Urlaub: Tag 04 bis 10

Liebes Tagebuch,

völlig unerwartet gestalteten sich auch meine restlichen Urlaubstage so unerwartet atemberaubend und spannend, dass ich mich an dieser Stelle damit begnüge, nur die weniger unbeschreiblichen Dinge niederzuschreiben.

Tag 04 – Montag

Das Kind kotzt. Vier Mal. Seltsamer Moment, wenn man hin und hergerissen ist zwischen der Sorge über die Kotzerei und der Freude darüber, dass der Antichrist nun so alt ist, dass er zielgerichtet in einen Eimer vomieren kann und nicht mehr wie die Katze unters Sofa oder in Schuhe kotzt.

Tag 05 – Dienstag

Ich fahre nach Hause. Nach Hamburg. Manchmal klingt das immer noch komisch. So als würde ich flunkern. Als müsste man damit rechnen, dass jemand hinter dem Sofa hervorgesprungen kommt und schreit „Du bist doch Bonnerin! Was redeste denn da?“

Tag 06 – Mittwoch

Blackout. Was habe ich an dem Tag gemacht? Habe ich das Haus verlassen? Hatte ich eine Hose an?

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SCHTONK!

Ich halte mich eigentlich nicht für naiv. Nicht übermäßig zumindest. Ich habe Geschichte studiert. Sehr, sehr, sehr viele Semester lang. So viele Semester, dass meine eigenen Seminararbeiten schon bald als Primärquellen dienen dürften. (Historikerscherz. Entschuldigung.)

Wenn man Geschichte studiert, wird man vor allem auf eines gedrillt: Bullshit zu erkennen.

Egal, ob irgendein Franziskanerfurz irgendeinen Kaiser in den Himmel gelobt hat oder irgendein Philosoph, der nackelig in einer Tonne lebte, irgendeinen Herrscher als grausamen Tyrannen bezeichnete: Immer ging es nur um die Frage, warum erzählt er es so, was ist sein Motiv, wie neutral kann er sein – und hat man eigentlich keine Angst, sich einen Splitter einzufangen, wenn man in einer Tonne lebt?

Hat der Tyrann die Schwester des Philosophen geschwängert und dann sitzenlassen? Oder vielleicht sogar die Mutter? Oder beiden Syphilis angehängt? Oder erst Syphilis angehängt und dann geschwängert?

Hat der Kaiser dem Franziskanerbub eine nigelnagelneue, flauschige Kutte geschenkt? Oder einige Fässer richtig guten Messwein spendiert? Vielleicht ’nen geilen Bordeaux statt dieser Plörre von der Mosel.

Was auch immer die Motive sind, man lernt dabei schnell eines: Menschen sind scheiße und man darf niemandem glauben. Und wir reden hier von der Zeit vor dem 20. Jahrhundert. Danach wurde es ja eh ganz finster.

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