Sisyphos

Obwohl das Wochenende eigentlich schön war, die Herbstsonne gut tat, der Schlaf nicht weniger, bleibt das ungute Gefühl, dass die Batterien, die in der letzten Wochen nicht einfach nur leerliefen, sondern begannen, sich selbst von innen zu zersetzen – wie ein Magen, der anfängt, seine nächste Umgebung zu verdauen, einfach, weil er von irgendwoher seine Nahrung, seine Energie, beziehen muss und es ihm letztlich egal ist, ob er sich so nur selbst zerstört und sein Ende damit nicht nur einfach nur rauszögert, sondern es auch noch leidvoller, da länger macht -, durch zwei simple Tage nicht wieder aufzufüllen waren.

Und dennoch ist da das Wissen, dass man keine Wahl hat, dass man einfach weitermachen muss. Dass man seine Pläne, seine Listen, seine Excel-Tabellen, in denen alles so hübsch, farblich sortiert, aufgelistet ist, nur anders machen, überarbeiten muss, und dann wird das alles schon.

Hier und da vielleicht ein paar Abstriche machen, stets für das große Ganze opfern, wobei nicht wirklich klar ist, was genau das ist, aber Hauptsache weitermachen, weiterhin Kohle in die gefräßige Lokomotive schmeissen, damit sie weiter fährt und immer weiter und vielleicht, hoffentlich, niemals merkt, dass sie nie einen Bahnhof erreicht, nie eine Endstation, sondern es immer noch eine weitere Station, einen weiteren Punkt auf der To-Do-Liste geben wird. Weil sich diese Punkte schneller vermehren, als der abgeschlagene Kopf der Hydra, und was Herkules mit seinem Schwert nicht vermochte, werde ich mit der Büroschere erst Recht nicht vollbringen und die ganze Liste einfach unter einem Berg aus Geröll und Steinen zu begraben und wegzugehen und so zu tun, als läge sie nicht darunter, weiterhin wartend, sie hat ja alle Zeit der Welt und weiß, dass ich sie nicht habe, nein, das scheint mir auch keine gute Alternative.

Und nein, ich bin nicht Herkules. Ich bin Sisyphos. Nur mit WLAN. Und sehr vielen Endgeräten, die ständig piepsen und hier schreien.

Also, voran in eine neue Woche. Voran ans Werk. Der Stein rollt sich nicht von alleine den Berg hoch.

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