SCHTONK!

Ich halte mich eigentlich nicht für naiv. Nicht übermäßig zumindest. Ich habe Geschichte studiert. Sehr, sehr, sehr viele Semester lang. So viele Semester, dass meine eigenen Seminararbeiten schon bald als Primärquellen dienen dürften. (Historikerscherz. Entschuldigung.)

Wenn man Geschichte studiert, wird man vor allem auf eines gedrillt: Bullshit zu erkennen.

Egal, ob irgendein Franziskanerfurz irgendeinen Kaiser in den Himmel gelobt hat oder irgendein Philosoph, der nackelig in einer Tonne lebte, irgendeinen Herrscher als grausamen Tyrannen bezeichnete: Immer ging es nur um die Frage, warum erzählt er es so, was ist sein Motiv, wie neutral kann er sein – und hat man eigentlich keine Angst, sich einen Splitter einzufangen, wenn man in einer Tonne lebt?

Hat der Tyrann die Schwester des Philosophen geschwängert und dann sitzenlassen? Oder vielleicht sogar die Mutter? Oder beiden Syphilis angehängt? Oder erst Syphilis angehängt und dann geschwängert?

Hat der Kaiser dem Franziskanerbub eine nigelnagelneue, flauschige Kutte geschenkt? Oder einige Fässer richtig guten Messwein spendiert? Vielleicht ’nen geilen Bordeaux statt dieser Plörre von der Mosel.

Was auch immer die Motive sind, man lernt dabei schnell eines: Menschen sind scheiße und man darf niemandem glauben. Und wir reden hier von der Zeit vor dem 20. Jahrhundert. Danach wurde es ja eh ganz finster.

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Claudia H., 34, Lauftalent

„Mir geht nicht mehr aus dem Kopf, was du gesagt hast.“ schreibt sie und ich fühle mich ein bisschen seltsam, als ich das lese. Das Thema war mal wieder mein Essverhalten, um nicht zu sagen: meine Superkraft, alles, was vorrangig aus Kohlenhydraten, Zucker & Co. besteht, einfach wegzuinhalieren.

Und meine Abneigung gegen Sport im Allgemeinen oder das Schwitzen als Tätigkeit im Speziellen. Und damit verbunden natürlich meine ausufernde Körperfülle, die sich wie Hitlers Expansionsdrang in alle Himmelsrichtungen gnadenlos und unaufhaltsam auszubreiten ließ.

Nichts Neues also. Für mich zumindest. Und mein näheres Umfeld. Und mein weiteres Umfeld. Quasi jeder, der die Naivität besaß zu fragen und dann nicht schnell genug weglaufen konnte. Was relativ einfach ginge, da ich ja bekanntlich nicht hinterher laufen würde.

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