Meuterei

Die gemeinsame Geschichte von Obst, Gemüse und mir ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Und Abneigung. Vor allem Abneigung.

Wir akzeptieren zwar gegenseitig die Existenz des jeweils anderen, nur erschließt sich mir nicht unbedingt immer die Notwendigkeit von Obst und Gemüse als Lebensmittel.
Zumindest solange es Nutella, Nappo, Toblerone, Smarties und Toffifee gibt.

Und Nahrungsergänzungsmittel.

Manchmal kaufe ich durchaus Obst und Gemüse – Wobei ich bei Gemüse relativ schnell an meine Grenzen stoße, wenn dieses nicht in gefrorener und portionierbarer Form vorliegt (Avocado, what’s wrong with you?).
Und obwohl ich mich beim Kauf solch ausgefallener, exotischer Sachen wie Orangen, Bananen und Tomaten an der Kasse noch sehr erwachsen und ernährungsbewusst fühle, verpufft das knospenhafte Gefühl von Zärtlichkeit gegenüber dem Obst recht schnell, sobald ich die Einkäufe in der Obstschale platziert habe.

Dort wird es in den kommenden Wochen langsam vor sich hinfaulen, bevor es nach ca. zwei Monaten von seinem Leiden erlöst und von mir weggeschmissen wird.
Zwischendurch wird der Mann, der sich der grausamen, todbringenden Realität bewusst ist, die da in unserer Küche haust, fragen, ob er die Sachen essen soll/kann/darf, worauf ich jedes Mal im bitteren Tonfall der Entrüstung „Nein! Ich esse das noch selbst!“ blaffen werde.

Was in der Regel dann dazu führt, dass ich meine Entsorgungsaktionen durchführen muss, wenn der Mann außer Haus ist. Damit er denkt, ich hätte das Zeug tatsächlich gegessen. Es ist eben nicht immer leicht, ich zu sein.

Und selbst wenn ich nicht gegen gefühlt 50% aller Obstsorten allergisch wäre, ist allein schon die Tatsache, dass es vorher gewaschen und in den meisten Fällen kleingeschnitten, irgendwelche Kerne herausgepult werden müssen oder ganz allgemein umständlich gegessen werden will (Kiwi, I hate you!), die mich extrem abtörnt.
Das und die fragwürdige Fähigkeit augenblicklich braun und matschig zu werden, sobald es mit Sauerstoff und Licht in Berührung kommt.

Man muss Toffifee vorher nicht waschen.

Man steht bei einer Tüte Haribo nie vor der Frage Wie ess ich das jetzt problemlos und ohne mich einzusauen? (Hello Nektarine, yes, I am talking to you!)

Und Smarties werden auch nie eklig und matschig, wenn man sie mal ’ne Stunde offen rumliegen lässt.

Es hat also seine Gründe, warum ich Süßigkeiten lieber und öfter esse. Es sind ganz eindeutig vorrangig pragmatische Gründe und sieht man von der lästigen Sache mit den Inhaltsstoffen mal ab, ist Schokolade Obst quasi evolutionär überlegen!

Deswegen, und weil ich allein schon Migräne bekomme, wenn in der Bahn jemand mit nach Mango-Maracuja-Artischocken-Shampoo-duftenden Haaren zu nahe bei mir sitzt, ist die aktuelle Entwicklung bei uns zuhause besonders dramatisch und ernstzunehmend.

Denn, meine liebe Genossen und Genossinnen, ich habe diese Woche nicht nur Spinat und Wirsing gegessen, sondern auch noch zwei Nektarinen (noch einmal mit Emphase: ZWEI!) und in diesem Moment esse ich etwas, das sich Fitness-Schnitte schimpft und aus mehr Salatblättern besteht als ich 2014 ingesamt gegessen habe.

Es ist ernst. Denn mein Körper, der mir jahrelang die Treue gehalten, mit mir in stiller Eintracht jedes Nutellaglas geleert, sich nachts um drei um den letzten Ben & Jerry’s Becher an der Tanke geprügelt hat, derselbe Körper, der noch vor wenigen Wochen 300g Nappo einfach so wegsnackte, verlangt nun, immer häufiger und lauter.. ich kann es kaum laut aussprechen, ohne dass mir das Blaubeerenmüsli vom Frühstück wieder hochkommt, nach Obst und Gemüse.

Ganz so, als sei er der wirren Idee anheim gefallen, dass es so nicht weiter geht und eine Packung Prinzenrolle pro Tag keine angemessene Ernährung für eine 32-jährige sei. Pfth.

Mein Körper meutert. Und ich kapituliere. Vorerst. In der leisen Hoffnung, dass er eines Tages einsehen muss, dass es im Kampf gesund vs. ungesund immer nur einen Sieger geben kann.

Nutella.

5 thoughts on “Meuterei

  1. ach wie toll, ich bin nicht alleine! Ich geh mal fleißig diesen Artikel teilen und sende Grüße von der vierten (!) nicht gegessenen Ananas dieses Jahr und einem Haufen braunpampiger Bananen, die irgendwie gestern noch grün gewesen sind… P.S. Habe mal gehört, Äpfel und Bananen zusammen vertragen sich nicht! Die einen machen die anderen schneller Braun. Solche Diven! Von Toffifee und Nutella habe ich noch nie gehört, dass man sie nicht zusammen halten darf. Q.E.D.!

  2. Nutella enthält Nüsse. Die wachsen auf Bäumen und sind damit Obst. Das gleiche gilt für die Kakaobohnen, die in der Schokolade sind. Das ist also quasi alles Obst.

    Sag das Deinem Körper mal. Ich find, er sollte da etwas toleranter sein.

  3. „…verpufft das knospenhafte Gefühl von Zärtlichkeit…“
    das grenzt ja schon an food-porn… ähh gemüseporn. :-D

    aber wir kommst du drauf, dass das bunte zeug was da massenhaft in den supermarkregalen liegt zum essen da ist? ich beiß ja auch nicht in den putzeimer… nur weil es da ein regal von gibt.
    gegessen wird, wie bereits festgestellt, nur das was ordentlich portionierbar verpackt (200gr gummibärchen gelten demnach als eine portion) und sauber beschriftet ist was drin ist (ich esse doch nix von dem ich nicht weiß was ich da zu mir nehme, ´ne apfel…).

    liebe grüße
    julia

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