Nichts Neues

Ich muss jetzt doch noch was sagen. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, keine Worte über das letzte Wochenende mehr zu verlieren.

Über die Demonstranten, deren Demos nicht wirklich so gelaufen sind, wie erhofft. Über die Polizei, die unter einem Druck stand, unter dem ich nie stehen möchte – und deren [hier ein Adjektiv eurer Wahl einfügen] Verhalten mich dennoch wirklich irritiert und zu Teilen auch verängstigt hat. Über die Kriminellen, die unter dem Deckmantel der freien Meinungsäußerung und dem Recht auf Versammlungsfreiheit, der Stadt und ihren Bewohnern einen finanziellen und auch emotionalen Schaden zugefügt haben – und denen das scheissegal ist.

Über die fleißigen Kommentatoren im Netz, die irgendwo auf einem in Plastik eingeschweißten Sofa im Oberallgäu sitzen, fein- und scharfsinnig alles analysierten und sich anschließend einen runterholten auf den Gedanken, wie viel besser und anders sie alles machen würden.

Über die Menschen, die alle Demonstranten und alle Linken nun scheiße finden – nein, eigentlich schon immer scheiße gefunden haben, aber jetzt hat man ja nochmal einen Beweis. Über die Menschen, die alle Polizisten scheiße finden, wirklich alle, selbst die, die gar nicht in Hamburg waren, sondern in einem Dorf auf Trinidad den Verkehr regeln.

Es wurde schon so viel gesagt und doch irgendwie am Ende gar nichts. Menschen, die sich im Netz gegenseitig anschreien und beschimpfen, als ob das Anschreien und Beschimpfen da draußen nicht ausreichen würde.

Mich macht das, was passiert ist, nicht wütender oder hilfloser als andere Dinge, die zuvor woanders schon passiert sind. Es verunsicherte mich kurz, weil ich für ca. 48 Stunden nicht einschätzen konnte, was noch passieren würde. Aber hauptsächlich macht es mich traurig. Auch im Nachgang.

Denn alles, was am Wochenende passiert ist, ist nicht neu. Es ist nicht brutaler, es ist nicht anarchistischer, es ist nicht weniger demokratisch oder mehr autokratisch, es ist nicht neu und nicht anders – und genau das ist es, was mich traurig macht.

Dieses plötzlich brutal eintretende Gefühl, dass wir – so aufgeklärt und gebildet wir uns auch gerne halten – als Gesellschaft nicht wirklich weiter gekommen sind. Wir sind genauso ignorant und wütend und pauschalisierend. Wir alle [sic!].

Und noch während ich das denke, ich meine gesamte Spezies wegen ihrer Unfähigkeit sich weiter zu entwickeln pauschal verurteile, und das stumpfe Gefühl von Traurigkeit langsam in mich einsickert, sehe ich das:

… Und vielleicht sind „wir“ ja doch nicht alle so schlimm. Vielleicht ist es doch okay, noch ein wenig Hoffnung zu haben. Nur ein kleines bisschen.

3 thoughts on “Nichts Neues

  1. ist es zynisch, wenn ich das symbolische aufräumen (nach dem die stadtreinigung schon richtig aufräumte) mit knabbereien, pace, bier und likes für alle wesentlich deprimierender finde?

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