Hyänenhipster

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Manchmal, genauer gesagt gestern, stellte ich mir vor, ich hätte unermesslich viel Geld. Was man mit unermesslich viel Geld so alles kaufen könnte, welche Probleme sich dadurch in Luft auflösen würden, hach, was wäre das schön. Wenn ich jedoch tatsächlich unermesslich viel Geld hätte, würde ich in diesen Tagen vor allem eines tun..

Ich würde mir eine Zeitmaschine kaufen, ein paar Wochen zurückreisen, mir alle iPhones 6 im Hamburger Apple Store reservieren lassen, am Freitag den 19.09.2014, gemütlich um sieben Uhr achtundfünfzig mit einem heissen Latteirgendwas zum Store flanieren, beobachten, wie sich die Hipstersekte sabbernd die aknebefleckten Näschen an der Fensterfront plattdrücken und dann schließlich reingelassen werden und wie ein mit jutebeutelbehangenes Rudel ausgehungerter Hyänen hineinstürzen, der Fährte zum begehrten Endgerät zielgerichtet folgend, um dann enttäuscht, um nicht zu sagen, bodenlos bestürzt erkennen zu müssen, dass sie umsonst all die Tage vor dem Store ausgeharrt haben. Umsonst gehungert, umsonst gefroren, umsonst den Blasenkatheter gelegt. Oh, dieses Drama, oh, dieser Schmerz!

Was tun, außer sich den restlichen Tag an den Ausstellungsstücken durch manisches Fingerwischen Ersatzbefriedigung zu verschaffen. Das Endgerät sachte in den vor Erregung schwitzenden Händen hin und her zu schaukeln. Es zu liebkosen. Bis der nächste ungeduldig am Ärmel zerrt, weil er jetzt an der Reihe ist, weil er auch lieben und liebkosen will.

An dieser Stelle offenbart sich der ganze Ausmaß meines gottgegebenen misanthropischen Sadismus: Ich komme entlang geschlendert, unauffällig, wie ein voldemortscher Schatten, zücke eines der fünfzig Trillionen iPhones 6, das ich gekauft habe, ganz beiläufig, vielleicht huste ich ein wenig, während ich anfange es zu bedienen, vielleicht ziehe ich die Stirn in Falten, runzle sie verärgert, schnaube, lasse meine Gesichtsfarbe einen rötlichen Ton annehmen, nur um das Endgerät, ebendieses, welche alle Anwesenden, die mich inzwischen mit geweiteten, angsterfüllten Pupillen anstarren, begehren, schließlich mit einer ausholenden, hitlerisch-aggresiven Bewegung auf den Boden zu knallen und rumpelstilzchenlike darauf herum zu treten.

Dann würde ich mit meinem alten iPhone 4S Fotos der beknackten, entsetzen, inzwischen arg suizidgefährdeten Hipsterhyänengesichter machen, mich für eine halbe Stunde in den Starbucks am Rathaus zurückziehen, um das Rudel in seiner tränenbenetzten Trauer um den viel zu frühen Tod ihres Lebensmittelpunktes, dem sie nie näher waren und nie näher kommen werden, in Ruhe zu lassen, nur um dann nachher das Ganze noch einmal zu wiederholen. Und noch einmal und noch einmal und noch einmal.

Ja, das würde ich machen, wenn ich unermesslich viel Geld hätte.

Vielleicht gar nicht so schlecht, dass dem nicht so ist. Also für die anderen.

 

Pommes aus Verzweiflung

Man liest ja heutzutage viel von dem grausamen Leben Schicksal der Tiere, die zu Verzehrungszwecken gezüchtet, gemästet und geschlachtet werden. Uns werden Fotos und Filme um die Ohren und die anderen Sinne gehauen, in denen Kühe, Schweine und King Prawns leiden, dass es einem die Tränen in die konsumierenden Augen treibt. Es ist alles ganz furchtbar.

Doch wer spricht von dem Los, dem Leiden, DEM GRAUSAMEN SCHICKSAL, das Vegetarier und Veganer erleiden müssen? Tag für Tag! Denn auch Gemüseenthusiasten wollen am Leben „der anderen“ teilnehmen. Sind mit Menschen befreundet, die nicht zum Clan der Hirseschnabulierer gehören, wollen mit ihnen Zeit verbringen, raus gehen, essen gehen.

Doch außerhalb Berlins und anderer ökologischer Hipster-Terror-Hot-Spots ist es oft schwer Restaurants zu finden, deren vegetarische Gerichte auch nur ansatzweise als schmackhaft zu bezeichnen sind.

@serotonic führt genau aus diesem Grund seit geraumer Zeit einen Blog, in dem sie das furchtbare, kaum auszuhaltende Schicksal der Vegetarier, die wieder und wieder dazu gezwungen werden, in scheinbar aussichtslosen Restaurantbesuchen, auf ein und das selbe auszuweichen: Pommes.

Mutig wird in diesem Blog das Ausmaß der kulinarischen Tragödie dokumentiert und ich möchte hier unerschrocken meinen Beitrag zu dieser Aufdeckung leisten und Ihnen sagen, dass das besagte Ausmaß viel größer ist, als man auf den ersten Blick denkt.

Denn diese Erkenntnis musste ich machen, als ich die Tage das erste Mal beim Thailänder war. Thais, sind das nicht Buddhisten oder sonstwie religiös angeheiterte Menschen, die super friedfertig sind? Nun, in der Theorie eventuell. Schaut man ein wenig Nachrichten, sieht man, dass der Thailänder an sich gerne mal genauso blutrünstig ist, wie jede andere Gruppe der Weltbevölkerung auch. Das schlägt sich natürlich auch in der Speisekarte nieder, in der sich – laut eines lustigen Kleeblatts hinter jedem vegetarischem Gericht – genau vier dieser Sorte befinden.

Letzten Endes saß ich dort mit einem Berg Frühlingsrollen und etwas, was laut Karte gebratener Tofu sein soll, aber eher wie toter Schwamm aussieht, sich anfühlt und natürlich schmeckt.

Verzweiflungspommes – die asiatische Version.

IMG_6307 Man hat es halt nicht leicht, so als moralisch überlegener Mensch.