Ich bin raus!

YEAH! Die Höhle der Löwen ist zurück – mit 5 tollen Start-Ups, deren Produkte ich alle nicht kaufen werde.

Ich liebe Die Höhle der Löwen! Seit der ersten Folge. Ich fand sie von Anfang an herrlich unaufgeregt – und auch wenn natürlich alles so geschnitten wird und dramaturgisch aufbereitet ist, dass man während des Schauens nicht vor Langeweile mit dem Schädel den Wohnzimmertisch zertrümmert, so wirkte die Sendung stets wunderbar natürlich. Hach. Nach all den Jahren, in denen die Reality-Formate auf RTL & Co. immer bizarrere Formen angenommen haben, war die Sendung für einen Fernseh-Junkie wie ich die reinste Offenbarung.

Und nach putzigen Versuchen von Sat1 und RTL2 ähnliche Formate mit Maschi alleine bzw. Jette Joop zu realisieren – die auf geradezu groteske Weise beide scheiterten – ist das Original wieder da!

Gekauft habe ich übrigens noch keins der Produkte, die diesen Menschen da in den vergangenen vier Jahren so vorgestellt haben. Introvertierte Menschen, die sich häufig unter Decken begraben , generell bevorzugt in der Horizontalen aufhalten und die Welt ganz gerne über ein Display wahrnehmen, scheinen nicht die primäre Zielgruppe für diese Start-Up-Menschen zu sein. Aber vielleicht ändert sich das ja mit dieser Staffel!

[Wer übrigens keinen Bock auf Start-Ups, Gründer und Erfinder hat, kann die Sendung übrigens trotzdem gucken und einfach ein Trinkspiel durchziehen und jedesmal einen Kurzen kippen, wenn Maschmeyer sagt, dass er in Gründer investiert und Dagmar Wöhrl irgendwas von Familienunternehmen schwurbelt.

Auf die Gläser, fertig, los!

1. Tobi, der talentierte Typ (Ja, okay, das mit der Alliteration überlasse ich vielleicht doch Vera Int-Veen) 

Tobi der pfiffige Erfinder, der mit gerade mal 20 Jahren mehr erreicht hat, als ich auf dem Sterbebett jemals erreicht haben werde, hat einen speziellen Staubsaugerfilter entwickelt, der dafür sorgt, dass so Krams wie Ohrringe und Legosteine nicht im ekligen Staubsaugerbeutel landen, sondern in einer kleinen, durchsichtigen Box. Geile Box. Geiler Typ. Geil stelle ich mir auch den Blick der Spinne vor, die mit dem Legomännchenkopf in der Box landet und mich mit diesem einmaligen „Alte, du bist sowas von tot, wenn ich hier raus komme!“-Blick anschauen wird, nachdem ich sie da rein gesaugt habe.

Ich staubsauge übrigens nicht. Bin nämlich der Ansicht, dass Hausschuhe dafür erfunden wurden, damit man das nicht muss. Ich bin raus.

2. Julia verkauft Essen in Dosen. Aha. Okay.

Ich finde Essen geil. Geht wohl vielen Menschen so. Deswegen hat sich die Julia, die in Sri Lanka gelebt hat, gedacht: „Geil, verkaufe ich doch Jackfrucht!“ – die gibt’s da nämlich so häufig wie Spinnen in meinem Staubsaugerbeutel. Sie will das Zeug in Deutschland in Dosen verkaufen, also eingelegt. Jeder, der schonmal ne Dose eingelegte Pfirsiche aufgemacht, denkt jetzt an alles andere nur nicht an Schmackofatz!

Die Julia ist aber der Ansicht, dass Jackfrucht in Deutschland keiner kennt und deswegen voll neu und fresh wäre – dann war es wohl reiner Zufall, dass ich allein wegen ihres Produktnamens Jacky F. sofort wusste, was sie verkauft. Aber die Dagmar (die mit dem Familienunternehmen) findet auch, dass das keiner kennt und dass das deswegen auch keiner kauft (Hä?), vermutlich wartet sie lieber auf ein Produkt, das schon alle kennen und in drölfzig Millionen Varianten angeboten wird. Aber die Julia ist auch kein Familienunternehmen, damit ist Dagmar ohnehin raus.

Ich auch. Denn ich kaufe keine Früchte aus der Dose. Ich kaufe nicht mal frische Früchte. Ich kaufe nicht mal Shampoo, das nach Obst riecht.

3. Wollen Mosaikwand kaufen?

Zwei eher unterdurchschnittlich sympathische Menschen haben eine LED-Wand mit Glasmosaik entwickelt, ein Quadratmeter damit kostet gerade mal EUR 4.800! Ein Schnäppchen! Dafür kriege ich in Hamburg nicht mal nen Quadratmeter, wenn ich eine Wohnung kaufen will. Eine super Investition also. Notfall kann man sich ja unter eine Brücke auf seine LED-Mosaikmatte legen.

Die Präsentation der zwei Herzis ist dabei ungefähr so mitreißend wie der jährlich mahnende Vortrag meiner Zahnärztin, ich solle häufiger Zahnseide verwenden.

Ich bin raus. Nicht nur, weil ich keine 4.800 EUR übrig hätte, sondern weil ich nicht mal Deckenlampen habe und ich meine … Alter! 4.800 EUR pro Quadratmeter! Dafür könnte ich vier bis fünf reinrassige Chihuahuas kaufen!

4. Gebt mir S! Gebt mir P! Gebt mir …

Vier, sehr energiegeladene junge Menschen haben eigene Cheerleading-Klamotten entwickelt. Warum? Ich weiß es nicht. Als ich hörte, dass es um Sport-Klamotten geht, bin ich in die Küche und habe mir erstmal ein Nutellabrot gemacht.

5. Schnippschnapp Haare ab!

Der letzte Herr der Auftaktsendung ist Friseur und hat ein Superding entwickelt, mit dem man geiler als mit Schere oder Messer die Haare schneiden kann. Ich sag nur: Das Erlebnis, Leute, das Erlebnis! Dafür kann man als Friseur gleich EUR 11,00 mehr vom Kunden verlangen. In den USA offenbar $ 35,00 mehr. So toll fühlen sich die Haare anschließend an!

Wenn man Friseur ist, ist das bestimmt richtig knorke, ich bin kein Friseur, ich gehe nicht mal zum Friseur, ich schneide mir einmal im Quartal selbst die Haare. Das letzte Mal beim Friseur war ich, als ich 2016 dachte, ich könnte mir ebenfalls selbst mal ein Pony schneiden. Spoiler: Kann ich nicht. Aber da hätte auch kein Caligraph geholfen, so heißt das Superding nämlich.

Ist aber egal. Und während vier der fünf Löwen sich fast um das Invest prügeln, bin ich raus und frage mich, wann endlich der Gründer kommt, der ein geiles, neues Nutellamesser erfindet, das gleichzeitig auch ein Löffel ist – nein, nicht dieses hässliche Spife von Nutella, in schön bitte. Man könnte es direkt mit Gravur anbieten! Finger weg. Meins. Claudia ihres. Mega Produkt! Unendlich skalierbar.

Das würde ich kaufen!