LOVE ISLAND – Heiße Flirts, wahre Liebe, niedriges Niveau

Bild: RTL2

Seit einigen Wochen habe ich nun kein Netflix mehr und bin dazu verdammt, wie meine Großmutter analoges Fernsehen zu schauen. Für heute verkündet meine Fernsehzeitschrift eine Sendung, die ich noch nicht kenne: Love Island. Ich weiß nicht, worum es geht, vermute aber ein höchst wissenschaftliches, soziologisches Experiment, das meinen intellektuellen Bedürfnissen an diesem Montag Abend sicherlich entgegen kommen wird.

Endlich! Das Warten hat ein Ende!

… verkündet eine Stimme um 20.15 Uhr im Fernsehgerät und klingt dabei überraschend überzeugend.

Offenbar ist das Konzept ähnlich wie bei Bachelor in Paradise (bekanntlich die beste Sendung 2018), nur dass man hier wirklich so gar keine Sau kennt. Die Singles müssen Paare bilden, wer keinen Partner hat, scheidet aus. Aha. Wann man ein Paar ist, sagt man mir nicht. Muss man den Geschlechtsverkehr vollziehen? Oder reicht Küssen oder Händchen halten? Gibt es eine Rose? Oder zumindest ein Gänseblümchen? Fragen über Fragen.

Als erstes flanieren die fünf Damen nach und nach in die Villa. Ohne so eine Villa geht gar nichts im deutschen Fernsehen, das wissen wir ja schon vom Bachelor oder Germany’s Next Topmodel. Als wenn es ein ungeschriebenes Gesetz gäbe, dass solche Sendungen nicht in 80-qm-Neubauwohnungen gedreht werden dürfen.

Sabrina betont als erstes, dass bei ihr alles natürlich ist, also außer den Lippen, aber das macht ja jede Zehnte und damit gilt das wohl nicht. Ich will ja nicht sagen, dass ich ihr kein Wort glaube, aber ich glaube ihr kein Wort.


Sabrina – voll der natürliche Typ.

Danach kommt Tracy, die direkt betont, dass sie Jura studiert. Über kosmetische Operationen verliert sie kein Wort. Ist mir gleich suspekt. Also beides. Ein Mann, der viel verdient, ist ihr übrigens nicht wichtig, erzählt sie Sabrina. Die stimmt ihr zu und berichtet von einem Mann, der sie mal direkt nach St. Moritz einladen wollte. Hat sie aber nicht gemacht. Geld hin oder her, nachher ist das ein Psychopath oder schnarcht.

Was zur Hölle?

Ich sitze im Wohnzimmer, meine Kinnlade ruht auf meinen Knien. Ich bin RTL2 nicht mehr gewöhnt und eine fassungslose Stimme unter meiner Hirnrinde raunt nur „Was zur Hölle ist das?“ Ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass sich die Damen mit ihrer luftigen Bekleidung ganz sicher eine Nierenbeckenentzündung zuziehen werden.

Sabrina beschwert sich noch, dass sie ja gar kein Handy haben in der Villa und ihre Partner so ganz real abchecken müssen, wie ihre Eltern damals. Nach dem Krieg. Meine Mundhöhle trocknet langsam aus, ich finde nicht die Kraft die Kinnlade wieder nach oben zu ziehen.

Natascha kommt. Sie hält es für erwähnenswert, dass ihr Ex sehr auf Sadomaso stand und sie eben nicht. Okay. Ich bin inzwischen fix und alle und verpasse daher, was Lisa (Numero Quattro) über sich für erwähnenswert hält, vielleicht wie viele Intimpiercings sie hat oder dass ihr Ex schon mal Geschlechtsverkehr mit einem Schaf hatte. Julia, die letzte der Ladies, studiert Deutsch und Philosophie auf Lehramt und macht mir wegen des akuten Lehrermangels in Deutschland ein bisschen Angst.

Jana Ina – die RTL2-Allzweckwaffe

Die Moderatorin – nein, anders. Die „Moderatorin“ Jana Ina Zarrella kommt, vergleichsweise züchtig, aber nicht weniger glitziglitzi angezogen und erklärt dem Bratzenbüfett im polternden Deutsch, dass jetzt die Männer kommen. So ein Akzent kann ja durchaus sexy sein, bei Jana Ina klingt es als würde eine Giraffe in High-Heels durchs Unterholz im Teutoburger Wald stolpern.

Die stolpernde Giraffe erklärt dem begriffsstutzigen Zuschauer, dass sich die Männer nun jeweils eine der Damen aussuchen dürfen. Die Frauen dürfen lediglich ihr Interesse bekunden, mehr Mitspracherecht haben sie nicht. Spontane Assoziationen an Sklavinnen-Basaren tauchen bauchtänzelnd auf.

Bild: RTL2

Tobias sind solche Assoziationen fern

Liegt vermutlich daran, dass Tobias nicht weiß, wie man das Wort schreibt. Er darf sich als erste eine Sklavin bzw. Partnerin aussuchen. Tobias hat schöne Muskeln und schaut aus wie das nächste Cover Modell der Men’s Health. Fast ist man dazu verleitet, anerkennend zu pfeifen, aber dann fängt Tobias an zu reden und meine Gehirnzellen rennen schreiend gegen die Schädeldecke, um sich suizidierend aus der Situation zu ziehen.

