Countdown: minus 18 Tage

Ich vermisse mein altes Leben. Wobei ich noch nicht mal weiß, wie genau das aussieht. Dieses „alte Leben“. Es ist ein Gefühl. Eine Erinnerung, wie es war, mehr Zeit zu haben. Um seine Gedanken schweifen zu lassen. Oder sie schließlich in Form eines Blogposts zu Papier zu bringen. Statt wie in genau diesem Moment, sie hektisch in eine Notiz-App auf dem Smartphone zu hacken, während man auf dem Weg zur Arbeit ist.

Hinzukommt, dass es scheinbar nichts zu erzählen gibt. Meine Tage sind von bemerkenswerter Gleichheit, banale Kopien des Vortages, die an einem sang- und klanglos vorüber ziehen.

Ich stehe auf, mache mich fertig, mache Professor Nein (der neue Spitzname des Antichristen. Aus recht offensichtlichen Gründen) fertig, fahre zur Arbeit, arbeite, esse in 4 von 5 Fällen am Arbeitsplatz, um nicht zu viel Zeit zu verlieren – wenn ich ganz crazy drauf bin, gehe ich auch mal zu Kaufland und hole Schoki für den Nachmittag. Dann arbeite ich weiter, mache irgendwann Feierabend, fahre nach Hause, vielleicht gehe ich noch zum Super- oder Drogeriemarkt, esse mit der Family zu Abend, wasche Wäsche oder erledige andere, hochspannende Aufgaben, dann setze ich mich mit sehr viel Kaffee und/oder anderen stark koffeinhaltigen Getränken an den Schreibtisch und arbeite am Buch, bevor mich um 22.15h eine App daran erinnert, dass ich bald ins Bett muss.

That’s it.

Am Wochenende schlafe ich schon mal eine Stunde länger und mein Besuch des Supermarktes ist ein wenig ausgiebiger und die schon erwähnten hochspannenden Aufgaben im Haushalt etwas aufwändiger – aber ansonsten: kein Unterschied.

Mein Alltag ist eine graue, wabernde Masse des ewig Gleichen

Was bleibt, ist die Hoffnung, dass es nach der Buch-Abgabe besser wird. Nicht, dass ich dann plötzlich krasse Abenteuer erlebe. Dass ich mehr rausgehen würde, an die frische Luft. Da draußen ist schließlich Sonne und da sind Menschen und da ich sowohl Hauttyp 1 habe, als auch ein eher dünnes Nervenkostüm, werde ich nie verstehen, was so toll an „draußen“ sein soll.

Nein, es bleibt lediglich die Hoffnung, dass ich dann wieder Zeit haben werde, die Gedanken, die dauernd in meinem Kopf hin und her rasen, auch mal nieder zu schreiben. Man muss sich dieses Chaos nur einmal vorstellen, dass seit Monaten dort herrscht. Mit all diesen Gedanken und Meinungen zu verschiedenen Themen. Unausgegoren und unausgesprochen. Einfach nur, weil mir die Zeit fehlt, sie niederzuschreiben.

Aber das Ende ist ja in Sicht

Ich kann es zwar noch nicht sehen. Aber ich kann es spüren. Da bin ich wie eine läufige Hündin, die langsam anfängt, nervös hin und herzulaufen und sich irgendwo vor lauter Unruhe am liebsten schubbern würde. Das führt zwar hin und wieder zu Irritation bei den Kollegen, aber dann erkläre ich ihnen das. Das mit der Hoffnung und dem nahenden Ende und der Läufigkeit. Dann sind sie zwar noch verwirrter und meiden mich, aber so habe ich zumindest auf der Arbeit ein wenig Ruhe.

Und das ist doch zumindest etwas …

One thought on “Countdown: minus 18 Tage

  1. Aus eigener Erfahrung mit einem Buchprojekt: es wird tatsächlich besser, wenn man damit durch ist. Irgendwie entdeckt (und nutzt!) man dann wieder Möglichkeiten, die man zuvor nicht sah oder wegen des kleinen „Du musst erst das Buchprojekt beenden“-Wesens im Ohr nicht ohne schlechtes Gewissen nutzen konnte. Gut, spannender wird der Alltag dadurch nicht notwendigerweise. Jedenfalls gibt es aber wieder mehr Freiraum, in dem sich Gelegenheiten bieten. Auch wenn Arbeit und häusliche/familiäre Verpflichtungen sehr gut darin sind, entstandene Freiräume vollständig aufzusaugen…

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