Vielen Dank.

Man neigt gerne dazu, im Hier und Jetzt alles schwarz zu sehen oder zumindest schwärzer, als es vielleicht ist. Ich würde mich zwar nicht grundsätzlich als Pessimist bezeichnen, aber ich habe von Natur aus durchaus eine.. nun.. nennen wir es negative Tendenz, Dinge zu sehen.

Angesichts der Tatsache, dass ich also jedem neuen Tag mit einem Grummeln und Knurren begegne, ist es umso erstaunlicher, dass das vergangene Jahr rückblickend im Großen und Ganzen gar nicht so grummel- und knurrerregend war.

Vielleicht sollten wir das häufiger machen. Uns auf die Dinge besinnen, die man erreicht und geschafft hat. Das sind nämlich nicht selten nicht wenige..

2014

Ich habe einen neuen Job gefunden,
mich selbstständig gemacht und neu erfunden.
Habe mein Herz an Elbe und Alster verloren,
habe totem Fleisch und Fisch abgeschworen,
nur um es dann zwei Monate später wieder zu fressen.
Habe aufgehört mich zu wiegen und zu messen,
und stattdessen Frieden mit meinem Körper geschlossen,
mit all den Dellen und Hubbeln und Sommersprossen.
Ich habe den ein oder anderen Freund nicht mehr,
und dafür neue gewonnen, dafür dank ich sehr.
Ich habe geweint. Und gelacht.
Habe schöne und traurige Momente verbracht.
Bin an mir und der Welt gescheitert,
habe meinen Lebensmut erweitert.
Habe gekämpft, gehofft und triumphiert.
Bin weiterhin nicht einfach. Bin kompliziert.
Aber statt dauernd hart zu mir selbst zu sein,
bin ich vor allem froh, immer noch da zu sein.
Vielleicht war im letzten Jahr nicht alles gerecht,
aber scheisse nochmal, es war auch nicht so schlecht.

Ich glaube.. so im Großen und Ganzen
gab’s in 2014 genug Grund, um zu Feiern und zu Tanzen.
Und sollte sich 2015 am Ende ähnlich verabschieden,
bin ich auch weiterhin nicht gänzlich unzufrieden.

Vielen Dank 2014.

2015 | Woche 1

Hören Sie das? Diese Stille? Die Abwesenheit kindlich-hysterischer Tobsuchtsanfälle, weil ein gewisser Jemand unbedingt selbst seine Hose anziehen will und damit zwangsläufig scheitern muss? Diese Ruhe? Diese fast schon meditative Ruhe?

Eine Woche voll mit Ausschlafen, abends lang Wachbleiben und ähnlichem Schabernack liegt hinter mir. Denn wir haben den Antichristen nach Weihnachten zu meiner Mutter outgesourct.

Am Montag war ich geldgeiles Stück noch einmal arbeiten, am Dienstag mit lieben Menschen beim Spanier essen fressen und anschließend im Goldfischglas Caipirinhas trinken und dabei nur knapp einer selbst angezettelten Schlägerei entgehen.

Mittwoch in einem Wechselbad der manisch-depressiven Gefühle versucht die scheiss Decke fertigzustricken. Stattdessen schließlich mit Mann und Sekt an der Alster gestanden und weltbestes Feuerwerk in der vermutlich weltbesten Stadt gesehen. Todmüde, da 32 und damit ja alt, ins Bett gefallen.

Donnerstag verschwimmt in einem Gedanken- und Erinnerungswust, in dem man sich aufs Sofa schleppte, von dort zu den Raclette-Resten und anschließend wieder aufs Sofa. Vermutlich jedoch nicht die schlechteste Art ins Neue Jahr zu starten.

Freitag dann das Unfassbare: Der Mann bringt mich dazu, mit ihm in die Sauna nach Blankenese zu fahren. Sauna. Ich. Mein allererstes Mal und dann gleich soo viele Penisse! (Aber dazu ein anderes Mal mehr.) Drei Stunden Schwitzen später, falle ich erneut, da immer noch super alt, ins Bett. Penisse betrachten macht müde.

Den halben Samstag dann für mich gehabt, weil der Mann den Antichristen in einem Teufelsritt in Bonn abholt und nach Hause bringt. Verbringe ihn gemäß meiner genetischen Veranlagung mit Aufräumen, Rödeln, Kekse backen und Kekse essen.

Sonntags vorrangig versucht dem Antichristen verständlich zu machen, dass er jetzt nicht mehr bei der lieben Oma ist und hier ganz andere Regeln, bzw. einfach überhaupt Regeln, gelten. Klappt bisher so semi gut.

Dennoch. Trotz neuer infantiler, hitlerhaften Ausraster, weil die kleine elektrische Eisenbahn mal wieder entgleist ist, ist es schön, nach einer Woche Stille ebendieser wieder mit Leben gefüllt zu wissen.