Claudia H., 34, Lauftalent

„Mir geht nicht mehr aus dem Kopf, was du gesagt hast.“ schreibt sie und ich fühle mich ein bisschen seltsam, als ich das lese. Das Thema war mal wieder mein Essverhalten, um nicht zu sagen: meine Superkraft, alles, was vorrangig aus Kohlenhydraten, Zucker & Co. besteht, einfach wegzuinhalieren.

Und meine Abneigung gegen Sport im Allgemeinen oder das Schwitzen als Tätigkeit im Speziellen. Und damit verbunden natürlich meine ausufernde Körperfülle, die sich wie Hitlers Expansionsdrang in alle Himmelsrichtungen gnadenlos und unaufhaltsam auszubreiten ließ.

Nichts Neues also. Für mich zumindest. Und mein näheres Umfeld. Und mein weiteres Umfeld. Quasi jeder, der die Naivität besaß zu fragen und dann nicht schnell genug weglaufen konnte. Was relativ einfach ginge, da ich ja bekanntlich nicht hinterher laufen würde.

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Das letzte Mal …

NOCH VIER TAGE BIS HAMBURG!

Die Zeit rast. Gott sei Dank tut sie das. Und ehe man sich versieht, ist Montag. Der Wecker klingelt das letzte Mal um vier Uhr morgens. Ich tapse ein letztes Mal möglichst leise durch die Wohnung und rödel mich durch meine Morgenroutine. Ich verlasse das letzte Mal um fünf Uhr die Wohnung und blinzle im Fahrstuhl müde in mein noch schlafendes Gesicht. Ich fahre das letzte Mal zum Bahnhof und steige zum letzten Mal um halb sechs morgens in den ICE nach Berlin.

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Ein letztes Mal fahre ich durch die stockdunkle Nacht, dem Sonnenaufgang entgegen. Mache ein letztes Mal leise in meinem Kopf Witze über Spandau und hauche jedem, der hier aussteigt, zu, wie leid es mir für ihn tut.

Ich kaufe mir das letzte Mal einen Latte to go und ein Stück Gebäck für 5.273.982.662 Euro, hüpflaufe das letzte Mal zur Tram und fahre quer durch Prenzlauer Berg nach Friedrichshain. Ein letztes Mal kaufe ich mir im Bagelladen einen Sesambagel mit Frischkäse – natürlich könnte ich da noch morgen und übermorgen und überübermorgen hin, aber seien wir ehrlich, die kürzliche Preiserhöhung und Motzi, die Verkäuferin, machen es mir leicht, heute schon Abschied zu nehmen.

Ich laufe ins Büro. Nur noch vier Mal morgens ins Büro laufen, denke ich, während ich Sheldon-artig versuche, nicht auf die Bürgersteigzwischenräume zu treten.

Es wird viele letzte Male in den kommenden Tagen geben.

Ich werde das letzte Mal eine Fritz Kola zum Frühstück trinken (#healthy), das letzte Mal mit der weltbesten Kollegin und der weltbesten (Ex-)Chefin zu Mittag essen und zu Abend essen und zu Abend trinken – vor allem zu Abend trinken. Ich werde das letzte Mal die aus Nutella bestehende heiße Schokolade aus der französischen Crêperie nebenan trinken. Ich werde das letzte Mal die weltbesten Pommes im Burgeramt essen. Und Blini und Wareniki mit Brynsa im Datscha. Und das grotesk günstige und nicht minder grotesk großartig schmeckende frittierte Sushi im Akiko. Alles am Besten gleichzeitig. Dann werde ich, vor Übelkeit fast brechend, in der Ecke leise summend hin und her wippen. Das letzte Mal.

Und natürlich werde ich auch ein letztes Mal arbeiten.

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Und schließlich werde ich am Donnerstag Abend in den Zug nach Hamburg steigen. Zum letzten Mal.