Es ist aus.

Liebes Fitness First,

ich kann gar nicht sagen, wie leid es mir tut, dass ich diesen Schritt nicht persönlich, Auge in Augen, machen kann, aber mir fehlt einfach der Mut. Vermutlich weiß ich, würde ich direkt vor dir stehen und versuchen, dir zu sagen, was ich dir jetzt sage – ich würde scheitern. Einen Rückzieher machen.

Und da ich diesen Schritt unbedingt gehen muss, gehe ich ihn auf diese feige Weise. Mein liebes Fitness First: Es ist aus. Ich mache Schluss. 

Wenn eine Beziehung endet, stellt sich immer direkt die Frage: Wer ist schuld? Und ich möchte von Anfang an, dass du weißt: Ich gebe dir keine Schuld. Du hast im vergangenen Jahr alles getan, damit ich einen Ort habe, in dem ich meine schwammige Körperkontur in etwas muskulöses, definiertes verwandeln kann. Du hattest großzügige Öffnungszeiten, es gab kuschlige Handtücher zum Ausleihen, Fernseher über den Cardio-Geräten, sogar DVDs und jede Menge mit Proteinen und anderem BCAAAGedöns-angereicherten Drinks und Snacks. Du hattest sogar ein Schwimmbad und ein Solarium. Du hattest und hast alles, was ein Mensch, der Sport machen möchte, sich nur erträumt. Es gibt nur ein Problem.

Ich hasse Sport.

Ich weiß, das kommt jetzt überraschend für dich. Aber die lediglich vier Male, die ich in diesem einem Jahr bei dir war, hätten dir ein Zeichen sein müssen. Vermutlich hast du, als ich meinen Vertrag nach der Mindestlaufzeit nicht gekündigt habe, gedacht, dass das doch noch was wird. Mit uns beiden.

Aber die Wahrheit ist: Ich hab einfach das Kündigungsdatum verpennt. Du musst mir bitte glauben, diese Entscheidung jetzt zu gehen, fällt mir nicht leicht. Ich habe so oft am Anfang eines neuen Monats, einer neuen Woche, gedacht: Diese Woche gehste aber zu Fitness First. Aber abends hatte ich keine Zeit und morgens keine Lust. Denn …

… ich hasse frühes Aufstehen noch mehr als Sport.

Wie oft habe ich meine Kolleginnen in der Mittagspause beobachtet, wie sie in engen Sport-Leggings mit fröhlichen Blumenmustern oder frechen Netzteilen, die einen neckischen Blick auf ihre durchtrainierten Waden freigeben, munter zum Sport hopsten? Wie oft habe ich mir gewünscht, wie sie zu sein. 

Aber ich hasse Leggings.

Und Cashewnüsse. Und Açai. Und Chia. Und Kakao Nibs. Und Proteine ganz allgemein. Mein Herz schlägt fürs Rumliegen. Für heiße Schokolade mit Sahne. Für Nutella direkt aus dem Glas löffeln. Fürs lange Ausschlafen. Für Jogginghosen auf dem Sofa. Und es tut mir leid, dass ich dich so lange in dem Glauben gelassen habe, ich wäre eine Andere. Ich wäre jemand, der beim Anblick von kohlehydrat- und kalorienarmen Whey-Pancakes feucht im Höschen wird. 

Ich werde nur feucht im Höschen, wenn ich das verschwundene Rocher vom letzten Wochenende in der Sofaritze wiederfinde.

Ich wollte dich nicht belügen, das wollte ich nie. Ich dachte wirklich, ich könnte diese Person werden, aber Fakt ist, ich bin nicht mehr elf und meine Persönlichkeit ist so verfestigt und verkrustet, da hilft selbst der monatliche Mitgliedsbeitrag bei dir nicht als Ansporn.

Du siehst, es ist wirklich nicht deine Schuld. Wir passen einfach nicht zusammen. Und da ich weiß, dass du ganz schnell jemand anderen finden wirst, der es geiler als ich findet, sich regelmäßig aus seinem Sport-BH zu kämpfen als ginge es darum gegen den Facehugger aus „Alien“ zu kämpfen, gehe ich mit dem Wissen, dass du über mich hinwegkommen wirst.

Und wer weiß, vielleicht komme ich ja, wie alle anderen, sich und ihre Körper hassenden Menschen im Januar wieder. Und wer weiß, vielleicht hast du die DVDs dann gegen Netflix ausgetauscht. Und vielleicht komme ich dann sechsmal, bevor ich kündige.

Aber selbst wenn nicht, hoffe ich, dass wir Freunde bleiben können.

Alles Gute,

Claudia

3 thoughts on “Es ist aus.

  1. Tausche „Sport“ gegen „Bewegung“, dann wird’s vielleicht was :-)
    Ich LIEBE Bewegung, es darf auch „Sport“ sein. Sich bewegen, auch und gerade spielerisch, das ist schön.

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