Liebes Hamburg..

Liebes Hamburg,

ich fühle mich eigentlich recht wohl hier, seitdem ich vor neun Monaten zu dir gezogen bin. Ich muss nicht extra erwähnen, dass die Sache mit dem Wetter noch ein wenig überarbeitungs- und verbesserungsfähig ist und ich wirklich nicht verstehen kann, was du grundsätzlich gegen Sonne oder einfach ein Wetter, das Regen nicht beinhaltet, hast.
Und auch, dass ich immer noch Mühe habe mit dem Norddeutschen als solchen klarzukommen, lässt sich verschmerzen. Mit seinem Humor bzw. dem Fehlen davon. Den Mundwinkeln, die man hin und wieder nur mit Angelhaken nach oben zu ziehen vermag. Lächeln und Fröhlichsein ist eben nicht jedermanns Sache. Oder überhaupt Gefühle. Oder menschliche Regungen ganz allgemein.
Aber das ist alles schon okay. Ich gewöhn mich da noch dran und es hat ja auch den Vorteil, dass, wenn ich scheisse gelaunt bin, alle denken, ich sei Norddeutscher und das muss dann halt so sein.

Aber über eine Sache müssten wir dann doch noch einmal kurz sprechen.

Ich weiß noch aus Berlin, dass man sich dort nur Berliner nennen darf, wenn man bis ins Jahre 1779 nachweisen kann, dass die gesamte Verwandtschaft in diesen Gefilden gezeugt und beerdigt wurde und am Besten damals noch mit Friedrich II. zusammen Flöte gespielt hat.
Zwar scheinen mir die Regeln diesbezüglich in Hamburg nicht ganz so eng, aber auch hier ist die Aussage, man sei Hamburger, nicht vorschnell zu machen. Es sei denn, man steht auf Schmerzen. Ist ja auch okay, ich würde es auch nicht leiden, wenn irgendwelche zugezogenen Westfalen in Bonn sagten, sie seien Bonner. Verdammte Ausländer.

Daher wäre es gut noch einmal zu wissen und klar zu stellen, welche Bedingungen und Riten man durchlaufen haben muss, um sozusagen hier richtig sozialisiert worden zu sein und eines schönen sonnigen Tages sagen zu dürfen, man sei Hamburger.

Nach meinem aktuellem Kenntnisstand gehört “Mein Fahrrad wurde geklaut”offenbar ganz oben auf diese Liste und ich möchte dieser gerade gemachten und wirklich, wirklich echt fuckigen Erfahrung gerne etwas positives abgewinnen.

Nämlich, dass ich nun vielleicht zumindest sagen kann, dass mich das dem “Ich bin Hamburgerin!” ein Stückchen näher bringt.

Beste Grüße
Claudia