Schwanzvergleich mit Wal

Wissen Sie, was das Schwerste daran ist, ein Buch zu schreiben? Es ist nicht das Schreiben als solches. Wobei. Das ist natürlich Arbeit, keine Frage. Aber wenn man das nicht zumindest theoretisch könnte, wäre man vermutlich auch nie an dem Punkt gelandet, eines schreiben zu wollen. Nein, das wirklich schwere daran ist die Titelfindung.

Denn, und das sagt einem ja keiner vorher: wenn der Titel einmal gefunden ist, bleibt der auch so. Also: für immer.

Ich vermute, das wussten viele vorher nicht. Manchmal stelle ich mir vor, wie Melville sich nachträglich in den Arsch gebissen hat, weil er sein Buch einfach nur Moby-Dick or The Whale genannt hat. Und nicht etwa Schwanzvergleich mit Wal oder warum Ahab kein besonderer zufriedener Mann war.

Oder Zehn Gründe, warum man keine Wale jagen sollte. Du wirst nicht glauben, was bei Punkt 3 passiert ist. Bei Punkt 5 musste ich weinen.

Da der Verlag es nicht so knorke findet, das Buch einfach Prinzen und Penisse zu nennen, suchte ich kürzlich nach etwas Inspiration im Internet. Keine gute Idee.

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worst-book-covers-titles-47 crazy_book_titles_640_02 worst-book-covers-titles-48 worst-book-covers-titles-4 Ich erkannte flugs, dass das Netz dieses Mal keine große Hilfe sein wird. Und da der Titel bis Mitte Januar feststehen soll und muss, machte ich mich zwecks Analyse auf den Weg in den lokalen Buchhandel. Nun gibt es grob zusammengefasst offenbar lediglich fünf verschiedene Typen von Buchtiteln:

1. Das alleingelassene Substantiv

Klar und simpel. Ruhm. Feuchtgebiete. Traumsammler. Bei Thrillern auch super beliebt: Todesfrist. Blackout. Rachesommer. Kurz. Knapp. Austauschbar. Dummerweise schreibe ich keinen Thriller. In meinem Fall wäre es sonst vielleicht einfach nur Mist. Oder Penis. Bzw. Todespenis.

Alternativ gibt’s das Ganze auch mit einem schmucken Adjektiv. Vorzugsweise mit bestimmten Artikel: Die schützende Hand. Das barmherzige Fallbeil. Die vergessene Generation. Der Kartoffelbrei mit Apfelmus unter den Buchtiteln. Geil. Nicht.

2. Die Vermählung

War früher extrem hip. Also vor zwölfzighundert Jahren. Jetzt eher nicht mehr so. Stolz und Vorurteil. Krieg und Frieden. Sinn und Sinnlichkeit. In der Regel waren das 700 Seiten geballte Depression, in denen irgendjemand Suizid beging oder zur Erlösung des Lesers besser Suizid begehen sollte.

Aber wie schon gesagt, gibt’s für Prinzen und Penisse aktuell keinen Fan-Club im Verlag. Ts.

3. Die Lobpreisung des Genitivs

Das Nonplusultra der intellektuell eher nicht so herausfordernden Literatur: Die Schwester der Königin. Die Rache der Wanderhure. Der Sommer der Blaubeeren.

Also vielleicht genau das Richtige für mich?

4. Die Sätze, die eigentlich keine sind und bei denen niemand weiß, was man damit anfangen soll

Wenn nicht jetzt, wann dann? Nur einen Horizont entfernt. Für Eile fehlt mir die Zeit.

Aha. Ok. Man hat keinen Schimmer, was der Titel zu bedeuten hat oder worum es in dem Buch vielleicht gehen könnte, aber das fliederfarbene Cover und die Schmetterlinge lassen nichts Gutes erahnen. Die Art von Buch, die man sich am Bahnhof oder Flughafen zum Mangelware-Preis kauft, weil man die eigentliche Lektüre zuhause vergessen hat und schnell noch „irgendwas“ für den Urlaub braucht.

5. Die Goldstücke

Und dann gibt es die, die keiner Regel folgen. Bei denen die Titel so perfekt sind wie der Inhalt selbst. Die so mühelos klingen, so beneidenswert natürlich und ungestelzt: Extrem laut und unglaublich nah. Alles ist erleuchtet. 

Also eigentlich nur Bücher von Jonathan Safran Foer. Als ich das letzte Mal in den Spiegel geguckt habe, war ich nicht Jonathan Safran Foer. Also fällt mühelos, natürlich und ungestelzt auch flach.

Ich bin momentan hart dafür, das Buch einfach Ich weiß doch auch nicht, was ich hier mache zu nennen. Das passt zum Inhalt des Buches und irgendwie auch zu allem anderen!

2 thoughts on “Schwanzvergleich mit Wal

  1. O weh, schwierig. Fragen Sie doch mal die Frau Tobor um Rat. Ich glaube, da hatte der Verlag eine tofte Idee für den Titel des Erstlingswerkes. Aber fragen Sie bitte seeehr vorsichtig.
    Ich glaube an Sie – 2016 wird noch besser als 2015.

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