Super lecker!

Warum mögen die meisten Menschen Vegetarier oder Veganer nicht? Nun, ich vermute: Aus gutem Grund.

Ich persönlich bin vor einigen Jahren auf fleischlos umgestiegen, 2010 dann sogar komplett auf vegan, bevor ich mich in die Einöde Köpenicks verirrte und mich plötzlich nicht in der Lage sah, ohne weiteres, bzw. ohne Schlittenhund, an eine halbwegs zufriedenstellende fleischlose Ernährung zu kommen.
Und schwupps, Faulheit und der abtörnende Gedanke an eine einstündige Bahnfahrt zum nächsten Bio-Supermarkt sei Dank, lagen auch schon wieder 2kg Leberwurst in meinem Kühlschrank. Das kann ja ganz fix gehen, wenn man so eine faule und inkonsequente Kuh wie ich ist.

Erst 2,5 Jahre, eine Schwangerschaft und einen Kaffee bei Starbucks mit @serotonic später, bin ich nun wieder Vegetarier. Seit zwei Wochen.

Fakt jedoch ist: Ich kann die meisten Vegetarier nicht ausstehen.

Dabei geht es primär gar nicht um die vermeintliche Moralkeule, die der allgemeine Mettliebhaber bewusst oder unbewusst so fürchtet.

Es sind weniger die eingefleischten Bio-Fanatiker und Öko-Terroristen – die sich morgens mit einem kleinen Ast die Zähne putzen, selbstgefilzte Unterwäsche tragen und schon einen kompletten Nervenzusammenbruch kriegen, wenn ihnen eine suizidal veranlagte Obstfliege gegen die Brillengläser klatscht-, die das Problem sind.

Zumindest nicht für mich.

Das sind zumindest Menschen mit Überzeugungen und Prinzipien. Kleine moderne Diogenesse in der Tonne, die nicht nur labern, sondern auch tatsächlich den Unsinn praktizieren, den sie predigen. Das finde ich schön. Wunderwunderschön. (Und nur ein klein wenig nervig.)

Viel ätzender finde ich jedoch diese Veggie-Hipster, die ihre Ernährungsweise vor sicher hertragen wie einen fancy Jutebeutel, auf den sie mit Edding „Karl Lagerfeld“ (LOL!) geschrieben haben.
Sie wissen schon, diese krassen Individualisten, die alle gleich aussehen und wirken, als würden die irgendwo in der TARDIS geklont werden. Da gehört die Sojamilch nicht zur Überzeugung, sondern zum Lifestyle und da dieser Lifestyle beinhaltet, jedem und andauernd unter die Nase gerieben zu werden – weil, wenn keiner mitbekommt, was für ein krass individueller Typ man ist, ist es bekanntlich auch nicht wahr -, postet und instagramt man sein geiles, veganes, voll leckeres (wichtig, sonst wissen das die Leute nicht!) Bio-Essen 24/7, um sich dann abends die Likes auszudrucken und sich über’s Bett zu hängen und sich ausgiebig im gleißenden Licht der eigenen Supercoolness einen runterzuholen.

Wasser

Ich bin gerne Vegetarier und ich unterhalte mich gerne mit anderen Vegetariern oder Veganern über Räuchertofu und Alpro und aluminiumfreies Deo und Stricken. Ich bin Mutter, ich darf das. (Ich glaube, es steht sogar irgendwo im Mutterpass, dass ich das muss!)

Und ich bin ein Bewunderer von Menschen, die sich Tag für Tag den Griff zum Nutellaglas verkneifen, weil ihnen ihre Überzeugung wichtiger ist, als das süße, zuckrige, braune Gold, das ewiges Glück und Zufriedenheit verheißt.

Aber Menschen, die sich selbst dermaßen abfeiern, indem sie mir und dem halben Internet jeden verdammten Möhrenreibekuchen (Ohne Ei, aber ey, echt voll lecker! WIRKLICH!) in die Fresse instagramen, möchte ich das Smartphone mit einer blutigen Hammelkeule aus den hipstrigen Fingern schlagen.

Ich bin vielleicht Vegetarier, aber nur, weil ich Hack nicht esse, heißt das nicht, dass ich dich nicht dazu verarbeiten würde.

In diesem Sinne.

21 thoughts on “Super lecker!

  1. Ich bin mittlerweile seit 30 Jahren Vegetarierin (und 42, also man rechne selbst) , habe mich die ersten 15 Jahre gerüttelt auslachen lassen, bei der Klassenfahrt in die DDR eine Woche von Keksen gelebt, mir immer wieder erzählen lassen „Wenn du erwachsen bist, isst du wieder Fleisch“, jedes Essen in das ‚zufällig‘ Fleisch geraten war zurückgehen lassen und … ja, diese Hippster-Vorzeige-Vegetarier möchten bitte sterben gehen. Draussen.

