Sie haben Post!

Vor wenigen Wochen, ich weilte gerade auf der Beerdigung meines Schwiegervaters, bekam ich eine Mail. Eine Mail einer mir unbekannten Leserin meines Blogs. Ich weiß nicht, wieso ich das unbekannt noch extra betone, schließlich kenne ich 90% meiner LeserInnen nicht. (Hallo Mutter!)

Sie schrieb mir, nüchtern und direkt und höflich, dass sie sich Sorgen um mich mache. Um meine Gesundheit vornehmlich. Natürlich könnte ich sagen, das ist aber übergriffig, aber das ist es nicht. Natürlich könnte ich sagen, das ist aber nett, denn das ist es. Ich könnte eine Menge sagen und habe es dennoch bisher unterlassen und nicht geantwortet.

Nicht, weil ich ein arrogantes Arschloch bin – und das bin ich zuweilen – oder nicht wüsste, was ich ihr antworten soll – denn das weiß ich –, es ist schlicht, dass ich es weggeschoben habe.

Weil ich ahnte, ich müsste lange antworten, weit ausholen, mich erklären und bedanken und überhaupt. Und seien wir doch ehrlich, ich habe keine Zeit, ich habe zu viel zu tun, ich … Ich drehe mich im Kreis.

Ich habe ein ernsthaftes Problem.

Überlastung. Burnout. Unausgewogener Hormon-Haushalt. Letztlich egal, welchen Sticker man draußen dranpappt, es ist eines jener Probleme, die man nicht mit „Mehr schlafen“, „Yoga“, „Gesünder ernähren“ in den Griff kriegt. Das namenlose Problem ist ein größeres und verlangt nach einer allumfassenderen Lösung. Es braucht kein feines Skalpell, das hier und da an diesem gestressten Leben die ein oder andere Nuance wegschneidet.

StockSnap_Q621IT4PYJ

Es braucht eine Axt. Mein Leben braucht eine gottverdammte Axt.

Dieser simple Satz beinhaltet jene Form von Erkenntnis, die einen heimsucht, wenn man nach seinem Urlaub augenblicklich in alle alten Gewohnheiten verfallen ist und damit jede gerade aufkeimende, innere Ruhe wieder vernichtet hat.

Und es ist jene Form von Erkenntnis, die einen heimsucht, wenn einem RechtsmedizinerInnen Emails schreiben, weil sie sich um deine Gesundheit sorgen – und man ihnen bis heute nicht antwortet, um ihnen zu sagen, dass wirklich alles okay ist.

Weil man weiß, dass es gelogen wäre.

Und weil man keine Zeit hat.

Aber vor allem ersteres.

Spätestens dann weiß man, irgendwas läuft hier doch gehörig schief – und wo zur Hölle ist meine Axt?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.