Godwin am Morgen

Zu dem letzten Beitrag gab es einen Kommentar, bei dem ich mir nicht verkneifen kann, beim Rückkommentieren ein wenig weiter auszuholen.

„Anders geplant oder nicht. Es zeigt nur, dass es entweder schlechte Planung war oder planen eh nichts nützt. Viele denken letzteres. Ich sage, mit einer richtigen Planung kann man sein Leben genau da haben, wo man will. Ziemlich genau jedenfalls. Mit genug Ehrgeiz. Leute, bei denen das nicht funktioniert, haben nicht Pech. Sie haben es zu wenig gewollt. Auch nicht liegt es an ihnen, dass sie halt so sind, dass sie das, was sie wollen, nicht genug wollen. Das gleiche bei dir. Du hast all die genannten Dinge gar nicht so dolle gewollt, sodass es dir egal ist, dass aus Nutellabrot Roggenbrot wurde. Wolltest du es anders, würdest du was ändern. Mit mehr Vernunft blickt man zurück, ein leichter Schwaden an alte Zeiten lassen Gefühle hochkommen, und man kommt dazu, das alles zu hinterfragen. (Und diesen Artikel zu schreiben.) Am Ende kommt alles so, wie es muss. Denn die, die genug wollen, erreichen das. Die, die nicht genug wollen, erreichen es nicht, weil sie nicht genug wollen. Also tuts auch nicht so weh.“

Wir erinnern uns wohl alle daran, dass uns damals als Kinder durch stumpfe Wiederholung versucht wurde einzuimpfen, dass wir alles werden können, wenn man nur will. Man muss nur wollen. „Denn die, die genug wollen, erreichen das.“

Zum einen ist es unfassbar vermessen, jemandem, der gescheitert ist, zu sagen, er habe es einfach nicht genug gewollt. Denn niemand außer der Person selbst kann wirklich einschätzen, wie sehr sie es wollte und was sie schlussendlich alles dafür geplant und getan hat und welche anderen Faktoren einem da reingepfuscht haben.

Denn man kann soviel planen und wollen, wie man möchte, zwei Faktoren liegen außerhalb dessen, was man selbst kontrollieren kann: Die Grenzen des eigenen Körpers bzw. der eigenen Fähigkeiten und natürlich andere Menschen, die beim Umsetzen der eigenen Plänen auch mal hinderlich sein können.

Stellen wir uns kurz vor, Sie wollen z.B. Künstler werden. Sie wollen es unbedingt, also wirklich so unbedingt, weil sie der Typ Mensch sind, der Dinge immer unbedingt will, aber sie sind nur so semi gut. Sie sind nicht schlecht, aber auch nicht wirklich herausragend, also gehen Sie an eine Kunsthochschule, sagen wir zum Beispiel die in Wien, Sie gehen da hin, wollen da aufgenommen werden, das ist Ihr Plan, das wollen Sie unbedingt, aber die sagen so „Nö.“ Sie sind ziemlich mittellos, haben auch nicht das beste Verhältnis zu Ihren Eltern, keinerlei Unterstützung, Sie versuchen sich irgendwie so über Wasser zu halten, denn Kunst ist eben Ihr Ding, also malen Sie, sagen wir zum Beispiel Postkarten. Die kauft auch ab und zu einer mal, aber Sie merken, es wird nichts. Heute gibt es Tumblr, DaWanda, Etsy und Co., wo man sich selbst promoten, anpreisen kann, aber zu anderen Zeiten nicht. Da konnte man sich nur in die Wiener Fußgängerzone setzen und hoffen, dass irgendeiner der Vorbeikommenden mal entdeckt, was für Talent man ist. Aber nichts. Und das, obwohl man es doch so wollte.

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(So ein Bild hätten Sie malen können. Zum Beispiel.)

Irgendwann denken Sie vielleicht, ich muss was anderes machen, Sie probieren ein wenig rum. Arbeiten hier und da, aber das Kreative, ich will sogar sagen, das Schöpferische, das liegt Ihnen eben im Blut. Sie möchten gestalterisch und schöpferisch tätig sein, mehr als alles andere. Das mit dem Malen hat nicht so gut geklappt, also suchen Sie sich was anderes und vielleicht finden Sie ja was anderes, in der Politik zum Beispiel, da kann man ja auch ganz wundervoll kreativ und schöpferisch tätig sein. Und am Anfang läuft es vielleicht auch gar nicht so schlecht für Sie, denn Sie wollen es ja, so unbedingt, und Pläne haben Sie auch, nicht nur für die nächsten vier Jahre, ne, für die nächsten tausend Jahre. Nur irgendwann scheint der Wille, dieser doch eigentlich unbezwingbare Wille und die tollsten, besten Pläne nicht auszureichen.

Weil Sie ja auch nicht alles alleine machen können. Sie brauchen Hilfe, Unterstützung, und man kann sich die Unterstützung leider nicht schnitzen, man könnte sie sich vielleicht züchten, aber wer hat schon die Zeit für so ein Zucht- und Rasseprogramm, um Menschen zu bekommen, die Ihnen gleich sind, die auch so einen Zug zum Tor, den unbedingten Willen zum Erfolg und Sieg haben. Das ist schwer, also müssen Sie das nehmen, was Sie finden, was Sie kriegen. Und die sind dann vielleicht nicht so erfolgreich wie Sie, vielleicht weil sie nicht so gut planen können wie Sie, vielleicht weil sie nicht ganz diesen Willen haben. Und wenn dann auch noch Ihre Gegner Ihr Scheitern so richtig wollen, ich meine, so richtig, und das dann auch noch super duper planen, dann können Sie selbst soviel planen und wollen, wie Sie möchten, dann stehen Sie nämlich da, an irgendeinem Frühlingstag, mit ihrer Walther PPK in der Hand und wissen auch nicht mehr so Recht.

Und wenn dann so einer kommt und sagt „Tja, hammse wohl nicht richtig gewollt, das Ganze, war wohl nicht gut genug geplant, das Ganze.“, dann hauen Sie dem vermutlich nochmal mit der Walther eine rein, bevor Sie Waffe zur eigenen Schläfe führen.

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Was ich eigentlich sagen möchte: Dass ich zum Beispiel nicht abnehme, liegt sicherlich allein und ausschließlich daran, dass ich nicht genug darunter leide und es deswegen nicht ausreichend will.

Jedoch zu behaupten „Man muss nur wollen!“ ist eine verallgemeinernde Aussage, die nicht nur die Unwägbarkeiten des Lebens und der Natur ignoriert, sondern schlussendlich vor allem eins: Den Menschen an sich.

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