Die kleinen Dinge

Es gibt ein paar Filme, die ich jedes Jahr mehrfach schaue. Der Hobbit gehört dazu.

Wenn ich vorsichtig schätzen müsste, schaue ich die Triologie etwa viermal im Jahr. Dafür gibt es viele Gründe. Einer davon ist, dass es im Vergleich zu Herr der Ringe schlicht die bessere Triologie ist – wie hart Frodo am Ende einfach nur nervt! Aber es sind auch viele Kleinigkeiten, die ich an der Hobbit-Verfilmung so schätze.

Und dazu gehört auch eine kurze Unterhaltung zwischen zwei meiner Lieblings-Charaktere: Gandalf und Galadriel. Letztere fragt den Zauberer, warum er gerade Bilbo auf diese Reise geschickt hat. Und Gandalf antwortet:

„Ich weiß es nicht. Saruman ist der Meinung, dass nur große Macht das Böse fernhalten kann. Aber ich habe anderes erfahren. Ich finde, es sind die kleinen Dinge – alltägliche Taten von gewöhnlichen Leuten, die die Dunkelheit auf Abstand halten. Einfache Taten aus Güte und Liebe.“

Ich habe die Filme wirklich schon häufig gesehen, aber erst beim letzten Mal ist dieses Zitat bei mir hängen geblieben. Ein Zufall? Ich denke nicht. Nicht in Zeiten, in denen man diese Bilder aus Chemnitz zu sehen bekommt. Den vorläufigen Höhepunkt einer Entwicklung, die wir alle gerne irgendwie aufhalten würden, aber immer wieder mit dem Gefühl von Ohnmacht, Wut und Hilflosigkeit begegnen. Weil das, was passiert so gewalttätig und unmenschlich ist, dass man glauben könnte, man selbst, als Einzelner, könnte nichts dagegen ausrichten.

Und ich finde bei den Worten „Es sind alltägliche Taten von gewöhnlichen Leuten, die die Dunkelheit auf Abstand halten“ ein wenig Trost. Es gibt mir ein bisschen Hoffnung und ein bisschen Mut, dass wir etwas verändern können. So klein und vermeintlich unwichtig wir auch sind.

Und dass Veränderung nicht von heute auf morgen mit einer bundesweiten Revolte der Vernünftigen beginnen muss (so prachtvoll und wünschenswert das auch wäre), sondern schon im Kleinen. Mit der Wahl unserer Sprache und unseres Umgangs, mit einer Prise Demut über die Vorzüge und Privilegien, die wir genießen dürfen, und einer noch größeren Prise Mitgefühl denen gegenüber, die all das nicht haben.

Wir entscheiden Tag für Tag, in kleinen Gesten im schnöden, langweiligen Alltag, was für Menschen wir sein wollen.