SCHTONK!

Ich halte mich eigentlich nicht für naiv. Nicht übermäßig zumindest. Ich habe Geschichte studiert. Sehr, sehr, sehr viele Semester lang. So viele Semester, dass meine eigenen Seminararbeiten schon bald als Primärquellen dienen dürften. (Historikerscherz. Entschuldigung.)

Wenn man Geschichte studiert, wird man vor allem auf eines gedrillt: Bullshit zu erkennen.

Egal, ob irgendein Franziskanerfurz irgendeinen Kaiser in den Himmel gelobt hat oder irgendein Philosoph, der nackelig in einer Tonne lebte, irgendeinen Herrscher als grausamen Tyrannen bezeichnete: Immer ging es nur um die Frage, warum erzählt er es so, was ist sein Motiv, wie neutral kann er sein – und hat man eigentlich keine Angst, sich einen Splitter einzufangen, wenn man in einer Tonne lebt?

Hat der Tyrann die Schwester des Philosophen geschwängert und dann sitzenlassen? Oder vielleicht sogar die Mutter? Oder beiden Syphilis angehängt? Oder erst Syphilis angehängt und dann geschwängert?

Hat der Kaiser dem Franziskanerbub eine nigelnagelneue, flauschige Kutte geschenkt? Oder einige Fässer richtig guten Messwein spendiert? Vielleicht ’nen geilen Bordeaux statt dieser Plörre von der Mosel.

Was auch immer die Motive sind, man lernt dabei schnell eines: Menschen sind scheiße und man darf niemandem glauben. Und wir reden hier von der Zeit vor dem 20. Jahrhundert. Danach wurde es ja eh ganz finster.

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Lächeln der Verzückung

Kennen Sie Pützchens Markt? Wohl kaum, wenn Sie nicht aus dem Raum Bonn kommen. (Kennen Sie Bonn?)

Ich liebe Pützchens Markt.

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Das liegt daran, dass ich schon als Kleinstkind dort war und mit großen Augen die Lichter und den Lärm bestaunte. Ich erinnere mich an Oma und Opa, die sich immer dieses seltsam riechende Pilzgericht holten. Mutti, die gebrannte Mandeln und das Kettenkarussel liebt.

Vater, der am Schießstand beeindruckte. Ich, die aufgrund von akuter Kotzeritis nie auf die ganzen schnellen Dinger gehen konnte und daher erst mein Glück bei Pfeil und Luftballons suchte und später, mit länger gewachsenen Gliedern, eine Geisterbahn nach der anderen durchackerte.

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Pützchens Markt ist für mich Erinnerung. Ist Kindheit. Ist ein schöner Fleck in einer sonst tristtraurigen Phase meines Lebens. PüMa ist ein Stück heile Welt voller blinkender Lichter, süßer Lebkuchenherzen, klebriger Zuckerwatte und mit Helium aufgefüllter Papageienluftballons.

PüMa, das ist Öpve.

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Mir fällt das genau jetzt ein, weil heute der letzte Tag ist und ich nicht da bin. Nicht auf der Kirmes und nicht in Bonn. In Hamburg haben wir den DOM und ein bisschen ist das schon das gleiche, aber eben nur das gleiche und manchmal reicht das eben nicht. Um die Wehmut zu stillen, das kleine Loch im Herzen zu stopfen. Um noch einmal, zum rund dreißigsten Mal ein Lächeln der Verzauberung aufs Gesicht zu malen.

In einer Phase des Lebens, in der man so ein Lächeln verdammt gut gebrauchen könnte.

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