Fit oder nicht fit – das ist hier die Frage

Irgendwann im August oder September, kurz nachdem mein Buch erschienen war, gab es irgendwo in den Untiefen des Netzes ein Interview dazu mit mir. Und wie das so ist: Das Interview wurde auf Facebook gepostet und Menschen kommentierten.

Facebook-Kommentare – #Hach

Woran sich mancheiner bei mir stieß, war überraschenderweise nicht, dass man das Buch doof fand. Oder mich fett und dumm. Nein, das wäre zu einfach. Selbst für Facebook.

Denn im Interview wurde in einem halben Nebensatz erwähnt, dass ich für Men’s Health und Women’s Health arbeite. ICH! Die doch ein paar Zeilen weiter oben im Interview noch gesagt hatte, dass sie kein Fan von diesem Optimierungskram ist, sich nicht gerade als Sport-Enthusiastin outete und – aus beinahe religiösen Gründen – alle Lebensmittel ablehnt, die mehr Vitamine als leere Kohlenhydrate enthalten.

Die Irritation und Entrüstung ist natürlich nachvollziehbar.

Und das, obwohl ja bei uns im Arbeitsvertrag steht, dass wir alle nicht nur während der Arbeitszeit Sport mega, mega geil finden müssen, sondern auch in unserer Freizeit. Jeden Morgen, nachdem wir dem Aufzug ein verächtliches Grunzlachen zugeworfen haben und pfeifend und Squats machend die Treppen emporflogen, finden wir auf unserem Schreibtisch eine Schale mit Cashewnüssen und einen frischen grünen Smoothie – dessen Inhalte ausschließlich von saftigen, irischen Hügeln von kleinen Bio-Elfen geerntet wurden. In der Mittagspause müssen wir alle immer zusammen Sport machen und anschließend bekommen wir einer Art Heiligen Messe unseren täglichen Proteinshake, bevor wir mit einem lauten, gemeinschaftlichen „NO PAIN, NO GAIN!“ – Schlachtruf zurück an die Arbeit gehen. Alle. Immer. Jeden Tag.

Zumindest stelle ich mir vor, dass sich andere die Arbeit bei uns in der Redaktion so vorstellen. Muss ja so sein. Wer für eine Lifestyle-Zeitschrift mit Schwerpunkt Fitness und Gesundheit arbeitet, der muss das ja auch leben. Egal, ob man der zuständige Fitness-Redakteur oder nur die Putzfrau ist!

Seriously?

Man könnte natürlich einwenden, dass nicht jeder, der beim HVV arbeitet, auch privat öffentliche Verkehrsmittel geil finden muss. Oder dass jeder, der in einem Reisebüro arbeitet, in seinem Jahresurlaub auch immer auf Touren sein sollte, statt eins zu werden mit seinem Sofa.

Sicherlich kann es hilfreich sein, wenn man als Journalist bei Spiegel Online auch sonst gerne mal Nachrichten sieht. Oder sich ganz generell für Mode und Trends interessiert, wenn man als Fashion-Redakteur arbeitet.

Ich bin aber wirklich recht zuversichtlich, dass man auch als Social Media Manager, IT-Admin oder Grafiker seine Arbeit in einer Fitness-Redaktion mehr als vorzüglich verrichten kann – auch wenn man Jogginghosen primär auf der Couch trägt, der einzig regelmäßige Sport die Jagd auf Pokémons ist und man sich auch mal ’ne Woche lang nur von Schoko-Brownies ernähren kann.

Und nachdem ich das nun auch nochmal dargelegt habe, können wir uns ja wieder den wirklich wichtigen Dingen widmen: Zum Beispiel der Planung meiner nächsten Mahlzeit.

Wer hat hier noch Lust auf Brownies?!

2 thoughts on “Fit oder nicht fit – das ist hier die Frage

  1. Stell dir mal vor, ich hab früher auf Nachfrage den Leuten erzählt, ich würde bei der Telekom arbeiten, ich Idiotin! Sofort wurde mir erzählt, welches Theater irgendwer mit seinem Festnetz hat. Nein, ich hätte nichts mit Festnetz zu tun, erwiderte ich höflich. Aber dann, mit dem Mobilnetz das haue auch nicht hin! Nein, ich mach auch nicht in Handies, ich mache Internet, also so Seiten und auch nicht wirklich ich persönlich. Ach so, Internet, man wüsste Bescheid! Also dieses angeblich Breitbandnetz sei ja auch nicht wirklich breit und ob ich da was machen könne?!
    Ich erzähle niemandem mehr, ich würde bei der Telekom arbeiten…

  2. Ich arbeite bei einem Automobil-Zulieferer als Ingenieur und hasse, hasse, hasse Autos. Aber ja, man kann dort trotzdem einen guten Job erledigen. Einfacher wäre es jedoch andersrum.

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