Feierabend

Ich sitze auf dem Sofa und trage Leggings, dicke Socken und die vermutlich hässlichste Strickjacke der Welt. Auf mir mein dickes Plumeau, darauf mein MacBook, weil ich gerade versuche, herauszufinden, wie man sich von der Bio-Lebensmittelindustrie nicht verarschen lässt und wo ich Milch von einer Kuh herbekomme, deren Leben nicht gänzlich scheiße ist und die, hätte sie denn einen Daumen und eine Pistole, sich nicht umgehend das Leben nehmen würde.

Nicht gänzlich scheiße wäre nämlich schon mal ein Anfang. Schließlich weiß ich inzwischen, dass vegan für mich genauso wenig eine langfristige Option ist, wie eine Milch zu kaufen, auf der ein Bio-Siegel klebt, das in etwa denselben Wert wie ein Glitzer-Sticker aus der Bravo hat.

Im Hintergrund kämpft der BVB gerade verbissen, aber erfolglos gegen irgendein europäisches Fürstentum, bei dem man sich die ganze Zeit vorrangig fragt, wie zur Hölle die eigentlich in die Champions League gekommen sind.

Ich könnte jetzt auch ins Bett gehen. Die monegassischen Freizeit-Franzosen haben schon zwei Tore geschossen und ich muss an das Ende von „Der mit dem Wolf tanzt“ denken. Da war das stete, aber unerfolgreiche Aufbäumen der Hauptprotagonisten ähnlich unerträglich.

Ich könnte auch auf dem MacBook was auf Netflix gucken. Ich könnte hier auf dem Sofa einschlafen. Ich könnte mir auch warmen Vanillepudding machen, ihn hier auf dem Sofa essen und danach einschlafen. Ich könnte so vieles. Geradezu alles. Oder auch nichts von alldem.

Denn das Buch ist durch. Abgegeben. Für gut befunden – oder zumindest okay – und nun schlagen sich Menschen im Verlag damit herum, meine eher dürftigen Worten in eine druckbare Form zu bringen und Absätze, Seitenumbrüche und anderen Spaß einzufügen.

Ich habe Feierabend.

Also für den Moment. Und kann mich kaum entscheiden, was ich jetzt alles machen könnte.

3 thoughts on “Feierabend

  1. Ich bin schon sehr gespannt auf das Machwerk!

    Und wegen des Eingangstextes: da Sie Hamburgerin sind, empfehle ich als Suchworte „solidarische Landwirtschaft“ und „Kattendorfer Hof“. Da gibts es sogar Hack und Steak von ziemlich zufriedenen Demeter-Kühen im Hofladen, von Milch ganz zu schweigen.

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