Claudia H., 34, Lauftalent

„Mir geht nicht mehr aus dem Kopf, was du gesagt hast.“ schreibt sie und ich fühle mich ein bisschen seltsam, als ich das lese. Das Thema war mal wieder mein Essverhalten, um nicht zu sagen: meine Superkraft, alles, was vorrangig aus Kohlenhydraten, Zucker & Co. besteht, einfach wegzuinhalieren.

Und meine Abneigung gegen Sport im Allgemeinen oder das Schwitzen als Tätigkeit im Speziellen. Und damit verbunden natürlich meine ausufernde Körperfülle, die sich wie Hitlers Expansionsdrang in alle Himmelsrichtungen gnadenlos und unaufhaltsam auszubreiten ließ.

Nichts Neues also. Für mich zumindest. Und mein näheres Umfeld. Und mein weiteres Umfeld. Quasi jeder, der die Naivität besaß zu fragen und dann nicht schnell genug weglaufen konnte. Was relativ einfach ginge, da ich ja bekanntlich nicht hinterher laufen würde.

Continue reading

Eppendorf

Ich stehe leicht verwirrt beim Butterregal und blinzle unsicher – wie ein Reh, dem man frontal eine Taschenlampe in die Fresse hält – auf der Suche nach Philadelphia umher. Reizüberflutung nennt man das wohl. Ich war das letzte Mal 2012 hier und, irgendwann zwischen damals und jetzt, ist jemand offenbar zu der Erkenntnis gekommen, dass der EDEKA zu klein sei und hat deswegen den Budni erstmal ins Untergeschoss verfrachtet und dessen Ladenzeile, wie ein Bartenwal einen Haufen Plankton, einfach verschluckt.
Der neue EDEKA ist nicht nur einfach riesig, er ist gigantomanisch und zu sagen, ich wäre darin überfordert, ist eine enorme Untertreibung.

Ganz ruhig, flüstere ich leise, während mir ein Helikoptervater samt Sprößling mit seinem Einkaufswagen die Ferse amputiert. Ganz ruhig, du wirst hier bald wohnen, du wirst immer hier einkaufen, du musst dich nur daran gewöhnen.
An die Menschen, die vielen, vielen Menschen!!, die Lichter und die Reklamen und die absurde Ansammlung an Lebensmitteln, von denen der gemeine Eppendorfer denkt, er würde sie alle brauchen und dadurch die Existenz des nicht minder absurd großen EDEKA rechtfertigt.

Ich weiß ohnehin nicht wirklich, was ich vom Eppendorfer als solchen halten soll. Ich mag Hamburg. Wirklich. Und ich sage mir Tag für Tag, dass der Eppendorfer als solcher nicht unbedingt repräsentativ für den Hamburger an sich ist. (Zahlreiche Nicht-Eppendorfer bestätigen mir das mit Nachdruck)
Dennoch ist es schwer sich dieses immer und immer wieder zu vergegenwärtigen, wenn man die meiste Zeit, wenn man das Haus verlässt, auf Eppendorfer trifft. Was vorrangig daran liegt, dass man nun mal in Eppendorf ist.

Der Eppendorfer erinnert irgendwie an den Hannoveraner oder den Bonner – und ich kann beim besten Willen nicht sagen, welcher Vergleich nun der Schlimmere ist. Er wirkt irgendwie unterkühlt, aber nicht auf diese dennoch stets charmante Nordmannweise, die unbewusst sagt „Ich bin zwar wortkarg und verfüge über keine erkennbare Mimik, aber wenn du lieb bist, hab ich hier noch irgendwo ein frisches Krabbenbrötchen für dich..„, sondern auf diese „Meine Tasche hat mehr gekostet als deine gesamte Garderobe und nun tritt beiseite, du stehst im Lichtkegel der Käsetheke, die meinem in Sankt-Peter-Ording herangezüchteten Teint so schmeichelt.

In meinem Herzen sehne ich mich nach Köpenick zurück, wo der dortige REWE nichts anderes war, als der tägliche Treffpunkt der örtlichen Schlafanzug- und Jogginghosen-Vereinigung.

Und dennoch ist Berlin schon längst keine Heimat mehr, Bonn war nie Heimat – trotz gegensätzlicher Behauptungen der Geburtsurkunde – und nun soll Hamburg, nein, Eppendorf, meine Heimat werden?

Als würde der Mann meine Bedenken, mein Unbehagen spüren, als ich von der Reizüberflutungsanlage ohne Einkäufe zurückkehre, werde ich kurzerhand ins Auto und an die Elbe verfrachtet.

Und was soll ich Ihnen sagen, ich hatte dort schnell das Gefühl, ich könnte hier vielleicht wirklich heimisch werden und unter meinesgleichen sein.

  308327_432899280089989_306402914_n