it’s magic.

Etwas ungläubig blinzle ich das Preisschild im Supermarkt an. Ne, scheint richtig zu sein. EUR 1,99. Vielleicht ist es ja magische Sojamilch, denke ich, während ich die Verpackung inspiziere. Oder jede einzelne Sprosse wurde von einer norwegischen Nanny per Hand großgestreichelt (Ist ja auch wichtig, dass das alles glückliches Soja ist, da in der Milch. Und keine Sojamassenhaltung, nech?). Aber weder auf das eine, noch das andere sind irgendwelche Hinweise zu finden.

EUR 1,99 für einen Liter. Es gibt Wodka, der billiger ist und der ist auch vegan. Wenn ich ihn mit Calcium-angereichertem Mineralwasser strecke, dürfte es zudem noch ähnlich gesund sein.

Und ähnlich schmecken.

Ich habe dem Mann nicht gesagt, dass ich mal wieder diese vegane Nummer ausprobieren will. Die letzten drei vegetarischen Monate, die für mich überraschenderweise ein Kinderspiel darstellten, waren alles andere als einfach für den Mann, der sicherlich irgendwo in seinem Kleiderschrank täglich seinem Gott Mortadella Opfer darbringt.
Nicht, dass er selbst vegetarisch leben oder essen müsste, aber er empfindet die bloße Existenz meines Vollkornbrotes mit Humus und Tomaten als eine kaum in Worte zu fassende Bedrohung für seine Leberwurstsemmel.

Der drohende Genozid der Salami-Stulle steht vorwurfsvoll im Raum und damit zwischen uns.

Der Vegetarier ist ideologisch gesehen so etwas wie der Iran der Ernährungsweise, den zwar (fast) jeder als unscharfe, nicht näher zu bestimmende, aber dennoch unfassbar ernstzunehmende Bedrohung für einen selbst wahrnimmt – aber letztlich so gefährlich wie ein Pudelwelpe für einen ausgewachsenen Rottweiler ist.

Als Taktiker – und nicht zuletzt als berechnender, manipulativer Vegetarier – versuche ich den Mann natürlich zu überlisten und erzähle ihm gar nicht erst, dass ich in den kommenden Tagen die Umstellung von vegetarisch auf vegan probieren möchte.
So kann es Wochen, wenn nicht gar Monate dauern, bis er überhaupt zu ahnen beginnt, dass seine kleine Tofunutte komplett zum feindlichen Ufer übergelaufen ist. Wobei ich aus den bisherigen Gesprächsfetzen den irritierenden Verdacht habe, dass er ohnehin nicht weiß, dass es nach vegetarisch noch eine Steigerung gibt – Eine neue Stufe des Bösen. Für ihn ist einfach alles ökobiovegan formerly kown as THE EVIL.

So oder so, soll die Umstellung schleichend geschehen und damit das passieren kann, brauche ich Sojamilch. Und entweder ich verzichte auf meinen täglichen Latte Macchiato oder werde sehr schnell sehr reich, damit ich mir diese, offenbar mit Ambrosia versetzte, Super-Milch kaufen kann.

Dass sie, Preis hin oder her, am Ende trotzdem wie verdünnte Suppe, die man durch verschwitzte Männer-Tennis-Socken gepresst hat, schmecken wird, ist ein anderes Thema.

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