  2. Schön gesagt. Zwar bin ich nicht Mutter, und Väterpässe kriegen wir ja nicht, und werde sicher nie vegan, sondern experimentiere gerade mal mit einem fleischlosen Wochentag herum (heute! Käsespätzle! Ohne Speckwürfel, aber total lecker!), aber ich kann mich deinen Worten nur sehr, sehr deutlich anschließen.

    Aber dass man in der TARDIS klont, wusste ich nicht.

  3. Achtung! Ich trage Vollbart, gerne mal einen grünen Parka, schlurfe hin und wieder mit Jute-Beutel über den Prenzlauer Berg (dummerweise wohne ich da und der ist immer noch nicht untertunnelt) und ich bin auch noch Vegetarier.
    >> HIPSTERALARM! <<

    Los, gib's mir! Aber: am Ende isses doch furzegal, ob "die Hispter" (wer auch immer das ist) ihre Essensbilder instgarammen. Es gibt ja immer noch Menschen, die fleischloses Essen für den Teufel halten – und so lange die sehen, dass es auch lecker sein kann – who cares? Ich find es super, wenn das Mainstream wird, schließlich steckt da ja auch ne Überzeugung hinter…

    Und wenn Du mir nix tust, dann tu ich den stricklüsternden Kinderwagen-Kutscherinnen auch nix, die pausenlos ihre kreischenden Brüllaffen auf Instagram verteilen müssen, weil auf dem Spielplatz mal wieder zu viel Sand geschluckt wurde.

    Leben und leben lassen ;)

  4. Leute, die Ihre tausendfach anderweitig vernommene, vermeintlich relevante Meinung in dieses ohnehin schon von vermeintlich relevanten Personen verseuchte Netz mittels gleichermaßen vermeintlich relevantem Blog entsorgen.. die gehen mir auch auf den Sack. Blog-Schreiben ist auch ein bisschen sehr Hipster.

    Nebenbei bemerkt: mit Kommentaren wie „Da sind eine halbe Kuh, drei Fohlen und 14 Straußen-Küken drin“ versehene Ablichtungen fragwürdiger Ernährungsgewohnheiten gibt es ungleich häufiger. Davon abgesehen maßt Du dir an, zu urteilen, wer ‚echter‘ Veganer/Vegetarier ist, und wer das nur ist, weil es in ist. Ich kenne genug ‚Hipster‘, die überzeugte Veganer sind, und (dennoch) Bilder posten. Gleichwohl kenne ich auch Misch-Ernährer, die zuweilen vegan kochen und jene Bilder posten.

    Zumindest eines ist keine hipper Chai-Soya-Latte-Style, sondern miese Charaktereigenschaft: Selbstgefälligkeit.

    P.S. Ich esse Blumen und Tiere.. in Scheiben, blutig.

  5. Poah, wo gabelst Du denn diese Spezies auf? So was ist mir noch nicht über den Weg laufen, und ich bewege mich ja auch in Vegetarier-Kreisen. (Vielleicht kann ich aber auch gut ausblenden.)

  6. anderen tierproduktfreie ernährung schmackhaft machen zu wollen macht wenigstens sinn.

    myriaden von menschen gehen einem mit ihrem austauschbaren egozentrischen „lifestyle“ auf den keks (von der bio-mutti bis zum fashion-victim alles dabei) – aber veganer nerven, weil sie „vegan“ unter den möhrenkuchen schreiben. ja nee, is klar.

    im gegensatz zum zwöfunddrölfzigsten „veganer nerven“ beitrag ergötzen sich veganer sich wenigstens nicht auf kosten anderer an der eigenen supercoolheit.

    dämlicher text, tut mir leid.

    • „veganer nerven, weil sie “vegan” unter den möhrenkuchen schreiben“. Ja, ne, is‘ klar. Das waren ja auch genau meine Worte. Super Zusammenfassung.

  7. Einfach großartig! Bin übrigens auch Vegetarierin und rede kaum mit Leuten über Essen, Rezepte hole ich mir alle aus dem Netz: die klappen immer!

  8. DER HAMMER! Ich weine vor Glueck ueber deine Zeilen, sie bringen mich einerseits IMMER zum nachdenken, andererseits zum lachen.
    Du bist echt, du bist ehrlich und so Mutter.
    Danke, fuer deine erheiternde Zeilen. Viel mehr davon!

    Liebste Grueße,
    lizziicat (:

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