Ich surfe, also bin ich.

Es ist die SMS des Monats, vor der sich jeder Onliner fürchtet: „Lieber Kunde, Sie surfen jetzt bis Ende des Monats mit reduzierter Geschwindigkeit, da die Volumengrenze Ihres Tarifs erreicht ist.

Da es der 29. August ist, als mich dieses Mal das schreckliche Schicksal ereilt, lache ich mein iPhone nur aus. Bis Ende des Monats? Bitch please!

Jetzt, zwei Tage später, sitze ich in meinem Stamm-Café und kann mein Essen nicht bei Instagram hochladen, was mich in eine geradezu existenzielle Sinnkrise stürzt.

Woher sollen denn die Menschen wissen, welchen Cupcake ich heute Mittag esse?

Esse ich ihn auch wirklich, wenn ich es nicht poste?

Gibt es diesen Cupcake überhaupt, wenn ich ihn nicht fotografieren, mit schillernden, die Realität aufhübschenden Filtern überziehen und hochladen kann?

Und gibt es mich, wenn ich nicht ständig meine Existenz durch (für den Laien belanglos erscheinende) Kommentare und Fotos belege?

Ich starre stumpf auf das Pärchen vor mir, dessen männlicher Teil sich offenbar ähnlich intensiv den Tod wünscht, wie ich, wenn auch aus anderen Gründen. Vermutlich wird er gezwungen in einem Café – bei dessen zuckersüßer, östrogenhaltiger Inneneinrichtung man sekündlich erwartet, dass irgendwo ein My Little Pony hinter der Ecke hervorspringt – mit lächerlich bunten Zuckerperlen bestreuten Brownie zu essen, um im Gegenzug vielleicht dieses Wochenende endlich mal wieder in den Genuss von Geschlechtsverkehr zu kommen. Wir nicken uns kaum merklich verbittert zu. Vielleicht kaut er nur seltsam, aber ich mag den Gedanken nicht alleine leiden zu müssen.

Währenddessen blinkt auf meinem Smartphone das Fehlgeschlagen weiterhin drohend und unbeirrbar.

Ich bin jedoch zu geizig – und nach dem Erwerb von 6.916 Cupcakes auch zu mittellos -, um mir weiteres Datenvolumen zu kaufen und nun auf ewig – EWIG! – verdammt, sobald ich das Haus und meine WLAN-Comfort-Zone verlasse, mit der Geschwindigkeit einer querschnittsgelähmten Raupe zu surfen.

Mein Leben – Plötzlich geradezu sinnlos, auf eine fast descart’sche Weise. Ich bin online, also bin ich. Oder eben nicht. Mit der Gabel piekse ich in meinen Handrücken. Ich spüre nichts. Vermutlich löse ich mich gleich auf. Wie in der Unendlichen Geschichte. Weil alle im Netz vergessen, dass ich existiere, höre ich auf zu existieren!

Es ist Ihnen nicht zu verdenken, seit 17 Minuten habe ich nichts getwittert, seit gestern nichts bei Instagram hochgeladen. Ich winke der Kellnerin zu, sie scheint mich nicht zu sehen: ES BEGINNT, ICH LÖSE MICH AUF!

„HALLO! KANN MICH EINER SEHEN?“ Die anderen Gäste schauen mich irritiert an. Offenbar existiere ich weiterhin.

Aber das sind hier ja auch alles Offliner.

Die gelten nicht.

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Gott sei Dank ist morgen der 1. September..

Cupcakes & Co.

Während des Studiums wurde ich oft gefragt, was man denn als Historikerin so machen könnte, so beruflich, und wie jeder Geisteswissenschaftler habe ich mich stets schwer mit einer zufrieden stellenden Antwort getan. Entweder musste ich dafür sehr weit ausholen oder mich auf „Ich mache was mit toten Juden.“ beschränken. Beides eher semi-optimal.

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Drei Jahre nach Examen mache ich nichts mehr „mit toten Juden“ und die Antwort, was ich als Kreative so den lieben, langen Tag mache, so beruflich, ist auch einfacher.

Heute zum Beispiel habe ich ein .gif gebastelt.

test Gut, für dieses gibt es kein Geld und die Leute gucken immer noch komisch bei der Antwort..

..aber zumindest gibt’s jetzt Cupcakes und lustige .gifs.