Das letzte Mal …

NOCH VIER TAGE BIS HAMBURG!

Die Zeit rast. Gott sei Dank tut sie das. Und ehe man sich versieht, ist Montag. Der Wecker klingelt das letzte Mal um vier Uhr morgens. Ich tapse ein letztes Mal möglichst leise durch die Wohnung und rödel mich durch meine Morgenroutine. Ich verlasse das letzte Mal um fünf Uhr die Wohnung und blinzle im Fahrstuhl müde in mein noch schlafendes Gesicht. Ich fahre das letzte Mal zum Bahnhof und steige zum letzten Mal um halb sechs morgens in den ICE nach Berlin.

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Ein letztes Mal fahre ich durch die stockdunkle Nacht, dem Sonnenaufgang entgegen. Mache ein letztes Mal leise in meinem Kopf Witze über Spandau und hauche jedem, der hier aussteigt, zu, wie leid es mir für ihn tut.

Ich kaufe mir das letzte Mal einen Latte to go und ein Stück Gebäck für 5.273.982.662 Euro, hüpflaufe das letzte Mal zur Tram und fahre quer durch Prenzlauer Berg nach Friedrichshain. Ein letztes Mal kaufe ich mir im Bagelladen einen Sesambagel mit Frischkäse – natürlich könnte ich da noch morgen und übermorgen und überübermorgen hin, aber seien wir ehrlich, die kürzliche Preiserhöhung und Motzi, die Verkäuferin, machen es mir leicht, heute schon Abschied zu nehmen.

Ich laufe ins Büro. Nur noch vier Mal morgens ins Büro laufen, denke ich, während ich Sheldon-artig versuche, nicht auf die Bürgersteigzwischenräume zu treten.

Es wird viele letzte Male in den kommenden Tagen geben.

Ich werde das letzte Mal eine Fritz Kola zum Frühstück trinken (#healthy), das letzte Mal mit der weltbesten Kollegin und der weltbesten (Ex-)Chefin zu Mittag essen und zu Abend essen und zu Abend trinken – vor allem zu Abend trinken. Ich werde das letzte Mal die aus Nutella bestehende heiße Schokolade aus der französischen Crêperie nebenan trinken. Ich werde das letzte Mal die weltbesten Pommes im Burgeramt essen. Und Blini und Wareniki mit Brynsa im Datscha. Und das grotesk günstige und nicht minder grotesk großartig schmeckende frittierte Sushi im Akiko. Alles am Besten gleichzeitig. Dann werde ich, vor Übelkeit fast brechend, in der Ecke leise summend hin und her wippen. Das letzte Mal.

Und natürlich werde ich auch ein letztes Mal arbeiten.

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Und schließlich werde ich am Donnerstag Abend in den Zug nach Hamburg steigen. Zum letzten Mal.

Rugelach My Love

Noch zehn Tage bis Hamburg!

Ja, ja und ja! I’m coming home! In mein heiß und innig geliebtes Hamburg. Und auch wenn sich meine Beziehung zu Berlin seit 2011/2012 arg verändert hat, ist es nicht so, als wenn ich völlig gleichgültig zum zweiten Mal in meinem Leben diese Stadt verlasse.

Sicher, ich werde nicht unbedingt die morgendlichen Nachrichten vermissen, weil zwei Stationen von hier irgendwer das Bedürfnis verspürte, Menschen vor die U-Bahn zu schubsen, weil zwei Häuserblöcke weiter die Polizei auf eine etwas unschöne Art bei super gefährlichen Linken eine klitzekleine Razzia durchführte oder weil auf dem RAW-Gelände mal wieder (!) einer abgestochen wurde. Ich werde auch nicht die schweren Trinker vermissen, die sich spätestens nach Sonnenuntergang auf dem Grünstreifen der Warschauer Straße einfinden. Oder die zahlreichen, sehr enthusiastischen Dealer kurz vor dem S-Bahnhof.  Genauso wenig wie die Tatsache, dass ich mehrfach auf dem Weg morgens zur Arbeit den Notruf gewählt habe, weil ich Menschen „fand“, bei denen man einfach ziemlich dringend den Notruf wählen sollte.

Aber es gibt auch schöne Sachen an Berlin im Generellen und Friedrichshain im Speziellen. Und um ehrlich zu sein, sind all diese schöne Sachen zum Essen.

Ich werde zum Beispiel den Bagel-Laden bei uns um die Ecke vermissen.

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Die stets etwas missmutige Bedienung, die nur Englisch spricht und in mir glühenden Hass hervorruft, weil ich nie weiß, wie man Sesame auf Englisch ausspricht.

Womit wir auch schon beim Thema wären: Dem warmen, knusprigen Sesambagel mit Ziegenfrischkäse und Honig – oder an Tagen, an denen ich mal besonders gesund und fancy sein will, auch mal mit Ziegenfrischkäse, Avocado und Tomate – NOM!

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Ich mag diese Läden, die sich gegenseitig in ihrer Individualität zu überbieten versuchen. In denen man in jeder Ecke etwas entdecken kann. Ecken, die mir zeigen, wie viele Gedanken man sich in diesem Geschäft gemacht hat. Zum Beispiel Gedanken über die Schmerzgrenze des Kunden in Bezug auf den Preis für einen Bagel – die in meinem Fall wirklich erschreckend hoch ist.

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Und natürlich mag ich Läden, in denen es solche kleinen Schätze wie Rugelach gibt. Kleine, kalorienreiche, unfassbar süße und leckere Dinger, die ich mir damals in Israel fast jeden Tag vor der Uni (kiloweise) geholt habe und die ich seitdem nie wieder irgendwo gesehen oder gegessen habe. Kleine, süße Momente der Erinnerung.

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Es ist all das, was ich vermissen werde.

Es sind noch zehn Tage, bis ich abends in den Zug nach Hamburg steigen werde und am nächsten Montag nicht wieder zurück nach Berlin muss. Zehn Tage, in denen ich noch einmal alles aufsaugen kann.

Und essen. Vor allem essen kann!