 

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Brumm Brumm. In seiner Freizeit sitzt Tobias auch mal gerne in der Garage in Papas Auto.

Tobias steht auf Frauen mit den Maßen 90-60-90, vielleicht auch 60-90-60, er ist sich da nicht so sicher, ich bin mir gerade auch bei ganz vielem nicht so sicher. Vor allem bei der Wahl meines Fernsehprogramms. Völlig unbeeindruckt von meinen Zweifeln wählt Tobias Natascha und bildet mit ihr das erste Pärchen. Whoop whoop!

Nun flaniert Marcellino über den Bildschirm. Er arbeitet in einem Fitnessstudio und gibt sein ganzes Geld für Proteinpulver aus, zumindest vermute ich das, weil er sich nicht mal ein Shirt leisten kann. Er ist eher der bescheidende Typ, nennt sich selbst den Rolls Royce unter den Singles und betont, dass er keine Asi-Braut will. Falsches Format raune ich vom Sofa herüber, ganz falsches Format. Aber was weiß ich schon, ich bin eher der Fiat unter den Singles.

Bild: RTL2 – Marcellino, links, ohne Hemd. Jana Ina, rechts, ohne Moderationsfähigkeiten.

Als ob mir nicht schon ganz schummrig von all den Muckis wäre, kommt nun Yanik, der abgesehen von seiner Justin-Timberlake-Gedächtnisfrisur (und den Muskeln natürlich) nichts, aber auch wirklich gar nichts hat, was einem im Gedächtnis bleiben könnte.

Die drei Kerls scheinen aus derselben Ken-Produktionsstätte von Mattel zu stammen, denn ihre Körper sind verblüffend und langweilig gleich, nur der Kopf wurde ausgewechselt. Um dieses gruselige Muster zu unterbrechen, kommt nun Victor, der im Vergleich fast lauchig rüberkommt. Das sehen auch die Damen so, denn keine von ihnen möchte mit Victor ein Pärchen bilden. Ist aber pupsegal, denn die Regeln der Sendung besagen ja, dass sich Victor einfach eine auswählen darf. Ha! Ius Primae Noctis lässt grüßen.

 

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Victor – knabbert auch gerne mal an’nem Hörnchen.

Genug Gelauche, jetzt kommt Till. Der hat sehr große Muskeln und große Nippel – das sagt er selbst und offenbar ist vor allem letzteres eine Information, die man heutzutage in Datingkreisen dringend benötigt. Aber damit nicht genug: Till ist Bademeister, oder wie er sagt: „Meerjungfrau – halb Mensch, halb Schwanz.“

Nachdem jetzt auch Till und Lisa ein Paar bilden, sind alle zwangsverpärchend. 45 Minuten sind vergangen und ich habe immer noch nicht zur Gänze verstanden, was das Format jetzt genau ausmacht. Deswegen betont Jana Ina nochmal: Nur ein Paar kann hier gewinnen und zwar 50.000 Euro, davon kann man sehr viele Follower auf Instagram kaufen. Till wirft ein, dass Liebe doch viel wichtiger sei. LOL. Der Till wieder!

Die erste Prüfung!

Und um die neuen Beziehungen [sic!] zu prüfen, kommt jetzt Sebastian. Noch so einer, der ohne Whey-Protein-Eimer im Arm nachts nicht einschlafen kann. Muskeln sind eben Trumpf bei der Paarungssuche. Für Sebastian ist keine Dame mehr frei, das ist aber egal, er darf sich trotzdem eine der Vergebenen aussuchen.

Die restliche Sendungszeit ist verblüffend inhaltsleer. Also noch inhaltsleerer als der erste Teil. Sebastian unterhält sich mit allen Frauen, um eine Wahl zu treffen. (Sebastian: „Wo kommst du her?“ Sabrina: „Was glaubst du?“ Sebastian: „Pocahontas?“ Pocahontas, wer kennt es nicht, die kleine bulgarische Provinz am schwarzen Meer! Kleine Sanddünen aus Staub und Hundehaaren machen es sich in meiner immer noch offenen Mundhöhle bequem).

Victor – wir erinnern uns: der Herr mit Muskelschwund, der keine der Damen freiwillig für sich gewinnen konnte – sieht seine Felle davon schwimmen und singt seiner Tracy daher was vor. Aber als ich sie wenig später im Gespräch mit Sebastian so sehe, kann ich praktisch dabei zuschauen, wie ihre Eierstöcke Macarena tanzen. Muskeln 1, Liedchen 0.

Daran ändert auch nichts, dass Sebastian auf ihre Äußerung, sie wollte schon als Kind Richterin werden, entgegnet, warum sie denn keine Prinzessin werden wollte. Ich möchte mich spontan im Fitnessstudio anmelden und von nun an täglich in Whey baden, um Sebastian mit Anlauf ein paar aufs Maul geben zu können.

 

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Sebastian – mag Richterinnen nicht so.

Aber dann erinnere ich mich, dass ich einfach das Zweitbeste tun kann: Ausschalten.