Happy Zeitumstellung

Pünktlich zur Zeitumstellung poppen einem im Netz ja sehr gerne super kreative Tipps entgegen, was man mit der „geschenkten“ Stunde alles machen kann. Nur für den Fall, dass man zu faul ist, sich selbst Dinge zu überleben.

Mir persönlich fallen ja anhand meiner sich stets fleißig fortpflanzenden To-Do-Liste selber auf Anhieb Dutzende Dinge ein – aber bei einem Blick auf diese Tipps habe ich ohnehin das Gefühl, ich bin gar nicht die Zielgruppe. Denn primär scheinen die eher für Menschen ohne Kinder zu sein.

Da ich aber mal nicht so sein will, habe ich für all die kinderlosen Menschen sieben ganz famose Ideen, was ihr morgen spontan mit der zusätzlichen Stunde machen könnt.

7 Dinge, die man als Kinderlose machen kann:

  1. Weiterschlafen. Einfach weiterschlafen.
  2. Ausgiebiger Morgensex. Oder kurzer Morgensex – und wenn er unter der Dusche ist, ausgiebig masturbieren. Je nachdem, wonach euch mehr der Sinn steht. (Denn niemand hat die Absicht, Sonntag Morgen eine Stunde lang so zu tun, als fände er das Gerammel mega geil, wenn man in Wahrheit die Einkaufsliste für Montag im Kopf durchgeht.)
  3. Noch vor dem Frühstück eine Runde Sport machen. (Ja, bei dem musste ich auch lachen.)
  4. Lange und ausgiebig frühstücken. Vielleicht sogar mit selbstgemachten Croissants oder frisch gebackenem Brioche oder sonst irgendwas, das man vor Monaten auf Pinterest gesehen hat und bisher aus Zeitgründen nie ausprobieren konnte.
  5. Spazierengehen. Durch knirschendes Herbstlaub waten. Verliebt Händchen halten – wenn man gerade einen Schatziiii hat. (Bzw. versuchen nicht zu brechen, wenn einem beim Spazieren an Alster & Co. dauernd knutschende, Händchen haltende Pärchen entgegenkommen. Igitt.)
  6. Eingekuschelt im Bett oder dem Sofa endlich das Buch lesen, für das man während der vergangenen Woche wieder keine Zeit hatte!
  7. Pediküre, Maniküre, die Monobraue in eine gesellschaftlich mehr akzeptiere Form stutzen, Beine rasieren, ein Schaumbad nehmen, lange und heiß duschen – kurzum: dem gepeinigten, armen Körper die Pflege geben, die er eurer Meinung nach viel zu selten bekommt. (Hier hysterisches Lachen von Müttern einfügen.)

So. Und was machen nun die mit Kindern?

7 Dinge, die man als Eltern mit der zusätzlichen Stunde machen kann – Ne. Moment.

Ha. Hahaha. Ernsthaft? Als ob es irgendein Kind gibt, das sich darum schert, dass es was länger schlafen könnte und damit ihr auch! Zeitumstellung hin oder her: die kleine apokalyptische Frucht eurer Lenden wird auch an diesem Tag bestimmen, wann ihr aufsteht und was ihr macht.

Natürlich kann man sagen: Hey, voll toll. Eine Stunde mehr mit den Menschen, die ich am meisten liebe!

Aber wie lieb hat man diesen kleinen Menschen, wenn er bei eurem Versuch nach Monaten mal wieder Morgensex zu haben, reinplatzt wie ein russischer Panzer in Berlin 1945? Wenn er grölend versucht, den Fön in die Wanne zu schmeißen, während man sich noch einredet, man könnte wirklich ein schönes Schaumbad am Sonntag genießen? Oder wenn er motzend und schmollend hinter einem hertrabt, weil man ihn gezwungen hat, das Haus zu verlassen, um einen laaaangweiligen Spaziergang zu machen?

Man könnte jetzt also stattdessen andere Dinge aufzählen, die Eltern in der einen Stunde machen können.

Wie eine zusätzliche Ladung Wäsche waschen. Eine Stunde länger auf Knien rumrutschen und Dinge aus Lego bauen, die Seine Durchlaucht godzilla-artig in etwa zehn Minuten wieder zerstören wird. Oder mit den Lütten in einem Kindercafé frühstücken gehen. (#Yeah)

Aber Moment. Sollte es wirklich darum gehen, in dieser geschenkten Stunde möglichst optimal als Eltern zu funktionieren – während „die anderen“ feucht und feudal ihre gratis Me-Time genießen?

Daher, liebe Eltern, tut euch – wenn es möglich ist – einen Gefallen und outsourct euer Kind in der Nacht der Zeitumstellung! Großeltern, Geschwister, Freunde, Bekannte, Eltern eines Kita-Kindes (das ihr eigentlich nicht leiden könnt, aber egal), die freundliche Kassiererin im Edeka – irgendwer!

Und da ich selber weiß, dass so etwas selten von heute auf morgen zu bewerkstelligen ist, habt ihr jetzt genau ein Jahr Zeit, für eure kleinen Goldschätze diese Übernachtung zu organisieren! Ein Jahr? Müsste als Vorlauf reichen …

… um dann eine dieser 7 Sachen in der zusätzlichen, kinderfreien Stunde zu machen:

  1. Weiterschlafen.
  2. Pipi machen und dann weiterschlafen.
  3. Aufs Sofa legen und dort weiterschlafen.
  4. Sex haben – nur kurz – und happy weiterschlafen.
  5. Ein bisschen netflixen und dabei wegdösen.
  6. Im Bett frühstücken. Liegend.
  7. Im Bett liegen (wach) und einfach nur der herrlichen Stille lauschen.

In diesem Sinne: Happy Zeitumstellung!

One thought on “Happy Zeitumstellung

  1. Wenn Du schon so vorausschauend denkst, dann tröstet Dich ja vielleicht auch diese Vorausschau: Kinder kommen in die Pubertät! Da bleiben sie am Wochenende durchaus auch bis mittags liegen (die Stunde länger nutzen sie dazu, eine Stunde länger im Bett zu liegen).
    Die Sache hat nur auch wieder einen Haken: Wenn es Dir nämlich wie mir geht, hilft Dir das nicht viel, dann hat Dein Körper nach den vielen Jahren des Frühaufstehens schlichtweg verlernt, lange zu schlafen. Aber ich arbeite dran und bin mittlerweile schon wieder bei zehn Uhr, das lässt hoffen.
    Liebe Grüße von Frau Frosch

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