen. Voll blöd, dass wir mit dem alten Ich ins neue Jahr starten und der von der Lebenseinstellung des neuen Ichs herzlich wenig hält.

Dann verbringt man ständig seine kostbare Lebenszeit, gegen sich selbst und seinen inneren Schweinehund zu kämpfen. Weil wir zwar theoretisch wissen, dass es uns gut tun wird, jeden Tag fünf Portionen Obst und Gemüse zu essen, zweimal die Woche Sport zu machen und jeden Abend mindestens 10 Minuten zu lesen.

Aber wenn wir Joggen scheiße finden, hilft die ganze Theorie halt nun mal herzlich wenig.

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Abziehen nicht vergessen!

Soweit ich zurückdenken kann, hängt bei uns im Büro auf einer der Damen-Toiletten folgender Zettel:

Und jedesmal, wenn ich dort bin – und es sei euch versichert, es ist wirklich immer sauber dort –, frage ich mich, seit wann dieser Zettel wohl schon da hängt und wie es hier früher ausgesehen haben muss, dass nicht nur jemand die Notwendigkeit gesehen hat, ihn aufzuhängen, sondern dass jemand Zweites die Situation wohl als so unerträglich empfunden hat, mit zorniger Kugelschreiberhandschrift einen weiteren Kommentar dazu zu schreiben.

Ich stellte mir einen dreckigen Boden vor. Klopapierfetzen, die in dem kleinen Raum überall rumflogen. Und offenbar Blut an irgendwelchen Stellen, wo Blut nicht unbedingt hingehört. Was, seien wir ehrlich, quasi überall ist.

Und weil ich ich bin, reicht es natürlich nicht, es mir vorzustellen …

3 Wochen lange habe ich dieses Bild in meinem kleinen Köpfchen durch die Welt getragen. Und ich muss sagen, es hat geradezu was Erleichterndes, es nun raus aus meinem Schädel zu haben. Und weil es ja vielleicht noch anderen aus dem Büro genauso ging, habe ich es heute Morgen gleich über den anderen, alten Zettel gehängt.

Quasi als gute Tat des Tages. Die Humorbefreiten haben nun zukünftig einen optischen Leitfaden, wie sie den Raum bitte hinterlassen sollten. Und denen mit Humor ist in Zukunft zumindest nicht langweilig auf dem Klo. Win Win!