Thank you, Alcohol

Ich trinke recht selten Alkohol. Im Grunde nie. Das war schon immer so. Als Teenager habe ich nicht verstanden, was genau der Sinn war, mir grausam schmeckende Substanzen zuzuführen, um dann einen Zustand zu erreichen, in dem mir die Kontrolle über meinen Körper entgleitet. Auf Tischen tanzen, Lieder laut singen, die ich nüchtern nicht mal leise singen würde, und/oder schließlich mit mangelnder Treffsicherheit das Porzellan mit Mageninhalten beglücken – all das fand und finde ich nur wenig verführerisch, geschweige denn cool.

Bis heute mag ich kein Bier, keinen Wein oder Sekt. Mein Schwiegervater, ein dem Weine durchaus zugetaner Mann, pflegte stets zu mir zu sagen, dass ihm Wein auch nicht schmecke, das aber egal sein, wenn man erst einmal eine Flasche intus hätte. Nun. Dagegen kann man natürlich nur schwer argumentieren. Und sicherlich gab es Momente, in denen ich auf irgendwelchen Partys oder Veranstaltungen war, in denen ich durchaus die Erfahrung machte, dass mit jedem Glas Sekt das nächste weniger scheiße schmeckt.

Das ändert aber nichts daran, dass das erste Glas weiterhin wie mit Kohlensäure versetzte Einhornpisse schmeckt. Und ich einen Sencha-Tee irgendwie vorziehe.

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2016 | Jahresrückblick

Wenn das neue Jahr ansteht, neigt man ja dazu, nur noch darüber zu sprechen und über all das, was man in diesem Jahr alles anders machen wird. 50kg abnehmen. Mit dem Rauchen aufhören. Einen Marathon in 17 Minuten laufen. All so Sachen eben.

Und abgesehen von irgendwelchen Sendungen mit austauschbaren Moderationsgesichtern wie Jauch, Pilawa und Lanz, die einem nochmal aufzählen, welcher Promi alles so gestorben ist, welches Schicksal (gerne was mit Kindern oder Welpen) uns dieses Jahr besonders mitgenommen hat und wo es das schönste Happy End des Jahres gegeben hat (gerne was mit schwerer Krankheit und Heiraten), befassen wir uns irgendwie recht ungern mit dem Jahr, das ab Dezember in seinen Endzügen siechend vor einem lag.

Also mit dem, was wir selbst in den vergangenen zwölf Monaten so gemacht haben. Denn unabhängig von den ganzen Promis, die 2016 verblichen sind, ist man selbst es ja nicht. Also verblichen. Und wenn man sich noch einmal so vor Augen führt, was man in 12 Monaten so alles gemacht, erlebt, gefühlt und gesehen hat, ist das gar nicht mal so wenig.

Halten wir also einen Moment inne für eine Ruheminute für das jüngst von uns gegangene Jahr, in dem zumindest ich eine ganze Menge gemacht habe.

  • Ich habe meinen Job gekündigt.
  • Ich habe Berlin und viele tolle Menschen verlassen. Also erneut. Also endgültig. Also vermutlich.
  • Ich habe einen neuen Job angefangen.
  • Ich habe das erste Mal zu 100% als Selbstständige gearbeitet.
  • Ich habe mich das erste Mal seit Jahren wieder in einem Fitnessstudio angemeldet. (Lachen Sie jetzt nicht!)
  • Wir sind das erste Mal zu dritt in Urlaub gefahren.
  • Ich habe wieder einmal festgestellt, wie schön es am Meer ist und dass wir viel öfter den vergleichsweise kurzen Weg von Hamburg an die Nordsee machen sollten.
  • Ich habe viel geweint.
  • Ich habe viel an mir gezweifelt.
  • Ich bin das erste Mal laufen gegangen.
  • Ich hatte große Angst, dass ich beim Laufen einfach sterbe und man mich dann im Leichenschauhaus in meinen lächerlich neonfarbenen Joggingklamotten identifizieren muss.
  • Ich habe herausgefunden, dass man an Seitenstichen gar nicht sterben kann.
  • Ich habe das Buch fast fertig geschrieben.
  • Ich habe zwischendurch noch mehr geweint.
  • Ich habe noch ein bisschen mehr an mir gezweifelt.
  • Ich habe währenddessen krass viel zugenommen.
  • Ich habe deswegen auch ein  bisschen geweint.
  • Ich habe einen Vertrag unterschrieben, um ab 1.1.2017 wieder als „Feste“ zu arbeiten.
  • Ich habe das erste Mal einen Kindergeburtstag veranstaltet, mit allem Pipapo und mich arg gewundert, warum Amnesty International sowas nicht verbietet.
  • Wir haben Weihnachten das erste Mal nicht in der Heimat bei der Familie, sondern Zuhause mit der eigenen Familie allein verbracht.
  • Und vor allem: Ich habe überlebt. Im wortwörtlichen Sinne.

Im Detail war da ganz schön viel Scheiße in meinem 2016. Viel Wut und Frustration. Aber ich stehe noch. Laufe noch. Wenn auch etwas schwerfälliger und dicker als vor einem Jahr. Aber egal, wie beschissen die Details und kleinen Momente auch waren, das große Ganze zeigt mir dann doch, wie viel ich aushalten kann. Und dass ich stärker bin, als ich im einzelnen Moment vielleicht denke.

Und das ist doch ein ganz okayes Fazit für 2016.

Foto 30.12.16, 16 52 38