Das Ministerium für maximal mögliche Ästhetik empfiehlt:

„Am Wochenende wird es über 20 Grad.“ Ich erstarre und glotze sie an. „Das geht nicht.“ stammle ich „Ich habe keine Klamotten für so ein Wetter. Und was noch wichtiger ist: Ich hab keinen Körper für so ein Wetter!“

Ich mag den Sommer. Theoretisch.

Praktisch lebe ich überraschenderweise aber nicht auf einer einsamen Insel, wo ich den ganzen Tag nackt, schwabbelig und mit alabasterfarbener Haut durch die Flora hüpfen kann, ohne mir Gedanken zu machen, was Holger und Ute von Gegenüber darüber denken.

Nein, wenn man hier durch die Tür in dieses Draußen schreitet, macht man das bitte schön nicht nackt, nicht mal halbnackt, vor allem jedoch nicht schwabbelig und stets nur mit glatter, zumindest leicht angebräunter Haut.

Denn: Braunes Fett ist hübscher als weißes.

Die Füße dabei bitte ohne auch nur einen Ansatz von Hornhaut, die Zehennägel hübsch pedikürt. Gerne auch farblicher Abstimmung zum Outfit.

Apropos Outfit. Falls jemand der Illusion erlegen ist, es ginge bei einem sommerlichen Outfit primär darum, so wenig wie möglich zu schwitzen, der irrt. Kleidung hat im Sommer vorrangig, wenn nicht ausschließlich den Grund, unansehnliche Körperpartien zu verdecken.

Die Formel hierzu ist übrigens ganz einfach: Anzahl der missbilligenden Blicke = Quadratzentimeter der zu bedeckenden „Körperflächen“. Easypeasy.

Sollte man lediglich über einen Körper verfügen, der auch komplett verhüllt bei Fremden – deren ästhetischen Ansprüchen wir uns natürlich fügen müssen – das Bedürfnis des Erbrechens auslöst, sollte man in Erwägung ziehen, zwischen April und November das Haus nicht oder bestenfalls nur nachts bzw. bei Neumond zu verlassen.

Und mit in Erwägung ziehen ist natürlich auf jeden Fall befolgen gemeint!

Hat man seine körperlichen Schwachstellen identifiziert und bedeckt, sollte man zudem nicht vergessen, die weiterhin öffentlich zugänglichen Bereichen sorgfältig zu enthaaren.

Bein- und Achselhaare sind außerhalb eines Gorilla-Reservats ein No-Go und sind unbedingt zu vernichten!

Denken Sie daran: der Schmerz beim Epilieren oder Wachsen macht einem nur bewusst, welche körperlichen Schmerzen sonst die Betrachter beim Anblick dieses haarigen Molochs ertragen müsste.

Auf keinen Fall darf aktuellen Beiträgen geglaubt werden, dass Ästhetik und Schönheit etwas subjektives wäre und man sich vom „Joch des Beine-Rasieren“ oder ähnliches befreien müsste. Das ist eine Falle!

Die allgemeinen Ästhetik-Richtlinien für Frauen werden alle 100 Jahre vom BGawM (Bayerischen Gremium alter weißer Männer) aktualisiert und sind unbedingt zu befolgen – ungeachtet der absurden, radikalen Thesen von Dritten und DrittInnen, die mit so albernen, neumodischen Phrasen wie Selbstliebe oder Bodylove um sich werfen, als wären es Smarties.

Glauben Sie bitte weiterhin ausschließlich Zeitschriften, die mit Begriffen wie Killer-Cellulite und Schwabbelbauch werben, vertrauen Sie unbedingt jedem Magazin, das Ihnen verspricht, binnen zwei Wochen mittels Ahornsirup und Ingerwasser 50 Kilo abzunehmen und nehmen Sie jeden Internetkommentar, in dem Sie als fett, hässlich und ekelhaft bezeichnet werden, ernst.

All das dient nur, Ihrem Körper seiner maximal möglichen Ästhetik zuzuführen und zugleich Ihr unmittelbares Umfeld vor Ihrem suboptimalen Äusseren zu schützen.

„Jeder, der etwas anderes sagt, ist ein fetter, hässlicher Lügner.“
(Auszug aus dem Schlusswort des Protokolls des BGawM von 1919)

In diesem Sinne: Ein toller, sonniger Frühling uns allen!