Buch? Buch!

Vor mehreren Wochen machte ich eine vage Andeutung, dass es neben dem neuen Job und der Tatsache, dass ich nun wieder mehr Zeit zum Bloggen haben werde, noch eine weitere schöne Neuigkeit gibt. Seitdem schwieg ich dazu munter.

Ich tue mich nämlich seit geraumer Zeit etwas schwer, Dinge zu verkünden, da besagte Dinge in den letzten Jahren stets die grässliche Angewohnheit hatten, sich zu verflüchtigen, sobald ich sie laut aussprach. 

Egal, wie sehr etwas feststand, alles festgezurrt, geregelt und besprochen war bzw. schien, rief genau in dem Moment, in dem ich begann mich zu freuen, eine kleine heisere Stimme an, die mir mit spöttischem Ton mitteilte: Nö. Is‘ doch nicht. 

Das passierte mit so einer Regelmässigkeit, dass ich begann mein Karma in Frage zu stellen. Bzw. an so etwas wie Karma überhaupt zu glauben. 

Hoffnung, die immer wieder genährt und dann zertreten wird, hat etwas unglaublich vernichtendes.

Deswegen war ich mit dieser Neuigkeit auch so vorsichtig. Ja, hin und wieder habe ich mal das Wort Exposé fallen lassen und dass ich „am schreiben“ bin. 

Denn irgendwann dieses Jahr bekam ich eine Email von Rowohlt. Man würde gerne ein Buch mit und von mir veröffentlichen. Ob ich an sowas Interesse hätte. Na, dachte ich, das heißt ja nix. Ich traf mich viele Male mit ihnen. Überlegte lange hin und her. Schrieb Entwürfe und Exposés und einigte mich auf ein Thema. Na, dachte ich, das heißt ja nix. Nun lag vor wenigen Wochen der unterschriebene Vertrag vor mir. Na, dachte ich, das heißt ja nix. Ich unterschrieb und dachte immer noch: na, das heißt ja nix. Inzwischen hat Rowohlt mir Geld überwiesen und in mir keimt langsam der Verdacht, dass ich tatsächlich ein Buch schreiben werde.

Ich bin also durchaus geneigt, die Worte „Ich veröffentliche ein Buch“ nicht mehr mit einem Fragezeichen am Ende zu versehen.

Um ehrlich zu sein, rechne ich natürlich immer noch fast täglich damit, dass Rowohlt anruft, weil ihnen doch noch eingefallen ist, dass es eine ganz törichte Idee war, von mir ein Buch haben zu wollen.

Aber bis dahin schreibe ich. Die Abgabe ist nächstes Jahr im Herbst und die Veröffentlichung im Winter 2016/2017. Ihr werdet hier also noch viel Zeit haben, um mich auf diesem Weg zu begleiten und euch an den sicherlich auftretenden Nervenzusammenbrüchen zu ergötzen.

Und vielleicht wird ja am Ende tatsächlich ein Buch und eine Geschichte bei rumkommen, die beim Leser nicht direkt auf der ersten Seite das Bedürfnis weckt sich erbrechen zu wollen. Das wäre doch schön. Für uns alle. 

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100 Dinge

Minimalismus ist ja, neben Jutebeutel und Latte Macchiato, der letzte heisse Scheiß dieses Jahrhunderts. Weniger besitzen – am Besten so gut wie nix und das was übrig bleibt am Besten plastikfrei und recycelt. Oder aus Zement. Zement ist ja auch so ein heisser Scheiß unserer Zeit – und sich mehr aufs Wesentliche konzentrieren. Darum geht es und das hört sich erstmal auch ganz töfte an.

Offiziell hat die Minimalismus-Ecke auch nicht so einen faschistoiden Weltanschauungsanspruch wie z.B. die Hirse-Fraktion, die sich regelmäßig in Bio-Supermärkten trifft, um dort ihre Gottheiten aus Räuchertofu und Aubergine anzubeten und heimlich ihre Weltrevolution zu planen. Aber auch die Minimalisten wissen klar, wo die Reise hingehen soll. Im Grunde sind sie so ähnlich wie buddhistische Mönche. Nur ein wenig stylisher und hipstriger und eben mit Smartphone.
Es gilt: Je weniger, desto besser, aber generell werden Menschen, die dennoch mehr als fünf Hemden besitzen von den anderen nicht mit den Designerobstschalen aus Zement gesteinigt und das ist doch ein schöner Ansatz.

