Hello again.

So. Da wären wir also wieder. Manchem mag gar nicht aufgefallen sein, dass wir [sic!] weg waren. Ich haderte ein wenig. Mit mir und diesem Internet. Hatte und habe das seltsame Gefühl, dass sich die Plattformen und Netzwerke verändert hatten – ich selbst aber nicht, – und wusste deswegen nicht so recht, wie ich zukünftig mit ihnen umgehen sollte oder auch wollte. Ein durchaus wiederkehrendes und ebenso durchaus nerviges Thema, was aber nur zeigt, wie sehr ich diesbezüglich haderte.

Dass Twitter als private Spielwiese schon länger nicht mehr taugt, dürfte kein Geheimnis sein. Der einzige Ort, an dem noch mehr gezetert, gemotzt und sich gegenseitig die Schuld für einfach alles in die Schuhe geschoben wird, dürfte die Praxis eines Ehe-Therapeuten sein. Warum sollte man sich dort noch freiwillig aufhalten, sofern man nicht eine zumindest latent masochistische Ader hat und vielleicht einfach darauf steht, von einer random Frauke unaufgefordert erklärt zu bekommen, was man jetzt schon wieder falsch gemacht/verstanden hat. Wobei ich glaube, dass es selbst für Masochisten durchaus befriedigendere Orte gibt. *zwinkerzwonker*

Facebook hat etwas von einer kruden Mischung aus einem Seniorenheim und einer geschlossenen Anstalt, wo inzwischen auch der letzte Schlumpf aus Inzesthausen einen Account hat. Bei einigen weiß man nicht, ob sie überhaupt noch Puls haben oder lediglich Karteileichen sind, bei anderen erinnert das geradezu wahnhafte Posten von Motivationssprüchen an das Aufbäumen kurz vor der letzten Ölung. Als würde „Am Ende wird alles gut – und wenn es nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende!“ irgendein Problem lösen. Und dann sind da ja noch besagte Schlümpfe, bei denen man nicht weiß, ob es wirklich der Hass auf alles Unbekannte ist, was sie so durch ihr trauriges Leben leitet – oder schlicht die mangelnde Anzahl funktionierender Gehirnzellen. So oder so, die Tatsache, dass all diese Menschen komplett unbeaufsichtigt den lieben, ganzen Tag Unsinn auf Facebook posten und kommentieren können, lässt mich schaudern, an der Zukunft der menschlichen Spezies zweifeln und letztlich von dort zurückziehen.

Bei Instagram geht es trotz töfter Hashtags wie #mehrrealitätaufinstagram immer noch um das Perfekte, das Schöne, denn seien wir doch ehrlich: wer will denn bitte die Realität sehen, mir reicht schon meine eigene, da brauche ich nicht auch noch die von Ulla und Thorsten. Da reichen doch letztlich auch die Stories, um hin und wieder ein ungeschminktes Selfie zu posten, hihi, schau mal, ganz ohne Filter, die sind ja Gott sei Dank nach 24 Stunden auch wieder weg. Länger möchte das nun wirklich keiner sehen.

Wie so ein Nörgelrentner, der mit Kissen bewaffnet am Fensterbrett hockt und den Nachbarn auf der anderen Straßenseite zuruft, dass die da vor der Einfahrt nicht parken dürfen, mosere, grummle und hadere ich vor mich hin. Nächster Schritt wäre dann an Haltestellen Unbekannten aufzulauern und ihnen unaufgefordert von meinem Rückenleiden und Knieschmerzen zu erzählen.

Vielleicht ist das der Lauf der Dinge. Vielleicht bin ich meine eigene Mutter geworden, eine von jenen, die Sätze bevorzugt mit früher oder damals beginnen. Die Jugend ist ja eh schon zu TikTok weitergezogen, wundern würde es mich also nicht.

Und dann wäre da ja auch noch die Problematik mit der nicht mehr ganz so intakten Anonymität. Irgendwann zwischen damals (LOL. Sorry) und heute habe ich die fast beiläufig verloren, und offenbar ist das wie mit der Jungfräulichkeit: man kriegt sie nicht wieder. Sehr lästig.

Also ist man ergoogelbar für Menschen, die besser vieles tun sollten, nur eben nicht mich zu googlen, aber so hat eben jeder seine Laster. Und da ich und meine Gedanken nicht nur solche Menschen anziehen, sondern auch Missverständnisse der verschiedensten Art, komme ich immer wieder in die unschöne Situation, dass irgendwo irgendwer beleidigt ist von dem was ich so schreibe – in der irrigen Annahme, ich würde über sie reden. Extrem lästig. Vor allem da treuen Lesern ja bekannt ist, dass das Einzige, worüber ich wirklich, wirklich nachdenke, meine nächste Mahlzeit ist. (Aber wieso auch sich mit der Person hinter den Texten auseinandersetzen, wenn es doch viel schöner ist, erbost Screenshots oder Links hin und her zu schicken. Ich empfehle solchen Leuten dann gerne zu Twitter zu gehen, da „Erbostsein“ dort quasi Zugangsvoraussetzung ist.

Wie auch immer.

Ich bin inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass ich von nun an so tun möchte, als würde das alles nicht existieren.

Als wären auf Twitter nicht vorrangig Freizeit-Trolls, selbsterklärte Welt-Versteher und Klugscheisser aller Couleur. Als wäre Instagram kein Ort, an dem sich alle 10 Minuten einer darüber beschwert, wie böse der Algorithmus ist und im nächsten Atemzug 7 Dinge aufführt, die jeder von und nun machen soll, damit wir dennoch maximale Reichweite kriegen. Und natürlich als wäre Facebook nicht nur das digitales Hospiz für alle Übriggebliebenen.

Und zu guter Letzt: Als würde nicht die permanente Möglichkeit bestehen, dass sich irgendein Schmock permanent angesprochen fühlt und deswegen beleidigt ist.

2008 hab ich meinen ersten Blog eröffnet. Und damals (da ist es schon wieder!) lasen ihn etwa vier Menschen. Einer davon war ich. Ich möchte jetzt gar nicht so tun, als würde ich wieder an diesen Punkt zurück wollen – nur zu der Einstellung. Da wurde nicht überlegt, wann man was postet. Welche Inhalte. Ob ihn nun 500 oder 5000 angeklickt haben.

Ich kann die Netzwerke und Plattformen nicht verändern oder sie zwingen, so zu bleiben wie sie jetzt gerade sind. Und dasselbe gilt natürlich für Menschen. Es ist ja noch nicht mal klar, ob man sich selbst wirklich ändern kann. Aber ich kann meinen Umgang mit ihnen ändern – mit den Netzwerken, den Plattformen und den Menschen darin.

Blog like no one ist reading. Frau Elise hat das mal geschrieben. Ich versuche, mir das jetzt mal wieder ein wenig mehr zu Gemüte zu führen …