2016 | Woche 25

GESEHEN
Mit dem Mann zusammen zum ersten Mal Game of Thrones. Nachdem er vor Jahren Breaking Bad als „langweilig und billig gemacht“ bezeichnet hat (WTF?), weigere ich mich, mit ihm Serien aus dem Tele-Olymp zu gucken – aus Furcht ihn bei einer erneuten, disqualifizierenden Bemerkung töten zu müssen. Wegen der Couch (Plastik for the win!) wäre es egal, aber das dunkle Parkett im Wohnzimmer ist super anspruchsvoll und ich bin nicht sicher, wie gut ich das Blut aus den Ritzen wieder raus bekäme. (Prioritäten sind alles!)

GEGESSEN
Endlich mal wieder frische Krabbenbrötchen. Direkt an der Nordsee, mit Blick auf Robben. Gut, ich habe keine Robben gesehen, aber da war ein Schild, auf dem stand, dass es da Robben gab. Ich hatte jedoch nur Augen für das Krabbenbrötchen.
Es kostete übrigens EUR 5,50. Ich wiederhole noch einmal: Fünfeurofünfundfünfzig! Das sind elf Mark! Und es war jeden Pfennig wert!

GETRUNKEN
Berliner Sommer. In Hamburg. Schmeckt wie Persiko, hat aber nur 10%. Dann doch lieber direkt Persiko trinken!

GEMERKT
Offenbar bedeutet Urlaub für andere Menschen wegzufahren und in der Sonne zu liegen und sich Dinge wie Leuchttürme und Schafe und Robben anzugucken. Für mich ist Urlaub zuhause zu bleiben, auf dem Sofa zu liegen und Pläne zu schmieden und To-Do-Listen abzuarbeiten, während im Hintergrund Vampir-Serien laufen.

GESCHRIEBEN
5 Blogeinträge und 10,5 Seiten am Buch – innerhalb von acht Tagen. Selten fühlte ich mich besser, produktiver und – oh, ich muss Montag wieder zur Arbeit!

2015 | Woche 48

Was wäre meine Woche ohne meinen mittelalterlichen EC am Montag Morgen? Auch an diesem Tag darf ich wieder mit diesem eigentümlich rustikalen Gefährt meinen Weg gen Berlin antreten. Und – wie, um mich auf das Ziel schon während der Fahrt vorzubereiten – wartet er dieses Mal mit penetrantem Uringeruch und ausgefallener Heizung auf. Na ja, Montag eben.

Am Dienstag fahre ich nach Feierabend zum KaDeWe. Offensichtlich nicht im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte, denn um diese Uhrzeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Kommerz-Hochburg der Berliner Touristen zu fahren, grenzt an Suizid-Fantasien. Aber ich habe keine Wahl, denn mich friert es.

Dass mein Kaufverhalten generell nicht von überbordender Intelligenz gekrönt ist, beweise ich direkt erneut am Mittwoch Abend, als ich völlig ausgehungert mal eben schnell zum Edeka gehen will, um Milch und Brot zu kaufen – und drei Stunden später mit Marzipanbrot (hey, Brot ist Brot!), Vitamalz, Katjes, Lebkuchen, Schokpudding, drei verschiedenen Tiefkühl-Pizzen und 8kg Gewürz-Spekulatius den Laden wieder verlasse. Hungrig einkaufen gehen! Als. Wäre. Ich. Eine. Völlig. Fremde. Für. Mich.

Die Milch habe ich übrigens vergessen.

Highlight des Donnerstags und damit auch der gesamten Woche ist aber, als ich mich in der Mittagspause – wie ein Meth-Junkie, heimlich und gepeinigt von Scham und Selbsthass – zum Hotdog-Laden um die Ecke schleiche und – wie dieser Schlemihl aus der Sesamstraße – auf die Frage „Die Wurst aus Fleisch?“ mit „SSSSSHHHHH! Ja, genau….“ hinter meinen Mantelkragen hauche. Als wenn mein Zittern und die blutunterlaufenden Augen nicht Antwort genug gewesen wären.

Freitag ziehe ich mir dann vorrangig die dritte Staffel Hannibal durch die Gehirnwindungen, um darüber eine Kritik zu schreiben. Aber letztlich ist das Fazit jeder einzelnen Folge lediglich: „Ich sollte unbedingt viel öfter kochen!“

giphy (3)

Während der abendlichen Zugfahrt nach Hamburg, die wie gewohnt ein Fest ist, überwiegen die Mordfantasien dann aber schnell die Kochfantasien.

Da ich ja durchaus hin und wieder dem Klischee-Mami-Teil fröne, verbringe ich den Samstag größtenteils damit, einen Adventskalender zu basteln, einen atheistischen Adventskranz (fragt bitte nicht…) zu frickeln und mit dem Lütten Kekse zu backen – die aber allesamt etwa 15 Minuten, nachdem sie aus dem Backofen gekommen waren, auch schon ihren Weg in unsere Mägen gefunden haben. Circle of life und so!

Um das Kinderprogramm abzurunden, geht es am Sonntag ins Marionettentheater. Es gibt Kalif Storch von Hauff, einen völlig begeisterten Dreijährigen auf meinem Schoß und eine 40-jährige, fremde Frau ohne Kind, dafür aber mit rasselndem Atem und dem Bedürfnis mir sehr, sehr nahe zu kommen, neben mir.

Im Großen und Ganzen würde ich also sagen: Die kommende Woche kann nur besser werden…

ADVENTSKRANZ 03