Die Leiden des jungen Werther

Erinnern Sie sich an Werther? An diesen grausig vor sich hinleidenden Menschen, durch dessen Zeilen man in der Regel in der Oberstufe gepeitscht wurde. Und der bis heute bei mir das Bedürfnis entfacht, mitten in die Seiten seiner weinerlichen Briefe zu springen und ihm höchstpersönlich die Pistole an die Schläfe zu halten, weil man nicht bis zum Ende des Buches warten mag.

Erinnern Sie sich an ebendiesen Werther?

Ich kann nicht genau sagen, wieso, aber genau an diesen Werther muss ich denken, als ich vor einiger Zeit auf einem Poetry Slam saß. Poetry Slams sind ja seit längerem der heiße Scheiß. Und selbst Tante Ursula und Onkel Klaus fühlen sich auf einmal ganz cool und hip, wenn sie sonntags bei Kaffee und Schwarzwälderkirsch ihren Freunden davon erzählen. Die machen dann „Oooh.“ und „Aaaah.“ und sind ganz baff, was für derbe krassen Scheiß Ulla und Klaus machen, während geräuschlos Kuchenkrümel aus dem vor Erstaunen offen stehenden Mund auf die selbst geklöppelte Deckchen fallen.

Und da ich Ulla und Klaus in nichts nachstehen möchte, war ich auch auf einem Slam. Nur als Zuhörer natürlich – so kann man besser be- und verurteilen. Die Texte, die Vortragsweise, vielleicht auch die Garderobe. Vor allem die Garderobe. Schließlich bin ich eine Frau und die sind bekanntlich Miststücke. Continue reading

Claudia H., 34, Lauftalent

„Mir geht nicht mehr aus dem Kopf, was du gesagt hast.“ schreibt sie und ich fühle mich ein bisschen seltsam, als ich das lese. Das Thema war mal wieder mein Essverhalten, um nicht zu sagen: meine Superkraft, alles, was vorrangig aus Kohlenhydraten, Zucker & Co. besteht, einfach wegzuinhalieren.

Und meine Abneigung gegen Sport im Allgemeinen oder das Schwitzen als Tätigkeit im Speziellen. Und damit verbunden natürlich meine ausufernde Körperfülle, die sich wie Hitlers Expansionsdrang in alle Himmelsrichtungen gnadenlos und unaufhaltsam auszubreiten ließ.

Nichts Neues also. Für mich zumindest. Und mein näheres Umfeld. Und mein weiteres Umfeld. Quasi jeder, der die Naivität besaß zu fragen und dann nicht schnell genug weglaufen konnte. Was relativ einfach ginge, da ich ja bekanntlich nicht hinterher laufen würde.

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