RELOADED | Der Tag, an dem der Schlüppi starb

Ich starre auf dieses dunkle Loch, das sich Waschmaschine schimpft. Wieso kann ich nicht etwas weniger neurotisch sein? Nur ein kleines bisschen. Bei dem Gedanken, meine Wäsche mit der der Vermieterin zusammen zu waschen (in einer Maschine, die ich vorher nicht desinfiziert habe!), kräuseln sich mir die Magenwände und ich überlege kurz, meine dreckige Wäsche wegzuschmeißen und einfach immer neue zu kaufen.

Wäsche ist hier in Jerusalem auch nicht so wahnsinnig teuer, denke ich. Jaha, aber scheiße schaut sie aus, widerspreche ich mir direkt, wenn du rumlaufen willst wie im tiefsten Rumänien, dann kauf halt hier deine Klamotten! Ich nicke zustimmend, denn ich habe meistens Recht.

Also entschließe ich mich schweren Herzens, meine Anziehsachen mit dem, was die Vermieterin als Anziehsachen bezeichnet, zusammen zu waschen. Meine Vermieterin ist Mitte/Ende Fünfzig, vielleicht auch Ende Zwanzig, so genau kann man das bei bestimmten Frauen nicht sagen, sie ist Protestantin und hat Pädagogik studiert, ihrem jugendlichen Flair zufolge offenbar irgendwann im 17. Jahrhundert. All meine schlimmsten Befürchtungen inklusive der schlimmsten Klischees treffen hier in einer einzigen Person auf einander – und sorgen so immer wieder für irritierende Momente.

Sie wäscht nur bunt und weiß (wobei ihre „weißen“ Unterhosen seit zwei Tagen im Bad in einem Eimer mit ehemals kochendem Wasser vor sich hindümpeln und mir beim Anblick stets das Bedürfnis entlocken, mich ein wenig zu übergeben).

Ob ich meine schwarze Unterwäsche denn mit in die Maschine tun dürfte, frage ich. Sie schaut mich mit leeren Kuhaugen an: „Du hast schwarze Unterwäsche?“ Ich überlege zu antworten: „Ja, sowas tragen wir atheistischen Huren alle.“ belasse es dann aber bei einem Kopfnicken. Ich darf meine satanischen Schlüpfer neben ihre gehäkelten Pullover in die Waschmaschine legen.

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Frische, alte Krabbenbrötchen (reloaded)

Vor fast fünf Jahren, noch bevor ich selbst in Hamburg wohnte, weilte ich des Mannes wegen für ein paar Tage in der schönsten Stadt Deutschlands. Und nachdem wir uns an Elbe und Alster satt gesehen hatten, entschieden wir uns – spontan, jung und verrückt, wie wir damals nun mal waren –, einen Abstecher an die See zu machen. Und fuhren nach Büsum.

In Büsum selbst ist nicht viel, vor allem außerhalb der Saison. Ein Deich, ein paar Schafe, etwas Strand und eine Innenstadt in der Größe eines Schuhkartons, in der sich vor allem die Gelegenheiten, Essbares zu konsumieren und den BMI in ungeahnte Höhen zu treiben, nur so stapeln. Und vorrangig gibt es dort natürlich Meeresgetier. Denn dafür fährt man ja ans Meer: Um frisches, totes Meeresgetier zu schnabulieren.

Ich bin bekanntlich ein furchtbar schlechter Veganer, um nicht zu sagen, ich gehöre zu den wenigen carnivoren Veganern, die es gibt und die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie Sätze wie „Was kochst du da? … Chili con Carne? … Kann ich nicht essen, vegan und so, du weißt ja … Sieht aber lecker aus … Ach. Ich ess‘ einfach ’nen Apfel … Andererseits riecht das wirklich gutNOMNOMNOMNOM!!“ sagen.

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