Das war so nicht vereinbart!

Hallo. Ich würde mich gerne beschweren. Da ich aber nicht weiß, wo ich das am besten machen kann bzw. wer dafür zuständig ist, mache ich das eben hier.

Denn das war alles nicht so abgesprochen, das war so einfach nicht vereinbart!

Damals, als ich ein Kind war, also mit Mitte Zwanzig während des Studiums, da stellte ich mir vor, wie das wohl sein würde, so als Erwachsene.

Ich würde eine hübsche Wohnung haben, nicht groß, aber groß genug, dass man vom Klo aus nicht meine Küche und mein Bett sehen kann. Ich hätte einen kleinen Hund, denn wozu ist man erwachsen, wenn man nicht endlich das Haustier haben kann, das einen Mutter immer verweigert hat? Ich hätte einen Job, irgendwas normales, mit einem Schreibtisch und einem Computer darauf. Mittags würde ich mein, am Abend zuvor gekochtes Essen aufwärmen oder zum Supermarkt gehen, um mir einen gemischten Salat mit Feta zu holen. Um 18 Uhr hätte ich Feierabend, ich würde nach Hause gehen, saure Pommes und Mousse Chocolate zum Abendessen schnabulieren, dabei ein paar Sims im Pool ertränken und mit dem Hund schmusen. (Ich hätte eine Bulldogge, irgendwas, was sich auch nicht so gerne bewegt.)

Am Wochenende würden wir vom Bett aufs Sofa wechseln, abends wieder zurück und dazwischen mit niemandem sprechen. Hin und wieder würde ich den Hund, der nur Hund hieße, aus dem Fenster halten, damit er von dort mal eben schnell runterpinkeln kann. Er hasst es auch am Wochenende das Haus verlassen zu müssen und möchte eigentlich nur seine Ruhe, seinen Knochen und mir dabei zusehen, wie ich im Keller meines Sims-Hauses ein Bordell eröffne. Das war der Plan. So war es abgemacht.

Und was soll ich sagen?

Ja, wenn ich mich so umblicke, sehe ich weder meine Küche, noch mein Bett oder mein Klo. Jackpot!

Aber ansonsten? Ich arbeite zu viel und arbeite ich nicht, brüllen mir der Wäscheberg in der Ecke und die faustgroßen Fuseln unter dem Sessel obszöne Beleidigungen entgegen. Statt ausschlafen steht staubsaugen auf dem Plan. Statt zocken, Steuererklärung machen. Statt 12h Age of Empires spielen, nach Bauanleitung seiner fünfjährigen Majestät Polizeistationen aus Lego bauen.

Und ’nen Hund sehe ich auch nirgends. Den dürfte ich laut Vermieter eh nicht halten.

Das war so nicht vereinbart!

Sicher, unsere Eltern und Lehrer und jeder Erwachsene, der mehr als drei Sätze mit uns wechselte, hat damals immer gesagt: Genießt diese Zeit, ihr werdet euch noch dahin zurückwünschen, blabla. Sie hatten uns gewarnt. Hatten versucht, uns zu sagen, dass das Leben als Erwachsener nicht sooo knorke ist.

Es sagt ja schließlich viel aus, wenn man sich als Erwachsener diese Zeit zurück wünscht – in der man unmündig und chronisch pleite war, in der einem die Eltern vorschrieben, ob man Haustiere haben durfte oder das neue my little pony (das im Dunkeln leuchtete), was es zu essen gab und wann man zu Hause sein musste.

Ich meine, was sagt das über einen Erwachsenen aus, wenn er sich diese Zeit zurückwünscht?

Wir hätten alle gewarnt sein sollen. War ich aber nicht. Und nun frage ich noch einmal: Wo kann ich mich jetzt beschweren? Wo kann ich dieses Erwachsenenleben umtauschen? Denn ich vermute mal, dass das, was ich damals bestellt habe, immer noch ungenutzt irgendwo rumliegen muss.

6 thoughts on “Das war so nicht vereinbart!

  1. Das kommt nach der Menopause. Kinder aus dem Haus, karrieretechnisch lässt sich eh nix mehr ändern, die Hormone gehen anders – ich persönlich spekuliere auf eine zweite Pubertät, nur in schlau \o/

  2. Hund sowie Sims lassen sich noch machen, wer sagt denn, dass dies der Status quo ist? Du bist vielleicht noch gar nicht erwachsen und das nicht das Ende? LG alu

  3. Die Fuseln unter’m Sessel können von mir aus Party feiern (solange sie dabei leise sind), den Hund wollte ich nie haben (und bin froh, dass unsere Meerschweinchenschwemme verebbt ist – endlich wieder einfach über’s WE wegfahren, ohne einen Schweinesitter zu organisieren), das Pubertier ist schon ziemlich verständig und beschäftigt sich selbst – nee, ich sehne mich nicht nach der Zeit zurück, als ich noch klein war. Ich mag mein Leben wie es ist.
    Mit wem hast Du das denn damals vereinbart/nicht vereinbart? Da könntest Du Dich doch dann beschweren, vielleicht bringt’s was?!
    Liebe Grüße von Frau Frosch

  4. Falsch abgebogen?

    Sich gegen Kind entschieden, bis jetzt auch keins bekommen. Ein Job mit überdurchschnittlichem Verdienst und in Vollzeit effektiv nur 36,8h die Woche (haha) natürlich mit Spitzen, aber auch mit Flauten, in denen sich Überstunden dank Stundenkonto und flexiblen Arbeitszeiten abfeiern lassen. Eine große Wohnung, kein Hund, wollte ich nie, aber eine Katze. Freitags um 14 Uhr Feierabend, dann Wochenende. Nicht Sims (könnte ich auch mal wieder machen) Netflix, auf einem bequemen (nicht IKEA oder noch schlimmer POCO Domäne) Sofa. Ok ein aus mir selber heraus gewachsener Bewegungsdran (wann ist das bitte passiert?!) wird am Wochenende doch gestillt. Ansonsten ausschlafen und auf den nächsten Urlaub hinarbeiten.
    Nein, ich will nicht mehr mitte zwanzig sein, kein Geld haben und wenn überhaupt zum Zelten in den Urlaub an die Nordsee fahren.
    Ich mag mein Leben, es ist besser geworden, als ich damals dachte.
    Zugegeben, ich habe nie die Zukunft herbeigeseht. Irgendwie komisch, ich war immer mit dem was ich gerade hatte zufrieden. Das bin ich jetzt auch und rückwirkend betrachtet, habe ich das Gefühl, dass es immer besser wird, obwohl ich es nicht plane. Ich lebe gerne und ich lebe gerne im Hier und Jetzt.
    Und das wird mir beim schreiben dieses Kommentars so richitg klar.
    Danke Claudia

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