Jetzt. Alles. Sofort.

Man sollte mich nicht fragen, was ich gerade alles in meinem Leben ändern möchte und sollte. Ich würde in einen stundenlangen Monolog verfallen, mich in Wiederholungen verlieren und mein Gegenüber vermutlich recht schnell zu Tode langweilen. Man sollte mich aber vor allem deswegen nicht fragen, was ich alles in meinem Leben ändern möchte, weil ich ganz einfach keine Zeit habe, all diese Dinge aufzuzählen.

Ich habe schlicht so viel zu tun, dass ich die Dinge, die ich ändern müsste, damit ich weniger zu tun hätte – oder zumindest damit ich keinen Schlaganfall bekäme –, nicht aufzählen, geschweige denn ändern kann!

„Du willst einfach zu viel auf einmal ändern.“ sagte kürzlich eine Freundin, deren Name ich nicht nenne, weil sie sonst nicht mehr meine Freundin ist. „Man braucht im Durchschnitt zwei Monate, bis man etwas wirklich in seinem Leben geändert hat und es zur Gewohnheit geworden ist!“

„Aha, aha.“ murmelte ich „Ich habe keine zwei Monate. Es muss jetzt sein. Sofort. Alles.“

Sie schüttelte den Kopf, wie bei einem kleinen, dummen Kind: „Nein, das funktioniert nicht. Und das weißt du auch. Nimm dir eine Sache, ändere sie und wenn sie zu einer Gewohnheit geworden ist, nimmst du dir die nächste vor. Eine nach der anderen.“ Sie schaute mir tief in die Augen, weil sie vermutlich dachte, dass ich sie dann besser verstehe: „Disziplin ist ein Muskel, weißt du. Aber du trainierst immer nur eine Partie, nie alle Muskeln auf einmal.“ Ich verstand die Metapher nicht, aber ich hatte auch keine Muskeln und vermutlich gab es einfach keine passende Metapher mit gerissenem Fettgewebe oder Hüftgold.

Unabhängig von meinem dringenden Wunsch, Menschen, die Weisheiten wie „Disziplin ist ein Muskel!“ von sich geben, eins aufs Maul zu geben, hatte sie aber zumindest mit dem Teil alles auf einmal geht nicht Recht.

Ich hatte in den letzten Wochen – okay, in den letzten Monaten – mit verschiedenen Plänen und To-Do-Listen experimentiert, jeweils immer mit dem Anspruch allem und allen gerecht zu werden und war wieder und wieder grandios gescheitert. Vielleicht war mein Ansatz tatsächlich nicht sehr gelungen.

Also mache ich nun etwas völlig anderes und gänzlich verrücktes: Ich höre auf den Rat eines anderen Menschen! Ich nehme mir eine Sache vor. Eine winzigkleine Sache und die mache ich jetzt Tag für Tag. Bis es mir so in Mark und Bein übergeht, bis ich es so verinnerlicht habe, dass ich nicht mehr darüber nachdenke es zu tun, sondern es so selbstverständlich ist, wie Zähne putzen oder einen Pups zu unterdrücken, wenn man mit Kollegen im Aufzug steht.

Und nun entschuldigen Sie mich. Ich muss dringend eine Liste machen mit allen Sachen, die ich ändern will, damit ich dann entscheide, welche ich allererste ändern. Geht sicherlich super schnell. Also das mit dem sich Ändern. Das mit der Liste hingegen wird vermutlich dauern.