Hashtag voll betroffen

Ich habe das nicht oft, aber ich möchte sie spontan ankotzen. Nicht im übertragenen Sinn. Wortwörtlich. Ich möchte hingehen und ihr auf ihr REFUGEES WELCOME Shirt brechen. Mit ganz vielen Stückchen.

Sie sitzt da mit ihrer Fritz Kola direkt an der Alster, tippt mit himbeerfarbenen Fingernägeln auf ihrem iPhone 6 herum und fährt sich zwischendurch beiläufig, ihrer sexuellen Ausstrahlung scheinbar nicht gewahr, durchs bicolor gefärbte Haar.

Und dann dieses Shirt, das zeigt, wie betroffen sie ist, nicht persönlich natürlich, aber eben emotional. Sie hat letzte Woche dieses Videos gesehen, auf Facebook – oder war es doch Vimeo? Voll traurig war das. Diese ganzen Kinder. Aus Syrien. Oder Afrika? Oder liegt Syrien in Afrika? Egal, auf alle Fälle super traurig und schlimm, voll schlimm. Deswegen hat sie es auch gleich geliked und geteilt – dann war es vermutlich doch Facebook – und war den Rest des Tages damit beschäftigt super betroffen nach einem Online-Shop zu suchen, bei dem sie dieses Shirt kaufen kann. Nina hatte das auch. Zack. Gefunden. Gekauft und bestellt, damit man auch außerhalb Facebook sehr betroffen sein kann.

Das Shirt ist zwar von einem Megakonzern, der seine Waren in Kambodscha herstellen lässt und ich vermute, wenn sie nächste Woche ein 2-minütiges Video über die Arbeitsbedingungen dort sieht, ist sie wieder voll betroffen, aber dazu gibt’s dann vermutlich auch ein passendes Shirt.

Sie macht ein paar Selfies. Die ersten werden nichts, das Logo des Shirts ist nicht ganz mit drauf und so macht das alles natürlich keinen Sinn. Jetzt noch eins mit Schmollmund, also voll betroffenem Schmollmund, eins mit Frappucchino (ohne Sahne, die Kinder in Syrien haben ja auch keine Sahne), eins gedankenverloren (oh the irony!) in die Sonne schauend.

Schnell noch ’nen betroffeneren Filter drüber und ab zu Instagram.

#fugitees #fugiteeswelcome # sundowner #hamburg #welovehh #ohmeingottwarumgucktmichdiefraudahintensoverachtendan? #wasmachtsiedennjetzt #IGITT #SOVIELKOTZE!!