Kellermenschen

@outerpace_girl so:

Hi Claudia. Ich gebe am Samstag einem Berliner Radiosender ein Interview über meinen Blog und gegen Ende muss ich eine Blogempfehlung nennen. Ich würde gerne deinen nennen. Ist das okay?

Ich so:

Ja, klar.

@outerspace_girl so:

Übrigens. Sie machen dann mit dir in der Folgewoche das Interview.

Ich so:

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Entschuldigung, aber es hat durchaus seine Gründe, warum Blogger im Keller leben. Fern ab von der restlichen Menschheit, die konstant Dinge denkt, sagt und tut, auf die man echt nicht vorbereitet ist. Z. B. „Hallo.“
Stattdessen ist der Blogger mit der Welt am Liebsten nur durch den Router und alle verfügbaren Lieferdienste verbunden. Seine Kontakte sind primär digitaler und mit Vorliebe unverbindlicher Natur, dabei ist er nicht per se sozial inkompetent, eher lediglich auf eine charmante Weise sozial behindert. Er kann wochenlang ohne jede menschliche Regung auskommen, nur um dann völlig traumatisiert zu sein, wenn Catelyn und Robb Stark  (inklusive Schattenwolf) niedergemetztelt werden.

Es hat seine Gründe, warum der Blogger statt in einem Elfenbeinturm in einem Keller hockt.

Es hat seine Gründe, warum er diesen nur selten und selbst dann in der Regel unfreiwillig verlässt.

Es hat einfach seine Gründe.

Aber narzisstisch, wie der gemeine Blogger an sich nun ebenfalls gerne sein kann, wollte ich – all dieser Gründe mir durchaus bewusst – nicht ‚Nein‘ sagen.
Radio! Voll cool. Mit einem Fremden reden, ha!, kann ich doch, kein Problem. Solange ich nicht angefasst werde – alles tutti!

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Ausgestattet mit der unbändigen Macht der Verdrängung, ließ ich die Woche verstreichen und das Interview mit einer sauronmäßigen Hybris auf mich zukommen.

Mit besagter Hybris, und nur begrenzt Herr meiner Sinne und der deutschen Grammatik, schlug ich mich schließlich am vergangenen Samstag wie gewohnt eloquent, tiefsinnig und charmant.

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(Frau Haessy im Interview – Symbolbild)

Ich würde es also jederzeit wieder tun. Vielleicht. Oder auch nicht. Vielleicht gehe ich jetzt auch erstmal wieder in meinen Keller und tue so, als wäre das alles nie passiert. Verdrängung – auch so eine Sache, die Blogger super können.

Ach so, anhören könnt ihr euch den von mir zusammengestotterten Schmonsens ab 01:01:24h hier.