Schweigen

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Nicht unglücklich sein. Das ist alles. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Nur nicht unglücklich sein. Ist das nicht ein wenig traurig, so als Ziel im Leben und in der Beziehung? Kann das überhaupt ein Ziel sein? Sollte es das sein? Ist die Antwort nicht direkt: Nein! Was ist das denn für ein Leben, wenn man sich solche Ziele setzt, solche Wünsche hat? Das ist doch kein Leben, so ein Leben, in dem man sich dergleichen wünscht.

2

Dir gehen meine Stimmungsschwankungen auf die Nerven, sagst du. Kannst damit nicht umgehen. Warum ich denn wohl welche habe, blaffe ich zurück. Wie ein Hund, der sich um sich selbst dreht und in seinen eigenen Schwanz beisst, rennen wir im Kreis und fressen uns gegenseitig auf. Und während wir noch kauen, beschweren wir uns weiter. Über den anderen. Immer über den anderen. Die Frage der Schuld steht im Raum. Keiner will sie gestellt haben und dennoch ist sie da, schwebt drohend über einem, ist einfach da, still und wartend, und mag einfach nicht weggehen.

 3

Du kannst das nicht mehr, sagst du. Es macht dich kaputt. Über den Punkt sei ich schon längst hinaus, antworte ich. Ich war am Boden, alle Glieder und Knochen gebrochen, emotional ein Invalide, kam nur noch kriechend vorwärts. Wenn überhaupt. Und als ich erkannt habe, dass ich nie mehr würde laufen können, dass die andere Option war, alles zu beenden, hatte ich begonnen mich einzurichten. Dort auf dem Boden. Schön ist es da unten weiterhin nicht. Es schmerzt immer noch. Alles. Aber der Schmerz ist dumpfer, die Schläge in Form von verletzenden Worten werden noch registriert, aber die Synapsen, die dem Gehirn mitteilen sollten, dass es wehtut, wurden durchtrennt. Die Schmerzen werden, zusammen mit allen anderen Emotionen, mit sanftem Nachdruck erstickt. Tag für Tag. Immer auf’s Neue. Bis man gar nichts mehr fühlt. Bis einem egal ist, was du fühlst.

4

Ich sei nicht konstruktiv, sagst du. Sei eine Diva. Ich lache. Dann schweige ich. Und wir wissen beide, dass Schweigen selten Versöhnung bedeutet, sondern lediglich das Einläuten des Unvermeidlichen.

One thought on “Schweigen

  1. Sieht traurig aus. Hört sich traurig. Ist traurig.

    Bewandert sein im Bodenbereich ist kein erstrebenswerter Zustand. Und traurig. Und oft allein.
    Obwohl noch soviele andere am Boden herumkrauchen. Aber man sieht sie so schlecht, wegen dem vielen Tränennebel und Traurigkeitsdunst. Und dem großen Egal.

    Nicht raufschauen. Lieber rechts. Und links. Später.
    <3

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