Die Idee von der Liebe

Aus meinem ersten Buch „Wenn ich die Wahl habe zwischen Kind und Karriere, nehme ich das Sofa“. Und es stimmt noch immer. Mehr als damals sogar vielleicht.

Ich mag die Idee von der Liebe. Aber ich bin Realistin. Ich weiß, wie kompliziert ich bin, wie ausdauernd man sein muss, um jemanden zu finden, der mit dieser Art von Kompliziertheit umgehen kann, wie viel Arbeit und Energie es kostet, eine Beziehung aufzubauen und sie zu pflegen.

Sicherlich, man bekommt für diese Arbeit im besten Fall auch einiges – und mir ist bewusst, wie sehr das nach einer mathematischen Gleichung klingt, aber am Ende kommt es dem doch auch nah. Denn sprechen wir nicht jedem, der sich in einer Beziehung befindet, in der es ein (andauerndes) Ungleichgewicht von Geben und Nehmen gibt, einen einigermaßen gesunden Menschenverstand ab? Es muss ein Gleichgewicht herrschen. Langfristig. Denn dass es in allen Beziehungen immer mal wieder Phasen gibt, in der der eine mehr Aufmerksamkeit benötigt als der andere, ist nachvollziehbar. Dauern diese Phasen an, arten Beziehungen in Arbeit aus, und zwar in jene Art von Arbeit, bei der man sich irgendwann fragt, ob sie gerechtfertigt ist.

Wenn Sie jetzt innerlich schreien, wie zynisch das klingt, wie traurig, wie kalt, und dass das ja bei Ihnen nie so war, dann gratuliere ich Ihnen. Sie haben das fulminante Glück, entweder eine leichter zu ertragende Persönlichkeit als ich zu haben oder einen Partner gefunden zu haben, mit dem sie (bisher) diese Phasen nicht durchmachen mussten.

Denn es gibt ja diese Menschen. Menschen in glücklichen Beziehungen. Menschen, die ihren Partner gefunden haben. Das ist schön. Für diese Menschen. Aber daraus eine Allgemeingültigkeit abzuleiten, dass es für jeden Menschen den passenden Partner gibt und dass das Suchen und Finden dieses, einen Partners so über alle Maßen wichtig sei, dass man sich dafür durch die halbe Weltbevölkerung daten muss, halte ich für … Ich kann es leider nicht freundlicher ausdrücken … kompletten Schmonsens.

Für Menschen wie mich steht das schlicht nicht in Relation. An guten Tagen bin ich lediglich hochsensibel und introvertiert. An schlechten Tagen kommt eine Dunkelheit über mich, die ihresgleichen sucht. Zu sagen, ich wäre ein komplizierter Mensch, wäre ein Euphemismus. Aber das ist okay. Ich schäme mich nicht für das, was ich bin, wie ich bin.

Aber ich habe eigentlich Besseres und Wichtigeres zu tun, als meine beschränkte Zeit und Energie darauf zu verwenden, unbedingt einen Menschen mit einem Penis zu finden, der Verständnis für die Untiefen meiner Person hat, der mit mir umgehen kann und will, mit dem ich gerne Zeit verbringe und bei dem ich keine Angst habe, zu sagen, wenn ich Zeit für mich brauche und allein sein will.

Warum ich das extra so betone? Weil es seit meiner Trennung immer wieder Menschen gibt, die meinen, an meinem partnerlosen Zustand etwas ändern zu müssen. Die meinen, mir Mut zusprechen zu müssen. „Keine Sorge, du findest schon wieder jemanden.“ Okay, danke? „Wäre der nichts für dich?“ Ehm, nein, wieso? Als würde ich nun mit einem Plakat vor der Brust herumlaufen, auf dem „Single and sad“ steht.

Es scheint für viele Menschen immer noch unvorstellbar, dass es andere gibt, die die Idee von Liebe und das Konzept einer Beziehung zwar durchaus schön finden, aber beides deswegen trotzdem nicht suchen.