Liegt das an mir?

Manchmal glaube ich, ich bin nicht besonders klug. Zumindest habe ich diesen Eindruck, wenn ich mir so ansehe, wie ich meine Zeit verbringe, sie einteile und verplane, wie ich versuche, alles zu koordinieren, stets am schmalen Grat zum kompletten Nervenzusammenbruchs entlang hangelnd, und es dann trotzdem schaffe, mir noch zusätzlichen Scheiß aufzuladen. Statt einfach mal weniger zu machen. Sich einzurichten. Im Hier und Jetzt zu verharren.

Vielleicht endlich mal durchatmen

Nach aktuellem Stand muss ich bis Ende Januar das Buch fertig haben. Der Abgabetermin wurde schon zweimal verschoben und jedes Mal kam es mir ziemlich gelegen. Ziemlich sehr. Und hin und wieder tue ich so, als wenn es dann vorbei wäre, als wenn man dann nicht nochmal was nachbessern müsste, als wenn bis zur Veröffentlichung  nicht noch allerlei Gedöns zu tun wäre.

Hin und wieder tue ich einfach so, als wenn ich ab dem 1. Februar wieder jede Menge Zeit hätte.

Um wieder mehr zu illustrieren, mehr zu bloggen, mehr Serien zu gucken und mehr Eis zu essen. Man kann, während man tippt, überraschend schlecht gleichzeitig Eis essen, es ist wirklich ganz furchtbar. Man macht sich vorher ja keine Vorstellungen.

Caramel Core my love

Statt nun aber zu recherchieren, welche Eissorten ich ab Februar so schnabulieren werde, sitze ich seit einiger Zeit an einem anderen Projekt. Anfang diesen Jahres, während der vielen, vielen Zugfahrten von Hamburg nach Berlin und wieder zurück, habe ich angefangen, es zu planen. Habe Ideen gesammelt, habe recherchiert und überlegt.

Und immer wieder in den letzten sechs Monaten habe ich mich drangesetzt, versucht, an dem mehr als unfertigen Konzept zu feilen, es zu optimieren und spruchreif zu machen. Und ich weiß nicht genau wann, aber irgendwann zwischen Februar und heute, hat sich bei mir die fixe Idee festgesetzt, dass dieses Projekt am 1.1.2017 starten soll.

Das passt doch super, sagt die Stimme in meinem Kopf, dann ist das Buch so gut wie durch und ich habe wieder jede Menge Zeit. Du müsstest aber auch mal wieder durchatmen und entspannen, flüstert dann eine andere Stimme. Halt die Fresse, zischt dann irgendwer irgendwo unter der Schädeldecke und es wird laut und wüst.

Foto 23.08.16, 09 29 24

Was ist das nur, denke ich. Liegt das an mir oder der Natur des Menschen, dass ich nicht zur Ruhe kommen kann? Ich, die doch eigentlich nichts anderes will. Und die dennoch die ganze Zeit den Kopf in den Wolken hat, Pläne schmiedet für eine Zeit … für danach.

Ich bin nicht Göring, trotz ähnlicher Leibesfülle, ich habe keinen Vier-Jahres-Plan. Nur das schwelende Wissen, dass so, wie ich jetzt lebe, nicht auch noch in fünf oder zehn oder zwanzig Jahren leben möchte. Dass jeder Tag, den ich überstehe, an ein Wunder grenzt und jeder weitere Tag eigentlich ein Tag zu viel ist.

Etwas in mir sagt also, dass ich jetzt Dinge ändern und ins Laufen kriegen muss, damit meine Tage irgendwann anders aussehen. Ich weiß aber auch, dass ich eigentlich kaum die Kraft habe, meinen normalen Alltag zu wuppen und ich immer noch nicht den verzauberten Brunnen gefunden habe, in den kleine, magische Kobolde jede Nacht zusätzliche Kraft, Energie und innere Ruhe kippen.

Was also tun? Verharren? Sich auf den Boden legen und tot stellen? Hoffen, dass man einfach irgendwann weniger fühlt und einem mehr egal ist? Und was, wenn man dann erkennt, dass das nicht eintritt und man nur langsam innerlich ausblutet und eines Tages, wenn man sich mal wieder auf besagten Boden gelegt und tot gestellt hat, nicht mehr von dort hochkommt?

Liegt das an mir?

Verkompliziere ich mein Leben? Oder ist das nur die menschliche Natur, die sich nicht mit der Gegenwart abfinden will, weil ihre Vorstellung von der Zukunft, einer anderen, vielleicht besseren Zukunft, zu verlockend ist?

Unabhängig davon, welche Opfer diese Zukunft von einem abverlangen wird?