2016 | Jahresrückblick

Wenn das neue Jahr ansteht, neigt man ja dazu, nur noch darüber zu sprechen und über all das, was man in diesem Jahr alles anders machen wird. 50kg abnehmen. Mit dem Rauchen aufhören. Einen Marathon in 17 Minuten laufen. All so Sachen eben.

Und abgesehen von irgendwelchen Sendungen mit austauschbaren Moderationsgesichtern wie Jauch, Pilawa und Lanz, die einem nochmal aufzählen, welcher Promi alles so gestorben ist, welches Schicksal (gerne was mit Kindern oder Welpen) uns dieses Jahr besonders mitgenommen hat und wo es das schönste Happy End des Jahres gegeben hat (gerne was mit schwerer Krankheit und Heiraten), befassen wir uns irgendwie recht ungern mit dem Jahr, das ab Dezember in seinen Endzügen siechend vor einem lag.

Also mit dem, was wir selbst in den vergangenen zwölf Monaten so gemacht haben. Denn unabhängig von den ganzen Promis, die 2016 verblichen sind, ist man selbst es ja nicht. Also verblichen. Und wenn man sich noch einmal so vor Augen führt, was man in 12 Monaten so alles gemacht, erlebt, gefühlt und gesehen hat, ist das gar nicht mal so wenig.

Halten wir also einen Moment inne für eine Ruheminute für das jüngst von uns gegangene Jahr, in dem zumindest ich eine ganze Menge gemacht habe.

  • Ich habe meinen Job gekündigt.
  • Ich habe Berlin und viele tolle Menschen verlassen. Also erneut. Also endgültig. Also vermutlich.
  • Ich habe einen neuen Job angefangen.
  • Ich habe das erste Mal zu 100% als Selbstständige gearbeitet.
  • Ich habe mich das erste Mal seit Jahren wieder in einem Fitnessstudio angemeldet. (Lachen Sie jetzt nicht!)
  • Wir sind das erste Mal zu dritt in Urlaub gefahren.
  • Ich habe wieder einmal festgestellt, wie schön es am Meer ist und dass wir viel öfter den vergleichsweise kurzen Weg von Hamburg an die Nordsee machen sollten.
  • Ich habe viel geweint.
  • Ich habe viel an mir gezweifelt.
  • Ich bin das erste Mal laufen gegangen.
  • Ich hatte große Angst, dass ich beim Laufen einfach sterbe und man mich dann im Leichenschauhaus in meinen lächerlich neonfarbenen Joggingklamotten identifizieren muss.
  • Ich habe herausgefunden, dass man an Seitenstichen gar nicht sterben kann.
  • Ich habe das Buch fast fertig geschrieben.
  • Ich habe zwischendurch noch mehr geweint.
  • Ich habe noch ein bisschen mehr an mir gezweifelt.
  • Ich habe währenddessen krass viel zugenommen.
  • Ich habe deswegen auch ein  bisschen geweint.
  • Ich habe einen Vertrag unterschrieben, um ab 1.1.2017 wieder als „Feste“ zu arbeiten.
  • Ich habe das erste Mal einen Kindergeburtstag veranstaltet, mit allem Pipapo und mich arg gewundert, warum Amnesty International sowas nicht verbietet.
  • Wir haben Weihnachten das erste Mal nicht in der Heimat bei der Familie, sondern Zuhause mit der eigenen Familie allein verbracht.
  • Und vor allem: Ich habe überlebt. Im wortwörtlichen Sinne.

Im Detail war da ganz schön viel Scheiße in meinem 2016. Viel Wut und Frustration. Aber ich stehe noch. Laufe noch. Wenn auch etwas schwerfälliger und dicker als vor einem Jahr. Aber egal, wie beschissen die Details und kleinen Momente auch waren, das große Ganze zeigt mir dann doch, wie viel ich aushalten kann. Und dass ich stärker bin, als ich im einzelnen Moment vielleicht denke.

Und das ist doch ein ganz okayes Fazit für 2016.

Foto 30.12.16, 16 52 38

Vielen Dank.

Man neigt gerne dazu, im Hier und Jetzt alles schwarz zu sehen oder zumindest schwärzer, als es vielleicht ist. Ich würde mich zwar nicht grundsätzlich als Pessimist bezeichnen, aber ich habe von Natur aus durchaus eine.. nun.. nennen wir es negative Tendenz, Dinge zu sehen.

Angesichts der Tatsache, dass ich also jedem neuen Tag mit einem Grummeln und Knurren begegne, ist es umso erstaunlicher, dass das vergangene Jahr rückblickend im Großen und Ganzen gar nicht so grummel- und knurrerregend war.

Vielleicht sollten wir das häufiger machen. Uns auf die Dinge besinnen, die man erreicht und geschafft hat. Das sind nämlich nicht selten nicht wenige..

2014

Ich habe einen neuen Job gefunden,
mich selbstständig gemacht und neu erfunden.
Habe mein Herz an Elbe und Alster verloren,
habe totem Fleisch und Fisch abgeschworen,
nur um es dann zwei Monate später wieder zu fressen.
Habe aufgehört mich zu wiegen und zu messen,
und stattdessen Frieden mit meinem Körper geschlossen,
mit all den Dellen und Hubbeln und Sommersprossen.
Ich habe den ein oder anderen Freund nicht mehr,
und dafür neue gewonnen, dafür dank ich sehr.
Ich habe geweint. Und gelacht.
Habe schöne und traurige Momente verbracht.
Bin an mir und der Welt gescheitert,
habe meinen Lebensmut erweitert.
Habe gekämpft, gehofft und triumphiert.
Bin weiterhin nicht einfach. Bin kompliziert.
Aber statt dauernd hart zu mir selbst zu sein,
bin ich vor allem froh, immer noch da zu sein.
Vielleicht war im letzten Jahr nicht alles gerecht,
aber scheisse nochmal, es war auch nicht so schlecht.

Ich glaube.. so im Großen und Ganzen
gab’s in 2014 genug Grund, um zu Feiern und zu Tanzen.
Und sollte sich 2015 am Ende ähnlich verabschieden,
bin ich auch weiterhin nicht gänzlich unzufrieden.

Vielen Dank 2014.