Ein wenig mehr Unbeschwertheit

„Und, bist du wegen der ersten Klasse schon aufgeregt?“
„Und wie!“ posaune ich.
„Ich habe mit deinem Sohn geredet, Claudia.“
„Oh,“ ich schaue ihn an, das Kind schüttelt mit grandioser Gleichgültigkeit den Kopf „Willst du vielleicht jetzt nochmal mich fragen?“

Ich erinnere mich nur bruchstückhaft an die Tage oder Wochen vor meinem eigenen Schulanfang. Damals. Kurz nach’m Krieg. Aber Hölle nochmal. Ich weiß, dass ich aufgeregt war. Mit Recht. Die Jahre, die zwischen meiner Einschulung und meinem Abitur lagen, waren die aufwühlendsten, ätzendsten, schwierigsten und vor allem fremdbestimmtesten meines (bisherigen) Lebens.

Und dachte ich in den vergangenen Wochen an die nahende Einschulung des Antichristen, dachte ich vor allem daran: An Klassenkameraden, mit denen man sich gut versteht und gar nicht, an Grüppchenbildung, an inkompetente Lehrer, an unfaire Lehrer, an Arschlochlehrer, an Menschen, die einen missverstehen und in Schubladen packen, statt zu helfen. An Klausuren, für die zu spät gelernt wurde, an Stunden, die geschwänzt wurden, und Zeugnisse, die beides ans Tageslicht brachten. Ich dachte an Ungewissheit, Stress und 1/4 meines Lebens, den ich mit diesem ganzen Schmonsens verbracht habe – nur um dann nochmal etwa zehn Jahre zu brauchen, bis ich mich selbst wieder fangen konnte.

Ich dachte daran, dass ich all das für mein Kind nicht möchte. Dass ich mir ein wenig mehr Leichtigkeit wünsche. Ein wenig mehr Unbeschwertheit. Ein wenig mehr Kindheit.

Und da ich – aufgrund meiner Schulzeit – Lehrern nur so weit vertraue, wie ich sie werfen kann, weiß ich, es wird an mir liegen. Ich finde es durchaus nachvollziehbar, dass diese Vorstellung ein klein wenig für Aufgeregtheit meinerseits führt(e).

Ich habe keine Ahnung, wie die nächsten vier Jahre verlaufen werden. Welche Höhen und Tiefen jeden Morgen hinter der Eingangstür der Schule lauern. Ob überhaupt irgendwas lauert.

Vielleicht ist es ja auch ganz gut, dass er selbst sich so gar keine Gedanken macht. Gar nicht aufgeregt ist. Alles und jedem beinahe schon stoisch entgegensieht. Das mit den Gedanken machen und den Sorgen – das kommt schon noch früh genug. Und bis dahin ist das einfach weiterhin mein Job.

One thought on “Ein wenig mehr Unbeschwertheit

  1. Vielleicht das nächste Mal direkt am Anfang erwähnen, dass er nen Dino-Schulranzen hat. Dann weiß man doch auch, warum der Kurze sich keine Gedanken macht.

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