Maßnahmen

„Und,“ sagt sie und schaut mir dabei tief in die Augen, ein wenig wie bei einem Bewerbungsgespräch „was hast du dir jetzt als Maßnahmen überlegt?“ Ich ersticke fast vor Schreckan an meinem Mittagessen. „Was?“ nuschle ich, während ich versuche, das Chili con Carne mäßig galant in meinem Mund zu behalten.

„Du hast doch auf deinem Blog geschrieben, dass du jetzt erkannt hast, dass du was ändern musst und dafür ’ne Axt brauchst und so!“ Verdammt. Ich hatte vergessen, dass sie den Blog liest.

„Ehm. Ja. Nein.“ stottere ich herum.

Wie ändert man sein Leben? Wenn es nicht nur darum geht, zweimal die Woche joggen zu gehen oder nicht mehr zu Rauchen? Wenn es um wesentliche Bestandteile des eigenen Lebens geht. Das Kind ist nun mal da, der Mann auch, der Job auch, das Buch ebenfalls. Sie sind da und sie gehen nicht einfach weg und das ist auch gut so, denn jeder hat eine Funktion, einen Sinn, und wären sie weg, würden dadurch andere Probleme entstehen.

Nein, das Problem bin ich.

Wie ich mit Überlastung umgehe. Der Belastung. Dem Multitasking Deluxe. Wie ich Prioritäten bewerte und einordne.

Und vor allem: Wann und wie ich Nein sage. Mich frei mache von dem nagenden Gefühl allen gerecht werden zu müssen, überall jederzeit optimal performen zu müssen.

Der Leistungs- und Erwartungsdruck ist überall so hoch, dass man nur scheitern kann und das wirklich Bittere ist, dass ich die Person an dem Regler bin.

Denn in der Regel gibt es immer die, die stressen und einen selbst, der den Stress zulässt. Der die Probleme anderer zu den eigenen werden lässt. Bis sie irgendwann so in Fleisch und Blut übergehen, dass man ganz vergessen hat, wie es sich anfühlt, primär auf die eigenen Bedürfnisse zu hören.

Das geht schleichend und langsam und ohne, dass es einem auffällt.

Also mache ich nun Listen mit Dingen, die mir gut tun und versuche besagten Dingen mehr Platz in meinem Leben einzuräumen. Ich versuche, wenn mich Sachen stören, sie anzusprechen und durch Dialog zu lösen – und wenn ich sowas schreibe, kommen mir kleine Kotzebrocken hoch, denn ich bin nicht Gandhi, verfickte Hölle. Ich will keinen Dialog. Ich will nicht ständig kämpfen und reden und diskutieren. Ich will nur meine verschissene Ruhe. Aber solange ich nun mal nicht die Möglichkeiten habe, mit WLAN ausgestattet allein in einer Höhle zu leben, muss ich Wege finden, mit den Menschen um mich herum klarzukommen.

Mit den Menschen und ihren Erwartungen an mich.

Dafür gibt es jedoch keine Patentlösung. Sondern nur viele kleine Schritte, viel Versuchen und viel und offen mit den Menschen reden, die es ebenfalls betrifft.

giphy

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