Ich bin Atheistin und das ist auch gut so

Man mag es mir nicht immer anmerken, aber ich bin ein unfassbar höflicher Mensch. Okay, solange ich nicht mit der Telekom-Hotline telefonieren muss. Aber ansonsten schon. Liegt vielleicht daran, dass ich so lange in der Gastronomie und im Einzelhandel gearbeitet habe. Ich grüße, ich sage Danke und Bitte und wenn man sich abends nicht noch eine gute Nacht wünscht, fühle ich mich wie ein Troll. Vor allem jedoch bin ich aus reiner Höflichkeit Agnostikerin.

Agnostiker glauben zwar wie Atheisten nicht an Gott. Da man aber keinen Negativbeweis erbringen kann, sind sie jedoch für die Möglichkeit, dass es Gott vielleicht doch gibt, zumindest offen. Man kann es schließlich weder beweisen, noch widerlegen. Damit sind Agnostiker offiziell die höflichsten Menschen in der putzigen Welt der Religionen.

Ich würde übrigens sehr gerne an Gott glauben

Oder an Zeus. Oder Karma. Oder irgendwas, was dem ganzen Chaos um uns herum ein bisschen Ordnung beschert. Gut, wir sind zwar zu dumm, zu erkennen, wie genau diese Ordnung aussieht, aber allein der Gedanke „Joah, voll ärgerlich, dass der Torben von diesem Waschbären aufgefressen wurde, aber Gottes Wege und so, da machste nichts.“ erscheint mir höchst tröstlich. Theoretisch.

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LOVE ISLAND – Heiße Flirts, wahre Liebe, niedriges Niveau

Bild: RTL2

Seit einigen Wochen habe ich nun kein Netflix mehr und bin dazu verdammt, wie meine Großmutter analoges Fernsehen zu schauen. Für heute verkündet meine Fernsehzeitschrift eine Sendung, die ich noch nicht kenne: Love Island. Ich weiß nicht, worum es geht, vermute aber ein höchst wissenschaftliches, soziologisches Experiment, das meinen intellektuellen Bedürfnissen an diesem Montag Abend sicherlich entgegen kommen wird.

Endlich! Das Warten hat ein Ende!

… verkündet eine Stimme um 20.15 Uhr im Fernsehgerät und klingt dabei überraschend überzeugend.

Offenbar ist das Konzept ähnlich wie bei Bachelor in Paradise (bekanntlich die beste Sendung 2018), nur dass man hier wirklich so gar keine Sau kennt. Die Singles müssen Paare bilden, wer keinen Partner hat, scheidet aus. Aha. Wann man ein Paar ist, sagt man mir nicht. Muss man den Geschlechtsverkehr vollziehen? Oder reicht Küssen oder Händchen halten? Gibt es eine Rose? Oder zumindest ein Gänseblümchen? Fragen über Fragen.

Als erstes flanieren die fünf Damen nach und nach in die Villa. Ohne so eine Villa geht gar nichts im deutschen Fernsehen, das wissen wir ja schon vom Bachelor oder Germany’s Next Topmodel. Als wenn es ein ungeschriebenes Gesetz gäbe, dass solche Sendungen nicht in 80-qm-Neubauwohnungen gedreht werden dürfen.

Sabrina betont als erstes, dass bei ihr alles natürlich ist, also außer den Lippen, aber das macht ja jede Zehnte und damit gilt das wohl nicht. Ich will ja nicht sagen, dass ich ihr kein Wort glaube, aber ich glaube ihr kein Wort.

 

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Sabrina – voll der natürliche Typ.

Danach kommt Tracy, die direkt betont, dass sie Jura studiert. Über kosmetische Operationen verliert sie kein Wort. Ist mir gleich suspekt. Also beides. Ein Mann, der viel verdient, ist ihr übrigens nicht wichtig, erzählt sie Sabrina. Die stimmt ihr zu und berichtet von einem Mann, der sie mal direkt nach St. Moritz einladen wollte. Hat sie aber nicht gemacht. Geld hin oder her, nachher ist das ein Psychopath oder schnarcht.

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