Die Urlaubs-Agenda

Soweit ich zurückdenken kann, habe ich, wenn ich in Urlaub gefahren bin, Listen angefertigt. Listen mit Dingen, die ich im Urlaub machen will. Und natürlich Listen mit Dingen, die ich mitnehmen muss, damit ich die andere Dinge machen kann.

Ich hatte immer so viele Stifte, Papier und Zeichenutensilien dabei, ich hätte jederzeit einen Schreibwarenladen aufmachen können. Dann noch die Bücher, die man lesen wird kann muss. Sportschuhe. Weil man ja jetzt endlich mal Zeit für Sport hat. Vielleicht noch das Meditationskissen. Und, und, und.

Am Ende der Ferien hatte ich in der Regel nichts davon gemacht, sondern mir einfach vor Ort fünftausend verschiedene Comics gekauft und sie im Schatten des Strandkorbs gelesen.

Die Zeiten, in denen ich mit meiner Familie in Urlaub fuhr, sind lange vorbei. Und während des Studiums fuhr ich nicht in Urlaub – ich verreiste. Tourte alleine den Nil hoch, flüchtete vor meinem Geburtstag für ein paar Tage nach Amsterdam – und am Ende blieb ich einfach zuhause und machte eine Woche lang das Rollo nicht hoch.

Letztes Jahr dann war ich das erste Mal mit meiner Familie im Urlaub. Eine Woche Nordsee. Mit Ferienwohnung, jeden Tag zum Strand laufen und Muscheln sammeln. Mit einem Kind in Urlaub zu fahren, hat jedoch überraschend wenig urlaubhaftes, denn so einem Kind ist entweder langweilig und es will bespaßt werden oder es versucht gerade, sich umzubringen.
Am Strand nach einer Überdosis Pommes und Eis einfach ins Koma fallen und an seinem Hautkrebs arbeiten? Eher nicht so. Also auch letztes Jahr nicht wirklich Urlaub.

Doch dieses Jahr ist alles anders. Das große Kind, formerly known as „der Mann“, wurde in Hamburg zurückgelassen. Wie so ein Verwundeter, von dem man weiß, dass er bei einer Zombie-Apokalypse nur hinderlich sein würde.

Meine Mutter wird sich des Antichristen ihres Enkels annehmen – und so bleibt mir nur noch erneut zu überlegen, was ich die nächsten zwei Wochen in unserem Ferienhaus am Meer alles machen kann und werde.

Und statt wie üblich eine knüppeldicke Agenda aufzustellen, die mich nur tagtäglich daran erinnert, was ich alles machen will und sollte, nehme ich mir für diesen Urlaub nur eine Sache vor: Nichts.

Und noch habe ich nicht mal entschieden, ob ich für diese eine Sache überhaupt eine Hose anziehe …

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