Seit einiger längerer Zeit geistert deswegen auch in den Blogs immer wieder die hübsche Zahl Hundert durch die Gegend. Hundert Sachen. Also, ob man es schafft sich auf hundert Sachen zu beschränken. Natürlich gibt es verschiedene Ansätze, wie genau dafür jetzt die Regeln sind und als ein Fan von Regeln las ich sie mir alle durch.. und als ein Fan von weniger-Kram-haben (im letzten Jahr habe ich so ausgemistet wie noch nie) überlegte ich, ob ich das auch schaffen würde.

Hundert Sachen. Ha. Kann ja nicht so schwer sein. Hundert ist super viel. Ha ha. Ha ha ha.

Meine Begeisterung begann zu schrumpfen, als ich begann allein im Schlafzimmer meinen  Wumms zu zählen. Inklusive Wanduhr, Yogamatte, Taschen, Kirschkernkissen, Kosmetikwumms, Bücher, Klamotten, Jutebeutel (oh, so viele Jutebeutel!), Schuhe und noch mehr Klamotten kam ich schließlich auf knapp 300 Sachen – Die Klamotten und Möbel des Mannes nicht eingerechnet. Da stand ich nun, kratzte mir unschlüssig am Kopf und stellte zu allem Überdruss auch noch fest, dass ich inzwischen mehr Jutebeutel als Bücher besaß.

Sieht man jedoch von der Tatsache ab, dass ich ein paar der Jutebeutel wirklich loswerden sollte, befinde ich mich an einem Punkt, an dem meine emotionale und persönliche Schmerzgrenze inzwischen erreicht ist.
Ich habe mich im letzten Jahr von 861 Sachen getrennt. Achthunderteinundsechzig. Ich besitze kaum noch Bücher oder DVDs (nur Friends und The Office), keine einzige CD und auch sonst kaum noch Schmuck, Erinnerungsstücke oder sonstigen Wumms.

Und dennoch, oder gerade deswegen, ist jetzt langsam mal Schluss. Ich ziehe die Handbremse an. Ich kann und will auch überhaupt nicht auf hundert Sachen runter und finde die Tatsache, dass es Menschen gibt, die stolz rumbellen, sie seien jetzt runter auf hundert, aber noch ein „Ach, übrigens: Bücher, Geschirr etc. etc. etc. etc. sind da nicht inkludiert!“ hinterherwispern albern.

Un-fass-bar albern.

Es ist super, dass jeder seine eigenen Regeln im Bezug auf Minimalismus aufstellen kann, aber das erinnert doch ein wenig an „Ich bin Vegetarier. Ich esse kein Fleisch! Außer Hühnchen!“
Es gibt einfach Dinge, wo eine gewisse Konsequenz durchaus lobenswert ist.

Und ich für meinen Teil vermisse ein paar Sachen. Vor allem meine Bücher. Und habe deswegen beschlossen „meine“ Regeln dieses Jahr ein wenig zu lockern: Wenn ich etwas Neues kaufe, muss ich dafür nicht zwei Sachen entsorgen und statt sich pro Tag von einer Sache zu trennen, sollen es vorerst nur zehn im gesamten Monat sein. So sorge ich zumindest dafür, der Gesamtsituation auch weiterhin halbwegs Herr zu bleiben.

Und falls ich mal in einem Monat nicht auf meine zehn Sachen kommen sollte, nehme ich notfalls irgendwas vom Mann. Genau für solche Fälle lebt man ja in einer Beziehung und seien wir ehrlich, wozu braucht der ein Buch über die britischen Musikcharts 1955-1993 oder die Biografie von Dieter Bohlen?

Ich denke, die zehn Sachen pro Monat werden ein Klacks.