DSGVO am A*sch

„Was ist DSGVO?“ fragt er und sein Gesicht strahlt die bange Furcht aus, ich wolle vielleicht über Chromosomen und DNA mit ihm sprechen. Kein Wunder, klingt DSGVO auch wie irgendwas aus dem Biologie-LK-Buch, irgendwas auf Seite 237, in dem kleinen Kasten neben Adenin und den anderen Nukleinbasen, irgendwas, von dem man hofft, dass es in der Prüfung nicht drankommt und was natürlich drankommen wird und dann sitzt man da, weinend über seinen Prüfungsbogen und fragt sich eben: Was zu Hölle ist DSGVO?

Bitte fragen Sie mich das jetzt auch nicht. Denn verstanden habe ich es wie fast alle natürlich nicht. Ich habe einfach alle Artikel dazu gelesen, zwischendurch sehr nervös mit dem rechten Auge gezuckt, vorrangig, weil jeder Artikel erst einmal darauf verwies, dass man ja kein Anwalt sei und deswegen das, was man gleich in Begriff sei auszuführen, auch nicht 100%ig wüsste und man deswegen auch nicht dafür haftbar sei. Also in dem Fall, dass jemand das lesen und glauben und alle Ratschläge befolgen und dann ordentlich abgemahnt werden würde.

Denn darum geht es ja. Um das Abmahnungs-Damokles-Schwert. Nicht nur, dass keiner weiß, wer wann wen weswegen genau abmahnen könnte – es ist noch nicht einmal klar, ob dieses Schwert da überhaupt baumelt über unseren bloggenden Köpfen.

Menschen in Belgien haben sich das ausgedacht, Politiker, vielleicht waren auch Juristen anwesend, so bescheuert wie das alles ausformuliert wurde, spricht sowohl sehr viel für als auch gegen die Anwesenheit von Juristen. Ich kenne diese Menschen in Belgien nicht, die sich Gesetze und Richtlinien für die EU ausdenken, aber der Mann aus Würselen wurde uns ja auch von dort geschickt, spätestens seit diesem Zeitpunkt bin ich ja höchst skeptisch, wenn Menschen vom Europäischen Parlament irgendwelche Ideen haben.

Dabei war Idee an sich sicher ganz knorke. Es geht um Datenschutz, also um unsere Daten und um den Schutz: Fotos mit unseren Fratzen darauf, unsere Emailadressen und andere personenbezogenen Dinge, mit denen böse Menschen Schindluder treiben könnten. Nun kann jeder von uns immer erfahren, welche Daten denn wo gespeichert wurden und die sogar löschen lassen. Das klingt toll, ein bisschen wie digitale Zuckerwatte. Der User kriegt wieder mehr Recht, mehr Selbstbestimmung über seine Daten. User an die Macht! Endlich! Hurra.

Der Blogger und andere Webseitenbetreiber, die keine eigene Rechtsabteilung zwei Stockwerke über sich hocken haben (nicht dass die mehr wüsste, aber hey, dann kann die sich ja damit rumschlagen und nicht man selbst als Privatperson), sitzen dann da und blinzeln alle sehr nervös, während sie versuchen, zu verstehen, was sie in Zukunft auf ihrer Seite dürfen und nicht dürfen und woher zur Hölle soll ich denn wissen, wo hier IP-Adressen gespeichert werden, geschweige denn wie man die löscht.

Wenn man sich Hilfe sucht, kommen gerne so Fragen wie „Hosten Sie selbst?“ und man weiß instinktiv, dass ein wutheulendes „Keine Ahnung! Ich schreib nur Sachen ins Internet!“ nicht die Antwort ist, die einen weiterbringt.

Also rumorte es heftig im Netz, in den sozialen Netzwerken. Blogger und Webseitenbetreiber kündigten an, ihre Seiten zu schließen, aus Angst etwas falsch zu machen und auf zwölfzig Trillionen Euro verklagt zu werden. Besonnene Stimmen ließen einen zwischendurch mal durchatmen und Hoffnung schöpfen, aber die Angst war zu groß, zu präsent. Der Mensch versteht gerne, was um ihn herum passiert, er hat gerne die Kontrolle, Gewissheit, (und jetzt kommt das böse S-Wort) Sicherheit. Die DSGVO hat maximale Verunsicherung geschaffen – völlig egal ob zu Recht oder nicht.

Worauf will ich hinaus? Die DSGVO ist seit Freitag, den 25. Mai, in Kraft. Und seit Donnerstag Abend gibt es auch hier eine neue Datenschutzerklärung (siehe oben), die euch vermutlich einen feuchten Furz interessiert. Viel wichtiger ist aber: Ich habe die Kommentarfunktion des Blogs deaktiviert (vorerst). Denn um zu Kommentieren, muss man Name und Emailadresse angeben – völlig unerheblich, ob ihr euch beides ausdenkt oder wirklich Agnes Dröselbier heißt und eine Emailadresse habt, die derwürselerpenis55@web.de lautet. Völlig wumpe!

Kein Kommentieren = Kein Speichern von Daten = Kein Problem. Zumindest an dieser Front. Wo ich jedoch unausweichlich aaaaaaaaall eure Daten wie Mark Zuckerberg höchstpersönlich speichere, könnt ihr, wie gesagt, in der neuen Datenschutzerklärung nachlesen. Bis ich mich entschieden habe, wie und ob ich das Kommentieren wieder möglich mache, könnt ihr mir (Achtung, Datenschutz-Brüller!) ja auf Facebook schreiben.

Beste datengeschützte Grüße!